
(von Ingrid Holzinger und Josef Scheppach) Am 22. Juli 2026 beginnt in Bregenz ein Festspielsommer, der ganz im Zeichen der Leidenschaft steht, mit der Premiere von Giuseppe Verdis „La traviata“. Mit dieser Oper, die zum 1. Mal auf der Seebühne gezeigt wird, feiern die Bregenzer Festspiele ihr 80-jähriges Jubiläum.
Bis 23. August 2026 können die Zuschauer ein Festival mit rund 80 Veranstaltungen erleben, mit einem Programm, das künstlerische Exzellenz und große Gefühle vereint: Unter dem Motto „Free Fall into Passion“ widmet sich der Festspielsommer 2026 allen Facetten der Leidenschaft.
Mit „La traviata“ zeigt die Seebühne einen der meistgespielten Opernklassiker
Im Mittelpunkt steht Violetta Valéry, die zwischen rauschenden Festen und tiefem Freiheitswillen, zwischen Pariser Salons und innerem Aufbruch ihren eigenen Weg sucht. Eine Frau, die seit Generationen vor allem weibliche Zuschauerinnen fasziniert, weil sie Fragen der gesellschaftlichen Erwartungen gegenüber Selbstbestimmung und der Sehnsucht nach echter Nähe verhandelt, die bis heute viele Frauen bewegen: Wie frei bin ich in meinen Entscheidungen, wie viel bin ich bereit, für Liebe oder Unabhängigkeit zu riskieren?
Die imposante Seebühne wird für Verdis Oper neu geschaffen; Regisseur Damiano Michieletto und Bühnenbildner Paolo Fantin entwickeln dafür eine Bühnenwelt, die Emotion, Glamour und Verletzlichkeit unvergleichlich sichtbar werden lässt. Musikalisch wird der Abend von Kirill Karabits und Pietro Rizzo geleitet, die in Bregenz debütieren.
Oper im Festspielhaus: „Die Ausflüge des Herrn Brou?ek“
Am 23. Juli 2026 entführt das Festspielhaus mit der Premiere von Leoš Janá?eks Oper „Die Ausflüge des Herrn Brou?ek“ das Publikum in eine andere Welt: auf den Mond, ins Prag des Mittelalters und mitten hinein in gesellschaftliche Debatten. Die satirische, von Fantasie und Witz geprägte Oper ist ein in Stück, das mit Humor und Schärfe die Komfortzonen seiner Hauptfigur seziert. Janá?eks Blick auf Macht, Bequemlichkeit und gesellschaftliche Rollenbilder lässt sich mit heutigen Fragen nach Gleichberechtigung, Teilhabe und Verantwortung verschränken. Wer genau hinhört und -schaut, entdeckt hinter der skurrilen Oberfläche feine Beobachtungen über Lebensentwürfe, Privilegien und mutige Gegenentwürfe. Regie führt Yuval Sharon, die musikalische Leitung übernimmt Robert Jindra.
Theater am Kornmarkt: Der eingebildete Kranke
Premiere feiert am 24. Juli 2026 Molières „Der eingebildete Kranke“ in einer Inszenierung von Stefan Bachmann. In seinem berühmten Stück beschreibt Molière 1673 das Verhältnis eines selbstmitleidigen Hypochonders zu seinen geldgierigen Ärzten als eine für beide Seiten gewinnbringende Symbiose. Argan ist überzeugt: Er ist todkrank. Täglich lässt er sich behandeln, schluckt Medikamente, schwört auf Einläufe – und will zur Absicherung seine Tochter Angélique mit einem Arzt verheiraten. Sein brillantes letztes Werk ist bis heute ein Klassiker – unterhaltsam, scharfzüngig und erschreckend aktuell.
Symphonische Höhepunkte
Die Festspiele 2026 setzen ihr Profil als Musik- und Kulturfestival weit über die Oper hinaus fort. Sie eröffnen Hörerlebnisse von kraftvoll und monumental bis fein und kammermusikalisch für alle, die sinfonische Musik bewusst erleben wollen. Mehrere Orchesterkonzerte mit den Wiener Symphonikern unter Dalia Stasevska, Eva Ollikainen und Petr Popelka sowie mit dem Symphonieorchester Vorarlberg unter Leo McFall spannen den Bogen von Sibelius und Stravinsky bis zu neueren Klangsprachen.
Gemeinsames Singen
Am 1. August 2026 laden die Bregenzer Festspiele anlässlich ihres 80. Jubiläum zum „Singalong am See“ ein, einem großen gemeinsamen Singen, das Chorwerke und populäre Melodien verbindet. Wer Kultur am liebsten im Miteinander erlebt, findet hier einen niedrigschwelligen, zugleich emotional dichten Zugang zur Musik – mit der Möglichkeit, selbst Teil des Klangkörpers zu werden.
Junge Festspiele und Workshops
Mit den „Jungen Festspielen“ richtet sich Bregenz gezielt an Kinder, Jugendliche und Familien. Mit Opern-Workshops, dem „Fest des Kindes“, ein MINT-Projekt und die Young People’s Night machen Musiktheater aus der Zuschauerperspektive und hinter den Kulissen erlebbar. Das Konzert „MähTropolis“, ein turbulentes musikalisches Abenteuer über drei Schafe auf der Suche nach Freiheit, verbindet dabei unterhaltsame Erzählung mit Musik von Satie bis Schostakowitsch. Diese Formate bieten generationsübergreifend die Möglichkeit, den Festspielsommer als gemeinsamen Erfahrungsraum zu nutzen.
Führungen hinter die Kulissen
Führungen über die Seebühne und ins Bühnenbild sowie Einführungsgespräche erlauben einen Blick in die künstlerische und technische Werkstatt der Festspiele. Wer selbst kreativ arbeitet oder sich für Regie- und Ausstattungskonzepte interessiert, bekommt damit wertvolle Einblicke in künstlerische Entscheidungsprozesse – vom ersten Entwurf bis zur Premiere.
Die Bregenzer Festspiele 2026 lassen sich ideal mit einer Auszeit am Bodensee verbinden. Die Uferpromenade, Fahrradwege am Wasser entlang oder Ausflüge auf den Pfänder schaffen einen Rahmen, der Kultur, Natur und Erholung zusammenführt. Die nahegelegene Altstadt und die regionale Gastronomie bieten zusätzliche Anlaufpunkte für alle, die gerne zwischen Vorstellung und Hotel ihre Eindrücke des Tages bei einem Glas Wein vorbeiziehen lassen möchten.
Foto: Anja Koehler