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US-Notenbanksitzung – Werden die Märkte die Fed Falken herausfordern?

... von Christian Scherrmann, DWS-Chefvolkswirt USA



Wie erwartet, wurden bei der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) im Juli die Leitzinsen nicht geändert. Wie ebenfalls erwartet, gab es jedoch Abweichler. Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan stimmten für eine Zinserhöhung – eine Haltung, die sie bereits vor der Sitzung deutlich gemacht hatten.


Während der Pressekonferenz bekräftigte Warsh sein Bekenntnis und erklärte: „Es gibt nur ein Ziel, und das sind zwei Prozent.“ In Bezug auf den Anstieg der Renditen seit der letzten Sitzung sagte Warsh, dass sich die Märkte offenbar auf das Fehlen einer Forward Guidance einstellen. Er fügte jedoch hinzu, dass diese Entwicklung noch in den Anfängen stecke, da sie „eine gewisse Übergangsphase“ erfordere. Er erwarte eine „ungefilterte“ oder „direkte“ Botschaft von den Märkten. Dennoch räumte Warsh ein, dass die Straffung an den Märkten den Zentralbankern in gewissem Maße geholfen habe, auch wenn sie keine bestimmte Richtung befürworten. In Bezug auf die Leitzinsen sagte Warsh, dass wichtige Entscheidungen mit Blick auf die Zukunft getroffen werden müssten. Er fügte hinzu, dass höhere Zinsen Teil der Lösung für eine steigende Inflation sein könnten. Dies ist ein klares Indiz dafür, dass eine Zinserhöhung bei Bedarf im Raum steht. Zudem wies er auf Fortschritte bei den Inflationserwartungen hin, was darauf hindeutet, dass die falkenhafte Haltung der Fed wie beabsichtigt wirkt. Auf jeden Fall stützt er sich nicht nur auf einen einzigen Inflationsindikator. Weitere Einblicke in seine Überlegungen zu diesem Thema gab er jedoch nicht.

Insgesamt lässt der erneut falkenhafte Ton abermals Raum für verschiedene Auslegungen. Zinserhöhungen stehen zur Debatte, das Inflationsziel hat oberste Priorität und die Märkte beginnen sich, wie beabsichtigt, zu verhalten – im Grunde erledigen sie die Arbeit der Fed sozusagen selbst. Diese Haltung bewegt sich jedoch auf einem schmalen Grat zwischen Handlungsbereitschaft und Nachlässigkeit. Der neue Fed-Vorsitzende läuft Gefahr, von den Märkten auf die Probe gestellt zu werden. Diese könnten ihre Unterstützung einstellen oder sich mit deutlich höheren Renditen auf eine steigende Inflation einstellen. Dies könnte eine Reaktion hervorrufen, die die Fed bei dieser Sitzung noch zurückgewiesen hat. Auch die Entwicklung der Inflationserwartungen deutet auf einen begrenzten Handlungswillen hin, zumal die Leitzinsen in der Realwirtschaft wahrscheinlich noch immer restriktiv wirken.

Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass ab jetzt eine kontinuierliche Abschwächung der Inflation erforderlich ist, um weiterhin das aktuelle Zinsniveau zu rechtfertigen. Mögliche Gründe hierfür sind zollbedingte Disinflation, schwankende Ölpreise, statistische Anpassungen sowie ein Wachstum auf Potenzialniveau statt deutlich darüber. Dennoch unterliegen einige inflationsbestimmende Faktoren unvorhersehbaren externen Einflüssen. Daher bleibt das Risiko für die Leitzinsen nach oben gerichtet. Kurzfristig allerdings scheinen die Äußerungen der stimmberechtigten Mitglieder des FOMC hilfreicher zu sein als ausschweifende Pressekonferenzen.

 

Veröffentlicht am: 30.07.2026

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