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Freitag, 20. Mai 2022
   
 

UniCredit Bank Austria Branchenbericht

Nach Rekordjahr verlangsamt sich die Baukonjunktur 2022

Österreichs Bauwirtschaft arbeitete 2021 auf Rekordniveau: Im Jahresdurchschnitt dürfte die Branche ein Umsatzplus von rund 14 Prozent und ein Umsatzvolumen von mehr als 61 Milliarden Euro erreicht haben (Dezemberdaten liegen noch nicht vor).

Dass die Zuwächse sowohl im Hochbau als auch im Tiefbau seit Jahresmitte 2021 spürbar abkühlen, ist in erster Linie die Folge der stark gestiegenen Materialknappheit und in den letzten Monaten auch wieder dem wachsenden Arbeitskräftemangel geschuldet.

Im Dezember nannten 39 Prozent der Bauunternehmen in Österreich eine zu geringe Zahl an Beschäftigten und 23 Prozent zu wenige Baumaterialien als die wesentlichen Produktionshindernisse. Auf jeden Fall sind noch genügend Bauaufträge vorhanden, wie die Rekordauslastung der Unternehmen zeigt. Noch im vierten Quartal 2021 berichteten die Unternehmen eine Auslastung der Produktionskapazitäten von 7,6 Monaten, ein Wert, der weit über dem zehnjährigen Durchschnitt von 6 Monaten lag. „Das Jahr 2021 hätte für die Bauwirtschaft noch besser ausfallen können, wenn nicht der Materialmangel und gegen Jahresende erneut der Arbeitskräftemangel die Bauproduktion gebremst hätten. Bauaufträge sind weiterhin genügend vorhanden und sorgen für eine Rekordauslastung der Baukapazitäten“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Günter Wolf.

Abkühlung der Baukonjunktur 2022 nach Rekordjahr

Für eine Fortsetzung des Branchenwachstums über die Jahreswende 2021/2022 hinaus spricht, zusätzlich zur guten Auftragslage, das unverändert hohe Geschäftsvertrauen der Bauunternehmen, das sie zuletzt im Rahmen der Konjunkturbefragung im Dezember zeigten, und nicht zuletzt die Entwicklung am Bauarbeitsmarkt. Trotz des wachsenden Arbeitskräftemangels wurden 2021 noch 5,1 Prozent neue Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft geschaffen, so viele wie zuletzt Mitte der 1990er Jahre. Zugleich ist die Zahl arbeitsloser Personen mit Bauberufen im Durchschnitt auf 24.300 Personen gesunken, dem niedrigsten Wert seit 2008.

Im Lauf von 2022 muss mit einer deutlichen Abkühlung der Baukonjunktur gerechnet werden. Einerseits wird die hohe Auslastung der Bauunternehmen zumindest noch im ersten Quartal 2022 von Lieferengpässen bei den Baumaterialien begleitet. Damit werden sich neue Bauaufträge verstärkt in höheren Baupreisen niederschlagen. „Vor allem in Teilen des Wohnimmobilienmarktes wird das hohe Preisniveau die Nachfrage nach neuen Bauprojekten dämpfen. Auch von der Finanzierungsseite sind trotz weiterhin günstiger Finanzierungskosten kaum wesentliche Impulse für die Baukonjunktur zu erwarten“, sagt Wolf.

Andererseits wurden mit der starken Bautätigkeit in den Vorjahren ein Großteil der Investitionslücken auch im Wohnbau geschlossen. Hier sind die Neubaubewilligungen schon 2020 und zuletzt im 2. Quartal 2021 im Vorjahresvergleich gesunken. Im Wirtschaftsbau ist nicht zu erwarten, dass vom Einzelhandel oder von der Industrie stärkere Impulse für den Neubau kommen. Und im Bürobau sollten zwar einige Projekte, die in den letzten Jahren zurückgestellt worden sind, nachgeholt werden. Allerdings werden voraussichtlich die pandemiebedingten Veränderungen im Geschäftsablauf die Nachfrage nach neuen Büros bremsen. Es ist daher zu erwarten, dass die Baunachfrage sich schon 2022 weniger auf neue Flächen, sondern verstärkt auf Sanierungsleistungen konzentrieren wird. Zudem leidet der öffentliche Hochbau unter den Budgeteinsparungsmaßnahmen. Entsprechend dem aktuellen Budgetvoranschlag des Bundes werden die Investitionsausgaben der BIG 2022 um 11 Prozent gekürzt.

Der Tiefbau wird von steigenden Investitionen in die Schieneninfrastruktur profitieren, muss aber mit weniger Nachfrage vom Straßenbau rechnen. Im aktuellen ÖBB-Rahmenplan für die Periode 2022 bis 2027 ist ein Investitionsplus gegenüber der vergangenen 6-Jahres-Periode von 23 Prozent vorgesehen. Im Straßenbau dürften die Mittel verstärkt in die Erhaltung des bestehenden Netzes als in den Neubau investiert werden.

Baukostensituation wird sich erst im Lauf von 2022 nachhaltig entspannen

Etwa seit dem 2. Quartal 2021 wurde das unzureichende Arbeitskräfteangebot vom Baumaterialmangel als Hauptgrund für Einschränkungen der Bautätigkeit abgelöst. Gleichzeitig sind die Preise für viele Baumaterialien massiv gestiegen. Beispielsweise kosteten Baustahlgitter im zweiten Halbjahr im Großhandel in Österreich um durchschnittlich 77 Prozent, Spanplatten um 35 Prozent und Kunststoffrohre um 25 Prozent mehr als im Vorjahr.

