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Mittwoch, 21. November 2018
   
 

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Weibliches Unternehmertum ist selbstverständlicher geworden

Nicht Ost-West das Thema, sondern Stadt-Land und Biographie als Herkunft für Gründerinnen

An der Freien Universität Berlin hat am 2. Oktober die Abschlussveranstaltung der Initiative „grOW! Frauen gründen (in) Ost und West“ stattgefunden. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Netzwerk-Initiative hat ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung erstmals den Blick auf Unternehmensgründungen durch Frauen in Ost- und Westdeutschland gerichtet.
 
Bei der Abschlussveranstaltung wurden die Ergebnisse eines einjährigen Arbeitsprozesses präsentiert, der unter der Federführung der Freien Universität Berlin, Profund Innovation, im Verbund mit der Universität Siegen aus einer „Zukunftskonferenz“ im November vergangenen Jahres und mehreren regionalen Themen-Workshops bestand. Rund 75 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Politik informierten sich im Topoi Building Dahlem über die Situation und zukünftigen Anforderungen an die Förderung von Gründungen durch Frauen, welche Faktoren und Rahmenbedingungen die Erhöhung beziehungsweise Verbesserung von Anzahl, Wachstum und Nachhaltigkeit von Unternehmensgründungen durch Frauen positiv beeinflussen können.

Ulrich Rössler, kommissarischer Leiter der Abteilung Forschung an der Freien Universität Berlin betonte die Bedeutung des grOW!-Projektes für die Gründungsförderung am eigenen Standort: „Rund hundertzwanzig Ausgründungen finden jährlich bei uns an und aus der Freien Universität Berlin heraus statt,“ so Rössler, „davon sind aber leider nur ein Fünftel in weiblicher Hand. Die Ergebnisse dieser Initiative werden wir daher auch für unsere eigene Arbeit sehr gut auswerten und zukünftig einbeziehen können.“

Prof. Dr. Friederike Welter, Professorin für Entrepreneurship an der Universität Siegen und Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn, stellte die erhöhte Wertschätzung von Frauen und das immense wirtschaftliche Wachstumspotenzial heraus: Nach einer aktuellen Studie des McKinsey Global Institute (MGI), "The Power of Parity", könne eine Steigerung des weltweiten Bruttosozialproduktes um fast zwölf Prozent erreicht werden, wenn Geschlechtergerechtigkeit hergestellt und Ungleichheit in der Erwerbstätigkeit am Arbeitsmarkt aufgehoben wären.

Tatsächlich ist die Entwicklung der Unternehmensgründungen durch Frauen positiv:  Aktuell erfolgen 43 Prozent der Unternehmensgründungen laut KfW-Gründungsmonitor durch Frauen. Das ist der bisher höchste Stand. Der Mittelstandsforscher und Gründungsexperte Dr. René Leicht vom Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim hatte bereits zu Beginn der „grOW“-Initiative vor einem Jahr auf einen „Stau“ in der Entwicklung von Frauengründungen aufmerksam gemacht, der zudem in Ost und West Unterschiede aufweist: „Die Selbstständigenquoten zwischen Ost- und Westdeutschland haben sich stark angenähert. Sowohl die Quoten bei Männern als auch bei Frauen sind insgesamt deutlich angestiegen. In Ostdeutschland wachsen die Selbstständigenquoten bei Frauen jedoch deutlich langsamer als bei Männern. Lag der Unterschied 1991 zwischen Frauen und Männern noch bei 3,2 Prozent, so ist der Gender Gap 2012 fast doppelt so groß.“

Die Entwicklung in Ostdeutschland wird sich nach der Ansicht von Romy Oleynik, grOW!-Projektkoordinatorin von Profund Innovation – der Gründungsförderung der Freien Universität Berlin, nur langsam angleichen lassen. Dafür seien der Aufholbedarf zu groß und die Siedlungsstrukturen - ein maßgeblicher Faktor bei Unternehmensgründungen - zu unterschiedlich.

Die zunehmende Abwanderung Land – Stadt und den wachsenden Rückgang an Beschäftigungsmöglichkeiten im ländlichen Raum betonte auch Anette Morhard, Geschäftsführerin des Bildungswerks der Thüringer Wirtschaft e.V., die das Themengebiet „Stadt-Land-Zwischenräume“ im Rahmen der grOW!-Initiative bearbeitet hat. Gerade hier sieht sie auf dem Land durch den demografischen Wandel hohe Chancen und Bedarfe in den haushaltsnahen Dienstleistungen für Gründerinnen und appelliert an die Wirtschaftsförderung für Entwicklungs- und Verdichtungskonzepte im ländlichen Raum.

Die Ursachen für die niedrigere Zahl an Gründungen durch Frauen sind vielfältig, wie die Ergebnisse der grOW!-Initiative belegen. Ein gewichtiger Grund ist die Berufswahl, die immer noch geschlechtsspezifischen Mustern folgt – und das sowohl im Osten wie im Westen. Typische Frauenberufe bieten jedoch wenige Möglichkeiten, sich selbständig zu machen. Die Chancen sind nur ein Drittel so hoch wie in einem Männerberuf. „Die Stellschrauben für eine stärkere unternehmerische Präsenz von Frauen liegen in Ost und West bei Fragen der Sozialisation und der Auflösung von geschlechtsspezifischen Rollenmustern“, so Dr. René Leicht. Das belegen auch die Zahlen der Hochschulen. Zwar ist dort der Frauenanteil in Gründungsteams mit 45 Prozent (2013) insgesamt relativ hoch, jedoch gilt er nicht für den Bereich der technologieorientierten und IT-basierten Gründungen. Schließlich ist hier der Anteil weiblicher Studierender eher gering.

