Geldgeschenke für Kinder sind "in": Statistisch gesehen erhält jedes Kind in Deutschland zu Weihnachten und zum Geburtstag insgesamt 152 Euro Bargeld. Nur: Viele Kinder wollen ihr Geld am liebsten gleich wieder ausgeben. Für Eltern bedeutet das: Sie sollten die Gelegenheit als Einstieg in die Erziehung beim Thema Finanzen nutzen. "Eltern können ihre Sprösslinge dazu anleiten, einen Teil des Geldes zu sparen, weil man sich so später einen noch größeren Wunsch erfüllen kann. Damit ist schon einmal die erste Lektion im Umgang mit Geld gelernt", erklärt Dirk Fuchshofen, Experte für private Finanzen bei der Dresdner Bank.
Wer Kindern einen vernünftigen Umgang mit Geld beibringt, stellt nicht allein wichtige Weichen für die spätere Erwachsenenzeit. Denn schon die Kleinen sind in der Geld- und Konsumwelt eine Größe: Zu den durchschnittlich 152 Euro Geldgeschenk pro Kinderkopf kommt noch das Taschengeld. Die KidsVerbraucherAnalyse des Egmont-Ehapa-Verlags hat ermittelt: Mit Geldgeschenken und Taschengeld zusammen verfügen die knapp sechs Millionen Kinder in Deutschland über fast 2,5 Milliarden Euro jährlich im Geldbeutel. Dazu kommen rund 3,6 Millionen Euro auf Sparkonten.
Erziehungsexperten sind sich deshalb einig: Kinder brauchen Gelderziehung. Dresdner-Bank-Experte Fuchshofen: "Wer früh übt, Geld einzuteilen und damit auszukommen, mit Augenmaß einzukaufen und für größere Dinge zu sparen, geht auch später als Erwachsener verantwortlicher mit seinen Finanzen um. Und weil private Vorsorge immer wichtiger wird, geben Eltern ihren Kindern mit einer guten Gelderziehung eine wertvolle Tugend mit auf den Weg."
Zweite Lektion: Taschengeld
Taschengeld sollten Kinder mit vier oder fünf Jahren, spätestens aber mit der Einschulung erhalten. Sie können in diesem Alter kleinere Beträge nachrechnen und den Dingen einen ungefähren Wert zuordnen. Die Summe bemisst sich am Familieneinkommen und sollte mit dem Alter des Kindes steigen. Faustformel: Pro Woche ein Euro je Schuljahr – ein Drittklässler zum Beispiel erhält also drei Euro pro Woche. Ab neun Jahren können Kinder auch größere Zeiträume überblicken. Dann ist es eine gute Übung, Taschengeld monatlich statt wöchentlich auszuzahlen, um das Haushalten zu fördern. "Umgekehrt sollten aber auch Eltern Vorbild sein und Taschengeld pünktlich und regelmäßig zahlen – und zwar unabhängig von Verhalten oder Schulleistungen", rät Fuchshofen.
Dritte Lektion: sparen
Mit etwa acht Jahren sind Kinder alt genug für ein Sparkonto. Es ermöglicht ihnen erste Erfahrungen mit Zinsen und Geldformen, die sich im Gegensatz zum gefüllten Sparschwein nicht anfassen lassen. Auf das Sparkonto sollten größere Geldbeträge wie etwa Geschenke der Großeltern oder Paten eingezahlt werden.
Vierte Lektion: Schulden sind tabu
Nächster Schritt: Zwischen 14 und 16 Jahren sind Kinder meist reif für ein eigenes Girokonto. "Da Minderjährigen kein Dispokredit eingeräumt werden darf, können sich Kinder auf diesem Wege nicht verschulden", betont Fuchshofen. Diese Falle lauert jedoch auf vielfältige andere Weise. Obwohl Minderjährige rein rechtlich keine Handys kaufen, keine Klingeltöne abonnieren oder keine ebay-Auktion abschließen dürfen, findet all dies täglich statt. Die Folgen beschreibt Bankfachmann Fuchshofen: "Die Rechnung geht erst einmal an die Eltern, und die können sich dann womöglich langwierig mit dem Verkäufer herumstreiten. Deshalb sollte Kindern klar sein: keine Bestellungen übers Internet – keine Käufe mit geliehenem Geld!"
Fünfte Lektion: versichern und vorsorgen
Die letzte Stufe der Gelderziehung läutet den Übergang ins Erwachsenenalter ein. Jugendliche in der Ausbildung kommen automatisch in Kontakt mit Dingen wie erstes eigenes Gehalt, Vermögenswirksame Leistungen und Berufsunfähigkeitsversicherung. "Teenager in der Schule sollten von ihren Eltern einbezogen werden, wenn beispielsweise Sparverträge für das spätere Studium abgeschlossen werden", rät Fuchshofen. Zusätzlich können sie sich am Kapitalmarkt erproben, etwa durch Börsenspiele mit virtuellem Geld.








