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Dekarbonisierung – gut für Klima und Investoren

Kommentar von Jan Sobotta, Leiter Sales Ausland, Swisscanto Asset Management International S.A.



Der Trend hin zu einer emissionsärmeren Welt ist offensichtlich unumkehrbar. Immer mehr Länder bekennen sich zu einer Reduktion ihrer Nettoemissionen auf Null. Künftig sind daher nicht nur strengere gesetzliche Regulatorien für Treibhausgas-Emissionen zu erwarten, sondern auch der Druck der Investoren dahingehend wird zunehmen.

Damit sehen sich Unternehmen, die ihre Emissionen nicht reduzieren, mit steigenden Kapitalkosten konfrontiert. Entsprechend ist die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und die Dekarbonisierung für Unternehmen und letztlich auch für Investoren unverzichtbar, wenn Risiken und Chancen für die Geschäftsmodelle bewertet werden sollen.

Große Chancen bietet der Wandel denjenigen Unternehmen, die mit ihren Produkten, Dienstleistungen und Herstellungsmethoden einen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen leisten. Hier sind insbesondere umweltfreundliche Technologien, allgemein Cleantech genannt, ein wirksames Instrument für die Dekarbonisierung und die Erreichung des Netto-Null-Emissionsziels. Regierungen weltweit haben nicht nur erkannt, dass Investitionen in Cleantech effektiv Emissionen reduzieren, sondern auch Arbeitsplätze schaffen. Laut der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien müssen in den nächsten 30 Jahren durchschnittlich jährliche Investitionen in Höhe von 4.400 Milliarden USD getätigt werden, um das Ziel von maximal 1,5°C Erderwärmung zu erreichen. Davon müssten zirka 1.700 Mrd. USD (39 Prozent) in die Energieerzeugung fließen, während weitere rund 2.300 Mrd. USD (52 Prozent) in die Verbesserung der Energienutzung von Industrie, Gebäuden und Verkehr fließen müssten.

Einige saubere Technologien wie die Solar-Photovoltaik (Solarkraft) und Windturbinen (Windkraft) sind technologisch bereits sehr ausgereift und weisen die mitunter tiefsten Stromgestehungskosten (Kosten, die anfallen, um die Energieumwandlung von einer bestimmten Energieform in elektrischen Strom zu ermöglichen) unter allen Arten der Stromerzeugung auf. Mit so tiefen Stromgestehungskosten von bis zu 22 USD/Megawattstunden (MWh) durch Solarkraft und Windkraft sind bereits heute Eigenkapitalrenditen von mindestens neun Prozent realisierbar. Die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen unterliegt oft gewissen Schwankungen, weshalb mit der Zunahme von Solar- und Windkraft im Strommix auch die Möglichkeiten zur zwischenzeitlichen Speicherung von Strom stark zunehmen müssen. Der jährliche Zuwachs an Batterie-Energiespeichersystemen wird sich allein bis 2025 um 525 % (~25 Gigawatt pro Jahr) gegenüber dem Niveau von 2020 (~4 Gigawatt pro Jahr) erhöhen.

Den wahrscheinlich am stärksten vernachlässigten Bereich der Dekarbonisierung stellt die Gebäudeinfrastruktur dar, welche für rund 35 Prozent des globalen Energiebedarfs und rund 40 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen mitverantwortlich ist. Die Technologien zur Dekarbonisierung von Gebäuden (Isolierung, Wärmepumpen usw.) sind bereits sehr ausgereift, aber vielfach noch ökonomisch unattraktiv, da zum Beispiel die Anfangsinvestitionen hoch und Amortisationszeiten lang sind. Doch ist davon auszugehen, dass auch hier kein Weg an Effizienzverbesserungen vorbei geht. Aus unserer Sicht ist die Dekarbonisierung gut für Klima und Investoren. Anleger sollten diesen Bereich weiterhin im Portfolio langfristig beimischen, um an den Dekarbonisierung-Maßnahmen zu partizipieren.

 

Veröffentlicht am: 16.01.2022

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