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Chart der Woche: US-Small Caps: Bereit für ein Comeback?

Haben Small Caps ein schwaches Jahrzehnt hinter sich – oder waren Large Caps einfach jenseits aller Maßstäbe?

Bei der Bewertung börsennotierter Aktien stellt sich oft eine Frage, die die Portfolioentscheidungen prägt: Spielt die Größe eine Rolle? Ein Blick in die Geschichte legt nahe, dass sie das tut.

Kleinere Unternehmen bieten zwar Wachstumspotenzial, verfügen jedoch in der Regel über weniger finanzielle Widerstandskraft als ihre größeren Wettbewerber und sind daher im Durchschnitt anfälliger für finanzielle Schocks wie steigende Zinsen. Aus diesem Grund verlangen Investoren üblicherweise eine Risikoprämie – das bekannte „Size Premium“, ein Konzept, das in Fama und Frenchs wegweisender Studie zur Asset-Pricing-Theorie von 1993 formalisiert wurde.1)

Seit den 1990er Jahren erzielten Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung („Small Caps“) beeindruckende Renditen im Vergleich zu ihren größeren Pendants – ein Trend, der bis Mitte der 2010er Jahre anhielt.2) In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Bild jedoch etwas verändert: Small Caps haben im Allgemeinen schlechter abgeschnitten als ihre Large-Cap-Peers, wie unser „Chart der Woche“ zeigt. Was erklärt diese Divergenz? Im Folgenden beleuchten wir Faktoren, die zur jüngsten Outperformance der Large Caps beigetragen haben, sowie Argumente, warum Small Caps für die kommenden Jahre gut positioniert sein könnten.

Zunächst ein Thema, das derzeit allgegenwärtig ist: Künstliche Intelligenz. Da Technologie einen erheblichen Anteil an den Aktienrenditen ausmacht, war die Sektorstruktur ein entscheidender Unterschied. Im S&P 600 machen Technologieaktien nur etwa 14 Prozent des Index aus, verglichen mit rund 34 Prozent im S&P 500. Diese begrenzte Gewichtung hat Small Caps von der KI-getriebenen Rallye ausgeschlossen, die Large Caps nach oben katapultierte. Zur Einordnung: Die „Magnificent 7“ erzielten in den vergangenen zehn Jahren eine beeindruckende Rendite von 38 Prozent p.a., verglichen mit 9 Prozent p.a. für Small Caps, gemessen am S&P 600. Mit anderen Worten: Die jüngste Performance-Lücke spiegelt weniger eine Schwäche der Small Caps wider als vielmehr den außergewöhnlichen Lauf der großen Technologie-Werte.

Zweitens haben die Dynamiken der privaten Märkte die Small-Cap-Landschaft verändert. Eine robuste M&A-Aktivität und die wachsende Attraktivität privater Finanzierungen haben den Zufluss innovativer Unternehmen in öffentliche Small-Cap-Indizes teilweise reduziert. Dadurch ist die Dynamik, die traditionell mit Small Caps verbunden war, verschwommen, und der Weg über den Börsengang ist weniger attraktiv geworden. Ein bemerkenswerter Trend ist die aggressive Übernahmestrategie großer Konzerne, die vielversprechende Unternehmen oft kaufen, bevor sie an die Börse gehen.

Trotz dieser Gegenwinde glauben wir, dass sich der Ausblick für US-Small Caps konstruktiver entwickeln könnte, angetrieben durch zwei entscheidende Faktoren: Bewertungen und Finanzierungskosten. Small Caps werden derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt, das rund 20 Prozent unter dem von Large Caps liegt – ein historisch seltenes Niveau, das in der Vergangenheit häufig Phasen relativer Outperformance einleitete. Das letzte Mal, dass wir eine solche Bewertungslücke gesehen haben, war Anfang der 2000er Jahre, gefolgt von einem Jahrzehnt starker Erträge.

Ein weiteres Puzzlestück ist die Zinssensitivität: Small Caps sind typischerweise stärker auf Fremdkapitalfinanzierung angewiesen als auf öffentliche Aktienmärkte und reagieren daher empfindlich auf Veränderungen der Finanzierungskosten. Sollten die Zinsen weiter sinken, wie wir für die USA für das kommende Jahr prognostizieren, könnten diese Unternehmen von erheblichen Rückenwinden profitieren.

Historisch gesehen erholen sich Qualitäts- und Bewertungsfaktoren insbesondere dann, wenn der Russell 2000 wie zuletzt um 10 Prozent oder mehr hinter dem S&P 600 zurückgeblieben war. Die Auswahl bleibt jedoch entscheidend. Wie Michael Sesser, Fondsmanager Aktien der DWS, es ausdrückt: „Unserer Meinung nach werden Fundamentaldaten bei US-Small Caps wieder an Bedeutung gewinnen.“

1) Fama, E. F., & French, K. R. (1993). Common risk factors in the returns on stocks and bonds. Journal of financial economics, 33(1), 3-56.

2) Sämtliche Finanzdaten – sofern nicht anders angegeben – von Bloomberg Finance L.P., Stand: 18.12.2025

 

Veröffentlicht am: 17.01.2026

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