^

URL: https://www.frauenfinanzseite.de/index.php?id=1,17592,0,0,1,0


Jerome Powells letzter Auftritt

... von Enguerrand Artaz, Fondsmanager bei LFDE



Nach mehr als acht Jahren an der Spitze der US-Notenbank (Fed) leitete Jerome Powell am 26. April seine letzte Sitzung des geldpolitischen Ausschusses. Zum letzten Mal hielt er die von den Marktteilnehmern so aufmerksam verfolgte Pressekonferenz ab. 

Und auch wenn dieser Musterschüler aus Princeton wie immer einen zurückhaltenden und geschickten Auftritt hinlegte, lassen sich hinter der Fassade Anzeichen für einen weniger reibungslosen Übergang an der Spitze der mächtigsten Zentralbank der Welt erkennen als sonst üblich. Zwar bekräftigte Jerome Powell, dass er so lange im Gouverneursrat bleiben wolle, wie es das Gesetz zulasse, aber nicht als „Schattenpräsident“ agieren werde. Er werde seinem Nachfolger Kevin Warsh die neue Ausrichtung der Fed überlassen. Doch die Risse innerhalb der Institution sind nicht zu übersehen.

Ein letzter Auftritt mit ersten Rissen im System

Ironischerweise endet die letzte Sitzung von Powell, der als Mann des Konsenses gilt, mit der höchsten Zahl an Abweichlern seit den 1990er Jahren. Wie üblich sprach sich der von Trump ernannte Stephen Miran gegen die Beibehaltung des Status quo bei den Zinsen aus und befürwortete eine Senkung um 0,25 %. Doch auch drei weitere Gouverneure sprachen sich dagegen aus, allerdings in umgekehrter Richtung. Zwar unterstützten Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan die Entscheidung, die Zinsen unverändert zu lassen, sie sprachen sich jedoch gegen die Beibehaltung einer akkommodierenden Haltung in der Erklärung des FOMC aus[1].

Dies ist eine doppelte Spaltung, die die beiden gegensätzlichen Kräfte symbolisiert, mit denen die Fed konfrontiert ist, und die der künftige Vorsitzende Kevin Warsh zu versöhnen versuchen muss.

Zwischen politischem Druck und wirtschaftlicher Realität

Auf der einen Seite steht Donald Trumps fast schon obsessiver Wunsch, dass die Zentralbank ihre Leitzinsen senkt, was durch die extrem akkommodierende Haltung seines Stellvertreters Stephen Miran symbolisiert wird. Auf der anderen Seite steht jedoch eine wirtschaftliche Realität in den USA, die mit einer solchen Ausrichtung immer weniger vereinbar ist. Die Kerninflation liegt nach dem von der Fed verwendeten PCE-Maßstab[2] bei 3,2 % und damit deutlich über den Zielen der Zentralbank. Und auch wenn diese Zahl zum Teil auf die verzögerte Wirkung der Zollerhöhungen zurückzuführen ist, die sich in den kommenden Monaten auflösen dürfte, so berücksichtigt sie keine möglichen Zweitrundeneffekte im Zusammenhang mit der Lage im Nahen Osten. Was das andere Mandat der Fed betrifft, nämlich die Beschäftigung, so verbessert sich die Lage deutlich. Die jüngsten Zahlen sowie die Korrekturen der Daten für 2025 stützen die Annahme, dass sich der US-Arbeitsmarkt, nachdem er im vergangenen Sommer einen Tiefpunkt erreicht hatte, derzeit am Beginn einer Phase der erneuten Beschleunigung befindet.

Auch wenn diese Situation angesichts der bereits hohen Realzinsen in den USA natürlich keine geldpolitische Straffung erfordert, rechtfertigt sie ebenso wenig die starken Zinssenkungen, die Donald Trump vehement fordert. Damit stellt sich die Frage, die für die Fed in den kommenden Monaten wohl am wichtigsten sein wird: Was ist mit ihrer Unabhängigkeit? Jerome Powell hat sich stets als Garant ihrer Autonomie präsentiert. In den letzten Augenblicken seiner letzten Pressekonferenz zeigte er sich jedoch recht besorgt. Diese Besorgnis verwandelte sich in ein Plädoyer für die Unabhängigkeit der Zentralbank, die er heute als „gefährdet“ ansieht.

Ein Übergang unter Beobachtung


Und so gab er den Ball an seinen Nachfolger weiter, der bei seiner Anhörung im Senat versicherte, er werde sich nicht vom Bewohner des Weißen Hauses beeinflussen lassen. Damit sendete er zugleich das Signal, dass er seinen Beteuerungen zwar Glauben schenke, im Zweifel jedoch als Schutzwall eingreifen würde – falls Kevin Warsh versuchen sollte, den Anweisungen des Präsidenten blind und gegen die wirtschaftliche Realität zu folgen. Kurz gesagt: Jerome Powell hat seine letzte Rede als Fed-Präsident gehalten, aber vielleicht noch nicht sein letztes Wort gesprochen.

[1] Federal Open Market Committee
[2] Index der Preise für persönliche Konsumausgaben

 

Veröffentlicht am: 06.05.2026

AusdruckenArtikel drucken

LesenzeichenLesezeichen speichern

FeedbackMit uns Kontakt aufnehmen

FacebookTeile diesen Beitrag auf Facebook

Nächsten Artikel lesen

Vorherigen Artikel lesen

 

Neu:

▪ Aktienrallye mit Fundament - der Zug ist noch nicht abgefahren

▪ Eurovision Song Contest für alle: Wien wird zur Bühne Europas

▪ Countdown zu den US-Zwischenwahlen: Trump läuft Gefahr zur „Lame Duck“ zu werden

▪ Jerome Powells letzter Auftritt

▪ Zu jung für ein Facelift?

▪ EZB wartet trotz Inflationsdrucks ab, Fed hat keinen Spielraum zum Senken

▪ Berenberg-Märkte-Monitor am 5. Mai 2026

▪ Europa droht der Inflationssturm

▪ Warum die Bundesbank Gold eher kaufen als verkaufen sollte

▪ Die hohen Kosten der neuen Weltunordnung


 

 

 

 

Werbung

Werbung

 

 

 

Werbung

             

 

Besuchen Sie auch diese Seiten in unserem Netzwerk:
| Börsen-Lexikon
| Fotograf Fotomensch Berlin
| Geld & Genuss
| gentleman today
| genussmaenner.de
| geniesserinnen.de
| instock.de
| marketingmensch | Agentur für Marketing, Werbung & Internet
| Unter der Lupe

© 2024 by frauenfinanzseite.de, Groß-Schacksdorf. Alle Rechte vorbehalten.