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US-Notenbanksitzung im April – etwas falkenhaft und keine Einigkeit

... von Christian Scherrmann, Chefvolkswirt USA



Die US-Notenbanksitzung im April war von historischer Bedeutung. Zum einen war es die letzte Sitzung mit Jerome Powell als Fed-Vorsitzendem, zum anderen vertraten erstmals seit Oktober 1992 vier stimmberechtigte Mitglieder eine abweichende Meinung. 

Stephen Miran stimmte gegen eine Beibehaltung der Zinsen und sprach sich stattdessen für eine Senkung um 25 Basispunkte aus. Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan stimmten für die Beibehaltung der Leitzinsen bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Sie lehnten jedoch den Wortlaut der Erklärung ab, da dieser noch immer Zinssenkungen andeutet. Angesichts der jüngsten Äußerungen des designierten Vorsitzenden Kevin Warsh, der sagte, er bevorzuge „einen guten Familienstreit” anstelle eines Konsenses vor der Sitzung, könnte dies einen verhaltenen Empfang symbolisieren. Ein Konsens unter den Notenbankern ist keine Selbstverständlichkeit und unterschiedliche Ansichten, ja sogar Nuancen, werden durchaus geäußert. Ferner räumte die Presseerklärung die Aufwärtsrisiken für die Inflation und das geringe Beschäftigungswachstum ein. Während Warsh der ersten Feststellung zur Inflation wahrscheinlich zustimmen dürfte, hat er sich bisher nicht explizit zur Rolle der Arbeitsmärkte geäußert – dies limitiert eine taubenhafte Argumentation.

Während der Pressekonferenz wurde abermals Geschichte geschrieben. Der scheidende Fed-Chef Powell kündigte an, vorerst als Gouverneur bei der Notenbank und damit auch als Mitglied des Offenmarktausschusses zu verbleiben. Offensichtlich entsprachen die Zusicherungen bezüglich der Beendigung der Ermittlungen gegen ihn nicht seinen Vorstellungen. Als reguläres Mitglied plant er, sich zurückzuhalten, und geht davon aus, dass Warsh traditionsgemäß zum nächsten Vorsitzenden des Offenmarktausschusses gewählt wird. In Bezug auf die Inflation sagte Powell, dass die Hauptwirkungen der gestiegenen Ölpreise voraussichtlich erst in drei bis vier Monaten spürbar werden. 

Auch wird weiterhin davon ausgegangen, dass die Auswirkungen der Zölle in den nächsten ein bis zwei Quartalen nachlassen werden. Da das primäre Aufwärtsrisiko von Energiepreisen ausgeht, sei es jedoch sinnvoll, über Zinssenkungen nachzudenken. Diese taubenhafte Haltung wurde nicht von allen Teilnehmern geteilt. Er deutete an, dass auch die Nicht-Stimmberechtigten den Wunsch geäußert hätten, die taubenhafte Formulierung zu streichen. Als scheidender Vorsitzender haben seine Ansichten jedoch nun weniger Gewicht. Dies verleiht der Sitzung im April daher eine neutrale, wenn nicht sogar leicht falkenhafte Nuance.

Mit Ausnahme von Miran befürworten derzeit alle Notenbanker die Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus und anscheinend wurde auch nicht der Wunsch geäußert, über höhere Zinsen zu sprechen. Dies verringert jedoch nicht die Unsicherheit, mit der die Märkte aktuell konfrontiert sind. Die nächste Pressekonferenz findet erst in zwei Monaten statt und es ist sehr wahrscheinlich, dass die Inflationsraten bis dahin weiter steigen werden. Warsh hat bereits auf alternative Inflationsindikatoren verwiesen, die volatile Schwankungen herausrechnen. Ausgehend davon kann man ihn zunächst dem neutralen, eher abwartenden Lager zuordnen. Angesichts seiner Präferenz für weniger Kommunikation seitens der US-Notenbank wird es jedoch in Zukunft schwieriger werden, eine solche Einschätzung zu bestätigen.

 

Veröffentlicht am: 01.05.2026

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