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DWS Marktausblick Juli 2026

Die aktuellen Einschätzungen der DWS zu Konjunktur, Märkten und Anlageklassen



Markt & Makro, Vincenzo Vedda, Global Chief Investment Officer
Aktien weiter aussichtsreich – Fragezeichen bei Gewinndynamik

„Die Aussichten für die Aktienmärkte sind unserer Ansicht nach weiter gut“, sagt Chefanlagestratege Vincenzo Vedda. Das liege vor allem an den nach wie vor sehr guten Wachstumsaussichten für die Unternehmensgewinne. 

„Allerdings sehen wir eine gewisse Nervosität im Markt, was die Nachhaltigkeit der hohen Gewinne angeht, vor allem in zyklischen Technologiesektoren“, so Vedda. Ein Zeichen dafür: die rückläufigen Bewertungen. Die Gewinnschätzungen seien zuletzt stärker gestiegen als die Kurse, ein Zeichen dafür, dass Anleger vorsichtiger würden. Von historisch günstigen Kursen sei man aber noch weit entfernt. "Trotz des mittelfristig positiven Ausblicks gibt es aus unserer Sicht einige Verschiebungen, was die Attraktivität einzelner Sub-Sektoren angeht“, so Vedda. „Wir haben den Halbleitersektor auf Neutral zurückgestuft. Zwar sehen wir ihn immer noch als Hauptprofiteur des KI-Booms, doch nach dem enormen Plus des Halbleiterindex SOX von rund 90 Prozent im zweiten Quartal werden wir kurzfristig etwas vorsichtiger.“ Der Halbleiter-Sektor bleibe ein zyklischer Sektor, der seine Kapazitäten deutlich erweitere. Sollte die Ausgabenfreude der Auftraggeber nachlassen, weil sich mit den hohen Investitionen nicht die versprochenen Gewinne einstellten, könnte dies die Branche belasten.

Auch bei dem seit längerem positiv eingeschätzten Finanzsektor müsse man inzwischen genauer hinsehen und differenzieren. „Als Folge der Disruptionen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) sehen wir Finanzdienstleister wie Börsen, Online-Broker, Kreditkartenanbieter und Investmentbanken momentan kritisch“, so Vedda. Ein anderes, sehr positives Bild ergebe sich für den globalen Bankensektor. In den USA werde er von der Deregulierung unterstützt, in Europa durch höhere Eigenkapitalrenditen und in Japan durch steigende Zinseinnahmen wegen der höheren Zinsen.

Konjunktur: Wirtschaft in Deutschland weiterhin schwach
- Dass es der deutschen Wirtschaft nach wie vor nicht sonderlich gut geht, zeigt der jüngste ifo-Konjunkturindex. Der ist im Juni zwar leicht gestiegen, liegt aber immer noch niedriger als vor Ausbruch des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine. 
- Die Folgen der Blockade der Straße von Hormus könnten in Europa für weitere Unsicherheit sorgen.
- Die staatlichen Ausgabenprogramme, insbesondere in Deutschland, stützen dagegen.

Inflation: Preisanstieg in Europa und Deutschland verlangsamt sich
- Der Preisanstieg hat sich in Deutschland etwas stärker abgeschwächt als erwartet. Die Inflation ist im Juni auf 2,3 Prozent gesunken (Mai: 2,6 Prozent).
- Auch in der Eurozone war die Inflation zuletzt rückläufig. Sie lag im Juni bei 2,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im Mai.

Notenbanken: Weitere Zinserhöhung in der Eurozone wahrscheinlich
- Anders als die Europäische Zentralbank (EZB) hat die US-Notenbank die Zinsen nicht erhöht. Von der EZB erwarten wir noch eine weitere Zinserhöhung in den kommenden Monaten.
- Der weitere Kurs der US-Notenbank und des neuen Chefs Kevin Warsh ist schwer abzuschätzen. Warsh hat in Aussicht gestellt, die Märkte weniger lenken zu wollen als sein Vorgänger.

Risiken: Entwicklung des Iran-Konflikts nach wie vor schwer abschätzbar
- Sollten die Inflationsdaten demnächst wieder höher und die Arbeitsmarktdaten schlechter ausfallen als erwartet, könnte das das Wachstum und den Konsum belasten, insbesondere in den USA.
- In diesem Zusammenhang bleibt die Entwicklung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran ein Unsicherheitsfaktor, der auch nicht so schnell verschwinden dürfte.

