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Schwellenländer-Investments gewinnen an Bedeutung

Aktuelle Markteinschätzung von Nermin Aliti, Leiter Fonds Advisory der LAUREUS AG PRIVAT FINANZ



Der US-israelische Angriff auf den Iran, der anhaltende Ukraine-Krieg, hohe Ölpreise, Zölle und ein global eher verhaltenes Wirtschaftswachstum. Kurzum: Die geopolitische und wirtschaftliche Gemengelage ist weiterhin herausfordernd. Dennoch verzeichnete das Gros der Aktienmärkte in den Schwellenstaaten zuletzt teils kräftige Anstiege. Die Gründe dafür sind vielfältig. Der Reihe nach. 

Rückenwind erhalten die Märkte der prosperierenden Schwellenländer schon seit geraumer Zeit vom recht schwachen Dollar. Grund: Viele Emerging Markets sind in Dollar verschuldet; wertet der Greenback aber ab, verringert das die Belastung der Fremdwährungsschulden für viele Nationen, während die Gewinne lokaler Unternehmen zunehmen. Doch nicht nur der Dollar beschert Schwellenländer-Börsen derzeit eine gute Ausgangslage. Auch strukturelle Reformen, ein vergleichsweise hohes Wachstum und eine kluge Zinspolitik bieten die Basis für eine nachhaltige Erholung. Zudem profitieren einige Schwellenländer von ihrer wichtigen Rolle bei strategischen Rohstoffen, die für Digitalisierung, Elektromobilität und Künstliche Intelligenz benötigt werden.

Schwellenstaat ist nicht gleich Schwellenstaat

Dies bedeutet jedoch nicht, dass Anleger jetzt wahllos in die Emerging Markets investieren sollten. Richtig ist zwar, dass die Schwellenländer laut dem Internationalen Währungsfonds 2026 mit geschätzten 3,9 Prozent ein höheres Wirtschaftswachstum aufweisen werden als die Industriestaaten, denen ein Plus von 1,8 Prozent vorhergesagt wird. Allerdings findet innerhalb des Schwellenländer-Universums derzeit eine Verschiebung statt. Indien beispielsweise hat sich fest als globaler Wachstumsmotor etabliert und könnte auch künftig von einer jungen Bevölkerung sowie hohen Investitionen in die Infrastruktur oder Künstliche Intelligenz profitieren. Auch in Südostasien ergeben sich neue Chancen. Länder wie Vietnam und die Philippinen gewinnen zunehmend Marktanteile in der globalen Fertigung, da internationale Konzerne ihre Lieferketten diversifizieren und Abhängigkeiten – beispielsweise von China – zugunsten dieser Länder reduzieren. 

In Lateinamerika sticht hingegen Mexiko hervor, das durch die räumliche Nähe zum US-Markt vom Trend zum Nearshoring profitiert, also der Verlagerung von Produktionsstätten in die Nähe großer Absatzmärkte. Brasilien wiederum punktet durch seine führende Rolle bei Agrargütern und dem Ausbau erneuerbarer Energien. Differenzierter fällt derzeit der Blick auf China aus. Kurzfristig belasten schwächere Konsumausgaben, geopolitische Spannungen sowie der Handelskonflikt mit den USA die wirtschaftliche Dynamik des Landes. Die Immobilienkrise ist zwar größtenteils durchgestanden und daher nicht mehr so präsent, allerdings können auch hier nochmal vereinzelt negative Entwicklungen entstehen. Dadurch hat sich die Stimmung vieler internationaler Investoren gegenüber chinesischen Aktien zuletzt eingetrübt.

Langfristig bleibt China jedoch ein zentraler Akteur innerhalb der globalen Technologie- und Innovationslandschaft. Gemeinsam mit anderen asiatischen Staaten wie Indien, Südkorea und Taiwan investiert das Land massiv in Künstliche Intelligenz, Halbleiter, Rechenzentren und Cloud-Infrastruktur. Trotz der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen nimmt China weiterhin eine Schlüsselrolle bei KI-Patenten, Plattformtechnologien und der Produktion leistungsfähiger Hardware ein. Die für diese Sektoren benötigten „seltenen Rohstoffe“ befinden sich zum großen Teil in Chinas Besitz. Andere asiatische Volkswirtschaften profitieren zugleich von der weltweit steigenden Nachfrage nach Chips und digitalen Dienstleistungen. Für Anleger eröffnen sich dadurch zusätzliche Chancen in technologieorientierten Emerging-Markets-Sektoren.

Diese Beispiele verdeutlichen: Die Emerging Markets sind kein homogener Block. Interessierte Anleger müssen also genau hinschauen und ihren Fokus auf jene Regionen richten, die von globalen Trends wie etwa der Energiewende oder der Neuordnung des Welthandels profitieren können.

Geldpolitische Souveränität als Stabilitätsanker

Ein wesentlicher Grund für die aktuelle Stärke der Schwellenländer liegt auch in der vorausschauenden Politik ihrer Zentralbanken. Im Gegensatz zu vielen Notenbanken in den Industrienationen haben die Währungshüter in Ländern wie Brasilien, Chile oder Mexiko bereits vergleichsweise früh auf den Inflationsdruck der vergangenen Jahre reagiert und ihre Leitzinsen erhöht. Durch diese konsequente Geldpolitik liegen die Zinsen nun teils über der Inflationsrate, der Realzins ist also positiv. 

Für Anleger an den Rentenmärkten der Emerging Markets ergibt sich daraus ein doppeltes Chancenprofil. Zum einen locken hohe laufende Erträge durch attraktive Zinskupons. Zum anderen besteht Kursgewinnpotenzial, wenn die lokalen Notenbanken im Zuge sinkender Inflationsraten die Zinsen wieder lockern können. Dies macht Anleihen in Lokalwährungen derzeit zu einem vielversprechenden Baustein in einem diversifizierten Portfolio.

Darauf sollten interessierte Anleger achten

Trotz der grundsätzlichen Aussicht auf attraktive Renditechancen an den Aktien- und Rentenmärkten in den Schwellenländern, sollte Anlegern aber klar sein, dass Emerging Markets-Investments nach wie vor eine höhere Volatilität aufweisen. Eine breite Streuung über Länder und Sektoren hinweg ist demnach unerlässlich, um das Gesamtrisiko des Portfolios im Zaum zu halten.

Für Anleger empfiehlt sich eine ausgewogene Strategie, die sowohl Aktien als auch Rentenpapiere berücksichtigt. Dabei sollte der Fokus auf einer langfristigen Perspektive liegen, die kurzfristige Kursschwankungen aushält. Für die komplexeren Regionen könnten dabei vor allem Investments in ausgesuchte Fonds eine gute Wahl sein. Wer die Schwellenländer als festen Bestandteil seiner Asset Allocation begreift und dabei die Risiken im Blick behält, kann an den attraktiven Wachstumschancen dieser dynamischen Regionen partizipieren. Kurzum: Emerging-Market-Investments bieten sich durchaus als Beimischung in einem ausgewogenen Wertpapierportfolio an. 

 

Veröffentlicht am: 20.05.2026

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