In Summe legten die Baukosten im dritten Quartal 2021 im Wohnbau um durchschnittlich 14,1 Prozent und im Straßenbau noch um 10,4 Prozent zu. Im vierten Quartal 2021 hat der Preisanstieg bei einigen Baumaterialien etwas an Schwung verloren. Seit September sind auch die gesamten Baukosten zumindest im Wohnhaus- und Siedlungsbau im Vergleich zu den Vormonaten geringfügig, um durchschnittlich 0,2 Prozent pro Monat, gesunken. Allerdings signalisiert die Entwicklung noch keine Entspannung der Baukostensituation, da die Kosten im Wohnbau zuletzt im Dezember weiterhin um 12,5 Prozent und im Straßenbau um 12,1 Prozent über dem Vorjahreswert lagen.

Eine nenneswerte Verlangsamung des Baukostenanstiegs ist vermutlich erst ab dem zweiten Quartal 2022 zu erwarten, wenn sich die Vormaterialversorgung verbessert hat und die Baunachfrage stärker abgekühlt ist. Wobei kein Kostenrückgang zu erwarten ist (in den letzten zwei Jahrzehnten wurde im Wohnbau nur im dritten Quartal 2009 ein Kostenrückgang von 1 Prozent gemessen). Die jüngste Entwicklung der Preise für Bauholz und Baustahl an den Terminbörsen in Chicago und London zeigt, dass erst ab Mitte 2022 mit deutlich niedrigeren Preisen in den Segmenten zu rechnen ist.

Wohnbauboom klingt ab

Das moderate Umsatzminus im Wohnungsneubau von 1 Prozent nominell 2020 wurde im Vorjahr rasch ausgeglichen. Bis September 2021 (den jüngsten Daten) legte die Sparte um rund 18 Prozent nominell zu. Im selben Ausmaß sind auch die Umsätze der Baunebengewerbe gestiegen, die eine Vielzahl ihrer Leistungen im Wohnbau und der Wohnbausanierung erbringen.

Im vierten Quartal 2021 sind die Beurteilungen der Auftragslage der Hochbauunternehmen unter die Ergebnisse von 2019 gesunken (Konjunkturbefragungen stehen nur auf Spartenebene zur Verfügung). Für den höheren Anteil pessimistischer Einschätzungen dürfte in erster Linie die schwächere Neubaunachfrage im Wirtschaftsbau wie im Wohnbau verantwortlich sein. Die Unternehmen der Baunebengewerbe berichteten noch im Dezember hohe Auftragsbestände, vermutlich aufgrund der unverändert lebhaften Nachfrage nach Wohnraumsanierungen. Eine Annahme, die auf Branchenebene von den Konjunkturbefragungen im Gewerbe und Handwerk bestätigt wird (laut KMU Forschung Austria). Die Ergebnisse zeigen, dass die Bautischler und Installateure noch im gesamten zweiten Halbjahr ihre Auftragslage überwiegend positiv beurteilten, während beim gewerblichen Holzbau, der stärker im Wohnungsneubau beschäftigt ist, bereits die pessimistischen Einschätzungen überwogen.

Voraussichtlich werden in den nächsten Jahren in Österreich deutlich weniger neue Wohnungen als noch in den Jahren vor der Krise gebaut. Einerseits sinkt der Bedarf an neuem Wohnraum – unter der Annahme, dass sich die Haushaltsprognosen nicht wesentlich verändern. Die Zahl der Einpersonenhaushalte, die seit 2013 noch um durchschnittlich 1,5 Prozent im Jahr zugelegt hat, wächst in Zukunft nur mehr unter 1 Prozent pro Jahr. Andererseits verlieren die hohen Immobilienpreiszuwächse ihre Funktion als treibende Kraft für den Wohnungsneubau, da die positiven Effekte wachsender Immobilienwerte von sinkenden Vermietungsrenditen überlagert werden.

Hochbausanierungen werden zu einem zentralen Wachstumstreiber der Bauwirtschaft

Um das Ziel der Klimaneutralität 2040 in Österreich zu erreichen, muss die Sanierung des Gebäudesektors erheblich verstärkt werden. Etwa 8 Millionen Tonnen beziehungsweise 10 Prozent aller Treibhausgasemissionen im Land werden bei der Heizung, Kühlung und Warmwasserbereitung in Gebäuden freigesetzt. Die Gebäudeemissionen sind von 2005 bis 2012 noch um ein Drittel gesunken, danach aufgrund der starken Neubautätigkeit nur mehr um 7 Prozent. Auf jeden Fall wurde das Emissionsziel für 2020 laut Klimaschutzgesetz noch überschritten.

Im Wesentlichen zielen die Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudesektor auf die thermisch-energetische Sanierung des Wohnungsbestandes ab. Das aktuelle Regierungsprogramm sieht in den nächsten zehn Jahren eine Erhöhung der jährlichen Sanierungsrate von derzeit 1,6 Prozent in Richtung 3 Prozent aller Haupt- und Nebenwohnsitzwohnungen. Das Ziel erfordert eine deutliche Aufstockung der Fördermittel und zwar in Anbetracht der Förderausgaben für die Wohnraumsanierung 2019 in Österreich von rund 600 Millionen Euro auf wenigstens 1 Milliarde Euro pro Jahr. Die geplante Erhöhung der Sanierungsleistungen würde einen entsprechend hohen Zuwachs des Bauproduktionswertes in der Hochbausanierung mit sich bringen. Das Umweltbundesamt beziffert das Investitionspotenzial der thermischen Verbesserung aller Gebäude im Land bis 2030 mit wenigstens 29 bis zu 48 Milliarden Euro.

 

Veröffentlicht am: 20.01.2022

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