Als Möglichkeit, das Gründungsverhalten von Frauen zu befördern, wurden im Rahmen der Initiative auch die Rolle der Medien und damit die Präsenz von weiblichen Vorbildern untersucht. „Hier besteht noch Handlungsbedarf – sowohl seitens der Unternehmerinnen, die ihre proaktive Öffentlichkeitsarbeit professionalisieren müssen, als auch seitens der Medien, die noch mehr über erfolgreiche weibliche Geschäftsaktivitäten berichten, dabei aber auf Stereotype verzichten könnten“, sagte Prof. Dr. Friederike Welter, Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung  Bonn und Lehrstuhlinhaberin an der Universität Siegen. So existierten in den Medien immer noch stereotype Vorstellungen, wie die  Auswertungen einer Medienanalyse an der Universität Siegen aufgezeigt hat. Demnach erschienen 2004 bis 2013 in sechs überregionalen Tageszeitungen fast 9.000 Artikel mit dem Stichwort „Unternehmerin“ oder  „Gründerin“. Allein im Jahr 2013 wurden aber in den untersuchten Zeitungen insgesamt 20.700 Berichte mit dem Stichwort „Unternehmer“ oder „Gründer“ veröffentlicht, was nicht dem Frauenanteil an allen Selbstständigen (32,2 Prozent im Jahr 2013) entspricht.

Bei der Abschlusskonferenz am 2.Oktober wurden die Ergebnisse der sechs Themen-Workshops vorgestellt, die 2015 in Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen,  Niedersachsen und Hessen stattgefunden haben. In den Arbeitstreffen wurden neben der Analyse des herrschenden Status auch Handlungsempfehlungen und Forderungen an die Politik formuliert. Allgemein wurde deutlich gemacht, dass neben der öffentlichen Präsenz und Sichtbarkeit von Gründerinnen und Unternehmerinnen auch als role-models und Mentorinnen vor allem die frühzeitige Bildung und Ausbildung unternehmerischer Kompetenzen in Schulen und an den Hochschulen bewusst gefördert werden müsste, um mehr Frauen zu Gründungen von Unternehmen zu motivieren. 

Wünschenswert wäre die stärkere Verankerung einer Gründungskultur an Hochschulen. Dies habe einen zentralen Einfluss auf die Förderung von technologie- und wissensbasierten Unternehmensgründungen. An politische Entscheidungsträger wurde appelliert, eine gründungsbezogene Ausbildung bereits an Schulen einzuführen sowie die dortige Förderung des Interesses am Thema „MINT“ bei Mädchen auszubauen. Besonders wichtig sei der Aufbau von Netzwerken für Gründerinnen aus Naturwissenschaft und Technik genauso wie in ländlichen Regionen und internationalem Social Media-Raum. Langfristig müsste die Gründungsdynamik von Frauen bedürfnisgerichteter gefördert werden. So sollten beispielsweise Kredite auch für Gründungen im Gesundheitswesen und im Nebenerwerb zugänglich sein.

Auch die Übernahme von Firmen durch Frauen muss in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen. Laut KfW liegt der Frauenanteil an sogenannten Übernahmegründungen aktuell bei nur 37 Prozent. In Zukunft empfehle es sich, so das Fazit der Initiative, spezielle Zugänge für Frauen in die Unternehmensleitung zu schaffen und für ausreichende Qualifizierung zu sorgen.

Die Unternehmensgründungen durch Frauen werden auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels immer wichtiger. „Die Kombination aus Geburtenrückgang und Alterung der Bevölkerung könnte laut Statistischem Bundesamt dazu führen, dass bis 2060 in Deutschland 27 Prozent weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen als heute. Da die Frauen-Erwerbstätigenquote in Deutschland mit 71 Prozent noch zehn Prozentpunkte unter der von Männern liegt, könnten Lücken – neben der gezielten Integration von Einwanderern - vor allem auch durch eine stärkere Mobilisierung der Frauen geschlossen werden“, so grOW!-Projektkoordinatorin Romy Oleynik von der Freien Universität Berlin.

Das Verbundprojekt „grOW! Frauen gründen (in) Ost und West“ ist ein gemeinsame Initiative der Freien Universität Berlin und der Universität Siegen sowie dem Institut für Mittelstandsforschung Bonn in enger Kooperation mit science2public – Gesellschaft für Wissenschaftskommunikation e.V. und der bundesweiten gründerinnenagentur (bga). Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Dabei verfolgt die Initiative einen mehrstufigen Prozess.

Startschuss war anlässlich des 25-jährigen Mauerfalls eine zweitägige Zukunftskonferenz 2014 in Berlin, 2015 wurden in enger Zusammenarbeit mit der bundesweiten gründerinnenagentur sechs regionale Workshops zur Vertiefung der ersten Arbeitsergebnisse durchgeführt, parallel erstellt die Universität Siegen unter der Leitung von Prof. Friederike Welter, Präsidentin des Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn eine Medienanalyse zum „Unternehmerinnenbild in der deutschen Presse“.

 


Veröffentlicht am: 08.10.2015

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