Aktien, Tobias Rommel, Fondsmanager Aktien
Halbleiterhersteller – wie lange sind die enormen Gewinnspannen haltbar?


Kann das so weitergehen mit der famosen   Rallye von Technologieaktien, insbesondere von Halbleiteraktien? Der südkoreanische KOSPI-Index, der von Halbleitertiteln dominiert wird, legte seit Jahresbeginn um 73 Prozent zu (Stand: 9. Juli), trotz der jüngsten Kursverluste. Dagegen nimmt sich die Wertentwicklung der glorreichen Sieben, die hunderte Milliarden Dollar in Rechenzentren und Künstliche Intelligenz (KI) investieren, mit einem Plus von 13 Prozent geradezu bescheiden aus.

„Für eine Fortsetzung der Rallye spricht, dass die KI-Investitionswelle ungebrochen ist und die Kurse bisher kaum mit dem Gewinnwachstum Schritt halten konnten“, sagt der auf Technologiewerte spezialisierte Fondsmanager Tobias Rommel. Tatsächlich findet eine Umverteilung von Gewinnen in historischem Ausmaß statt: Während die sogenannten Hyperscaler ihre Rechenzentrums- und KI-Ausgaben weiter erhöhen müssten, um nicht gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen zu geraten, könnten die Halbleiterunternehmen die Preise erhöhen, wie nie zuvor, weil die hohe Nachfrage auf Märkte treffe, die auf diesen Ansturm nicht vorbereitet seien. 

Entsprechend stiegen die Preise für Speicherchips rasant. Kurzfristig dürfte sich an diesem Trend nichts ändern. Während die Hyperscaler mit steigenden Kosten zu kämpfen haben, profitierten Halbleiterunternehmen von einer Sonderkonjunktur bei Umsätzen und Gewinnen. Zu einer Überbewertung hat der rasante Kursanstieg bei den Halbleiterunternehmen bislang nicht geführt, im Gegenteil: Der Anstieg der Gewinnerwartungen ist deutlich höher als der Kursanstieg, das Kurs-Gewinn-Verhältnis dadurch sogar etwas gefallen. Ungewiss ist jedoch, ob sich dieses Wachstum und Gewinnmargen von teilweise 50 Prozent langfristig halten lassen. Hier gibt es zumindest Fragezeichen. 

Perspektivisch stellt sich damit die Frage, wie lange sich die Kurse von Halbleiterwerten deutlich besser entwickeln können als die ihrer Auftraggeber, der Hyperscaler. Die Logik dahinter: Irgendwann müssen sich die Milliarden-Investitionen von Alphabet & Co. auszahlen. Wenn nicht, würden auch ihre Aufträge für die Halbleiterwerte zurückgehen. Generell dürfte es sinnvoll sein, das Augenmerk auch auf etwas defensivere Werte wie Versorger zu richten. „Der KI-Boom treibt den Strombedarf von Rechenzentren massiv an, sodass auch ausgewählte Versorger, Stromnetzausrüster und Energietechnikunternehmen strukturelle KI-Gewinner sein können“, so Rommel. Allerdings hätten deren Kurse auch schon deutlich zugelegt.            

Aktien USA: Weiter auf der Erfolgsspur dank Künstlicher Intelligenz
- US-Aktien haben im laufenden Jahr einmal mehr geliefert. Der S&P 500 liegt im laufenden Jahr mit gut 9 Prozent, der Technologieindex Nasdaq 100 mit 16 Prozent im Plus (Stand: 8. Juli)
- Solange der KI-Zug nicht zum Stehen kommt, dürfte sich die positive Entwicklung fortsetzen.

Aktien Deutschland: Börse verteilt Vorschusslorbeeren
- Die Aussichten auf weitere Reformen in Deutschland haben dem deutschen Leitindex zuletzt einen kleinen Schub gegeben.
- Im laufenden Jahr ist die größte Volkswirtschaft Europas aber noch ein Nachzügler, was die Kursentwicklung am Aktienmarkt angeht. Sollte sich abzeichnen, dass die Reformen realisiert werden, könnte sich dies ändern.

Aktien Europa: Gute Gewinnentwicklung stützt Aktienkurse
- Die Wertentwicklung europäischer Aktien im laufenden Jahr fällt überzeugend aus. Der Stoxx 600 liegt mit knapp acht Prozent im Plus (Stand: 8. Juli).
- Die Gewinnerwartungen haben sich seit Ausbruch des Iran-Konflikts als robust erwiesen, unterstützt durch den Energiesektor infolge höherer Ölpreise sowie durch Finanzwerte, die von steigenden Zinsen profitieren.

