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Marktausblick Q1 2026 – Flughöhe trotz Turbulenzen erreicht

... vom Vincenzo Vedda, DWS-Global Chief Investment Officer



Solides Wirtschaftswachstum auch Dank Geld- und Fiskalpolitik stützt die Kapitalmärkte. An Risiken mangelt es nicht, weshalb für uns Streuung oberstes Gebot bleibt.


Trotz aller bekannten Risiken blicken wir optimistisch auf die kommenden zwölf Monate und erwarten solide Renditen in den allermeisten Anlageklassen. Dabei gehen wir jedoch davon aus, dass sich der Krieg gegen den Iran nicht zu einem Flächenbrand mit dem Potenzial ausweitet, den Ölpreis längerfristig auf Niveaus von 90 USD/Fass und drüber zu zementieren. Ebenso basieren unsere Prognosen auf einer konstruktiven Sicht auf den KI-Boom. Welches Überraschungspotenzial in dieser Technologie steckt, im Positiven wie im Negativen, hat der Jahresanfang wieder gezeigt, als KI-Sorgen zum Treiber für die größten Sektorrotationen im Aktienbereich seit der Finanzkrise 2007/08 heranwuchsen. Wir tragen der Ungewissheit über die Folgen der KI insofern Rechnung, als dass wir den weniger technologielastigen europäischen und japanischen Aktienmärkten den Vorzug gegenüber dem amerikanischen geben. Denn ihr Bewertungsabschlag gegenüber den USA sollte sich auch angesichts des von uns erwarteten andauernden geographischen Diversifikationswunsches vieler institutioneller Anleger vom jetzigen Niveau aus reduzieren.

Wir erwarten global betrachtet keinen klassischen Aufwärtszyklus in den Jahren 2026 und 2027, sehen aber hinreichendes Wirtschaftswachstum als solide Basis für die Kapitalmärkte. Ähnlich unaufgeregt sehen wir die Entwicklung bei der Inflation, die nach unserer Einschätzung in Europa bereits 2026 auf zwei Prozent im Jahresschnitt sinken sollte, was wir für die USA erst 2027 antizipieren. Angesichts der momentan höheren Leitzinsen rechnen wir bei der Federal Reserve mit zwei weiteren Zinssenkungen bis März 2027, während die EZB die Füße still halten dürfte. Ausreißer bleibt die japanische Zentralbank, für die die „Normalisierung“ zwei Zinsschritte nach oben beinhaltet.

Dieses gemächliche Wachstums-, Inflations- und Leitzinsumfeld wird gerne als Goldilocks-Szenario bezeichnet, in dem Aktien und Anleihen gut gedeihen können, da Preiseinbußen durch Zinserhöhungen unwahrscheinlich scheinen. Wir rechnen insgesamt in den meisten Anleihekategorien mit Seitwärtsbewegungen. Trotz sehr geringer Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen halten wir dieses Segment durch das Makro-Umfeld und die ungebremste Nachfrage weiterhin für attraktiv, auch wenn wir im Hochzinssegment aufgrund höherer idiosynkratischer Risiken selektiver vorgehen.

Für Aktienmärkte spricht unseres Erachtens neben der Unterstützung durch Wirtschaftswachstum und Zinsumfeld (wir sehen nur ein sehr geringes Risiko, dass sich 10-jährige US-Staatsanleihen auf über 4,5 Prozent festsetzen können, sondern rechnen auf 12 Monate mit 4,0 Prozent) vor allem das starke Gewinnwachstum: sechs bis zwölf Prozent in den Industrieländern und bis zu 20 Prozent in den Schwellenländern. Die Stärke des Aktienmarktes hat zuletzt an Breite gewonnen und basiert schon länger nicht mehr überwiegend auf dem Technologiesektor. Solange der wirtschaftliche Zyklus intakt bleibt, sollte unseres Erachtens auch das positive Momentum an den Aktienmärkten anhalten. Rückschläge, ausgelöst durch die Nervosität über die Auswirkungen der AI, oder die Folgen militärischer Konflikte, bleiben dabei sehr wahrscheinlich.

Während Geopolitik die Aktienmärkte belasten könnte, könnte sie andererseits Gold und Öl beflügeln. Für letzteres sehen wir allerdings vorerst weiter einen strukturellen Angebotsüberhang, in den die steigende Nachfrage erst im Laufe des Jahres hineinwächst. Die Offenhaltung der Straße von Hormus, durch die ein des täglichen Ölbedarfs fließen, ist allerdings Voraussetzung für unsere Ölpreisprognose von 66 USD/Fass. Aber die Gefahr einer längeren Blockade durch den Iran oder eines Verzichts der Schiffe, die Passage gefahrenbedingt zu nutzen, ist gegeben. Der Dollar hat unseres Erachtens seinen Status als Sicherer Hafen teilweise verloren, wir sehen ihn perspektivisch schwächer.

Wir sind uns der drei großen Risiken KI, staatliche Schuldentragfähigkeit und Geopolitik bewusst. Bei ersterem sehen wir Risiken nach oben wie nach unten; bei zweiterem denken wir, dass es jederzeit zum Thema werden kann, aber der Zeitpunkt nicht bestimmbar ist; und für Letzteres gilt: Politik beeindruckt die Märkte normalerweise nur dann nachhaltig, wenn sich ihre Folgen in den Bilanzen der Unternehmen wiederfinden. Unser Kernszenario bleibt das eines guten Anlageausblicks für die kommenden zwölf Monate, basierend auf steigenden Unternehmensgewinnen bei gleichzeitig akkommodierender Geldpolitik.

 

Veröffentlicht am: 06.03.2026

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