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Sonntag, 7. März 2021
   
 

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Donner & Reuschel in Kürze: Corona & Märkte

... von Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel

Im Zuge der Amtsübergabe an den neuen US-Präsidenten Joe Biden am 20. Januar könnte es erneut zu politischen Turbulenzen und gegebenenfalls sogar zu Unruhen in den USA kommen. Da die faktische Übernahme der Präsidentschaft durch Biden aber nicht infrage steht, dürfte das Thema an den Kapitalmärkten kaum für Bewegung sorgen.

Für die Börsen ist kurzfristig die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie und die Vorgehensweise der Regierungen zur Eindämmung der weiteren Ausbreitung besonders relevant. Sowohl in den USA als auch in Europa steigen die Fallzahlen nach wie vor und in vielen Regionen werden die bestehenden Shutdown-Maßnahmen verlängert und/oder verschärft. Dabei bereitet derzeit insbesondere die Ausbreitung mutierter Viren Sorgen. Selbst aus China wurden zuletzt vermehrt neue Infektionsherde berichtet, die bisher allerdings in gewohnt rigoroser Manier eingedämmt werden.

In China hat die wirtschaftliche Dynamik die Vorkrisenniveaus mittlerweile deutlich überschritten. So lag die Industrieproduktion schon im November sieben Prozent, die Anlageinvestitionen 2,6% und die Einzelhandelsumsätze fünf Prozent über dem jeweiligen Niveau des Vorjahres. Auch das Welthandelsvolumen hat das Niveau von Ende 2019 bereits wieder erreicht. China ist damit die Konjunkturlokomotive für die Weltwirtschaft und es bleibt zu hoffen, dass das Land von erneuten größeren Corona-Wellen verschont bleibt.

Wirtschaftlich leidet in Europa vor allem der personennahe, soziale Konsum sowie der stationäre Einzelhandel unter den aktuellen Einschränkungen. Die Industrie hingegen profitiert von der wieder erstarkten Exportnachfrage aus China, u.a. nach Maschinen, Anlagen, Fahrzeugen und anderen konjunktursensitiven Produkten. Zudem sichern derzeit offene Grenzen und intakte Lieferketten – anders als im Frühjahr – die industrielle Produktion ab. Erkennbar ist dies in Deutschland am ifo-Geschäftsklimaindex, der für das Verarbeitende Gewerbe eine Unternehmensstimmung auf Zweijahreshoch anzeigt. Die deutsche Industrie könnte somit eine seit Mitte 2018 anhaltende Phase sinkender Produktion beenden und zieht derzeit auch den industriellen Großhandel und bestimmte Logistikdienstleister mit nach oben. Sollten jedoch künftige Shutdown-Maßnahmen dafür sorgen, dass die industrielle Produktion eingeschränkt werden muss, müssten die aktuellen volkswirtschaftlichen Projektionen und wohl auch die Erwartungen an die Unternehmensgewinne in vielen Fällen adjustiert werden.

Durch die Einigung zwischen der Europäischen Union und Großbritannien über wesentliche Aspekte der künftigen Handelsbeziehungen konnten größere Belastungen durch ein ungeordnetes Ende der Brexit-Übergangsfrist Ende 2020 verhindert werden. Trotzdem werden einzelne Fragestellungen erst noch und voraussichtlich auch immer wieder separat geklärt werden müssen (bspw. zur Frage der Anerkennung von Produktstandards) und der Handel zwischen beiden Regionen wird schwieriger werden als zu Zeiten eines gemeinsamen Binnenmarktes.

Die Inflation dürfte die Vorkrisenniveaus (in der Eurozone 1-1,5%; in den USA etwa 2%) schon im Frühjahr wieder erreichen. Einerseits wird die Energiekomponente der Inflation ab März deutlich steigen, wenn die dann aktuellen Rohölnotierungen mit den niedrigen Werten des Vorjahres (bei der Sorte Brent durchschnittlich 25-30 US-Dollar zwischen März und April) verglichen werden. Zudem besteht weltweit schon heute angesichts ausgelasteter Kapazitäten bei Vorleistungsgütern und Logistikdienstleistungen für die Industrie erheblicher Preissteigerungsdruck, der bereits teilweise an die Endnutzer weitergegeben wird. In Deutschland wirken die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung sowie die Einführung der CO2-Steuer zusätzlich preistreibend. Fraglich ist noch, inwieweit der Abbau aufgestauter Nachfrage zu ebenfalls steigenden Konsumgüterpreisen ab dem 2. Quartal führen wird.

Damit bleibt die Perspektive für die Kapitalmärkte in den kommenden Monaten durch niedrigste Zinsen geprägt. Einzig bei längeren Laufzeiten sind im Zuge steigender Inflation leicht anziehende Renditen zu erwarten, die im Zweifel aber durch Interventionen der Notenbanken auf relativ niedrigen Niveaus gedeckelt werden würden. Die Aktienmärkte und andere reale Anlageklassen bleiben dadurch strukturell unterstützt, wenngleich die Dynamik des Jahresendes kurzfristig überwiegend in eine Seitwärtsbewegung gewechselt ist – Ausnahme ist der weiter dynamisch steigende HANG SENG Index. Auch der Euro hat seine grundsätzliche Aufwärtstendenz im Vergleich zum US-Dollar angesichts einer steigenden Zinsdifferenz zwischen dem Euro- und dem US-Dollarraum vorerst unterbrochen.

 


Veröffentlicht am: 17.01.2021

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