Japan: Trotz imposanter Kursrallye weiter aussichtsreich
- Plus 20,7 Prozent im laufenden Jahr (Stand: 8. Juli) – der japanische Topix 100 gehört im laufenden Jahr zu den erfolgreichsten Aktienmärkten.
- Wir sehen nach wie vor Kurspotenzial. Die IT-Unternehmen scheinen gut positioniert, um vom globalen KI-Investitionszyklus zu profitieren. Die politische Ausrichtung dürfte unterstützen.

Anleihen, Thomas Höfer, Fondsmanager Fixed Income
Was Unternehmensanleihen guter Bonität interessant macht


„Wir sind für europäische Unternehmensanleihen    guter Qualität (Investment Grade) sehr positiv gestimmt, auch wenn die Zinsaufschläge gegenüber Staatsanleihen historisch gesehen sehr niedrig sind“, sagt Fondsmanager Thomas Höfer. Die Nachfrage sei nach wie vor sehr hoch und es gäbe momentan auch keine Gründe, warum sich das ändern sollte. Trotz der Rekord-Emissionsvolumina der vergangenen Jahre übersteige die Nachfrage nach Neuemissionen das Angebot deutlich, was sich entsprechend positiv auf die Kursentwicklung auswirke. Momentan gebe es keine Anzeichen, dass die Risiken bei den ausgebenden Unternehmen in nächster Zeit deutlich steigen könnten. „Die klassischen Kreditkennzahlen wie Verschuldungsgrad und Zinsdeckungsquote befinden sich für das breite Investment-Grade-Universum im historischen Vergleich auf fundamental soliden Niveaus. Es sind keine Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende fundamentale Trendwende erkennbar“, lautet Höfers Einschätzung. Das gelte insbesondere für den Bankensektor, den größten Sektor innerhalb des Euro-Investment-Grade-Marktes. In früheren Marktzyklen seien häufig Schwächen im Finanzsektor Auslöser für größere Ausweitungen der Zinsaufschläge und damit für Kurseinbrüche gewesen – Renditen und Kurse entwickeln sich bei Anleihen gegensätzlich. Heutzutage verfügten europäische Banken über eine außergewöhnlich starke Kapitalausstattung, hohe Liquiditätsreserven, robuste Ertragskraft und eine sehr hohe Qualität ihrer Kreditportfolios. Ebenfalls interessant für Höfer: Emittenten aus dem Technologiesektor. Insbesondere der Ausbau von Rechenzentrumskapazitäten für Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz führe zu einem bislang beispiellosen Investitionszyklus. Die sogenannten Hyperscaler – Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft – seien aufgrund ihrer enormen Investitionsprogramme zunehmend auf externe Finanzierung angewiesen. Diese Emittenten nutzten dabei verstärkt auch den EUR-Investment-Grade-Markt und hätten bereits mehrere großvolumige Transaktionen platziert.

Höfers Fazit: Die ohnehin schon niedrigen Kreditaufschläge könnten auf Sicht von zwölf Monaten noch weiter zurückgehen und sich dem Niveau von vor der globalen Finanzkrise annähern. Erwartete Gesamtrenditen von 3,5 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten könnten angesichts der guten Verfassung des Anleihesegments als durchaus interessant angesehen werden.

Währungen

Euro/Dollar: Wachstumsvorteil in den USA dürfte Dollar weiter hochhalten
- Kurzfristig sehen wir wenig Aufwertungspotenzial für den Euro gegenüber dem US-Dollar.
- Für die US-Währung spricht die höhere Wirtschaftsdynamik in den USA. Und auch die Erwartung, dass der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh die Leitzinsen schnell senken könnte, hat sich erst einmal verflüchtigt.

Alternative Anlagen

Gold: Kurzfristig dürfte der Preis eher stagnieren, langfristig Aufwärtspotenzial

- Lange nicht mehr gesehene Entwicklung beim Goldpreis: Er liegt im laufenden Jahr mit etwa fünf Prozent im Minus (Stand: 8. Juli). Wir sind kurzfristig vorsichtiger geworden in unserer Einschätzung für das Edelmetall.
- Wir erwarten, dass sich der Goldpreis erst einmal auf dem jetzigen Niveau stabilisieren wird, sehen mittelfristig aber das Potenzial für Preissteigerungen.

 

Veröffentlicht am: 12.07.2026

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