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Equal Pay Day 2026: Warum Equal Investing das fehlende Puzzlestück zur Gleichberechtigung ist

Ein Plädoyer von Violeta Todorova, Senior Research Analyst bei Leverage Shares & Income Shares


Der Equal Pay Day erinnert jedes Jahr eindringlich daran, dass Frauen weltweit noch immer weniger verdienen als Männer. Global erhalten Frauen im Durchschnitt rund 83 Cent für jeden Dollar, den Männer verdienen. Das entspricht einer Lohnlücke von etwa 17 Prozent. 

Selbst in den entwickelten Volkswirtschaften der OECD liegt die Differenz im Schnitt noch immer bei rund zwölf Prozent. Im aktuellen Tempo wird es weltweit noch Generationen dauern, bis vollständige Lohngleichheit erreicht ist. Doch die Gehaltslücke erzählt nur einen Teil der Geschichte. Es gibt eine zweite, leisere Ungleichheit, die sich über die Jahre hinweg potenziert und die erste noch verstärkt: die Investitionslücke.

In vielen Ländern beteiligen sich Frauen deutlich seltener an den Kapitalmärkten als Männer. In mehreren europäischen Märkten liegt die direkte Aktienbeteiligung von Frauen weiterhin im einstelligen Prozentbereich. Selbst in hochentwickelten Finanzsystemen wie den Vereinigten Staaten oder dem Vereinigten Königreich verfügen Männer deutlich häufiger über eigene Wertpapierdepots und investieren eigenständig. Einige asiatische Märkte zeigen zwar eine relativ stärkere Beteiligung von Frauen – doch geschlossen ist die Lücke nirgendwo.

Aktuelle Daten für das Jahr 2025 verdeutlichen die Situation in Deutschland eindrücklich: Von den insgesamt 14,1 Millionen Anlegern sind lediglich 5,4 Millionen Frauen – gerade einmal 38 Prozent. 8,7 Millionen Männer investieren am Aktienmarkt (Quelle: Deutsches Aktieninstitut, 2025). Hinter diesen Zahlen steckt kein Zufall, sondern ein hartnäckiges strukturelles Muster, das sich seit Jahrzehnten durch alle Einkommensschichten zieht. Diese Ungleichheit wiegt schwerer, als es reine Jahresgehaltsstatistiken vermuten lassen. Einkommen bestimmt, wie viel wir sparen können. Investieren bestimmt, wie viel wir aufbauen, vermehren und über Jahrzehnte hinweg durch den Zinseszinseffekt wachsen lassen können.

Die langfristigen Kosten der Ungleichheit

Eine anhaltende Lohnlücke in Kombination mit geringerer Investitionsbeteiligung führt zu einem massiven kumulativen Nachteil. Wer über das Berufsleben hinweg weniger verdient, kann weniger Geld anlegen. Wer zusätzlich später oder seltener investiert, verliert wertvolle Jahre des Zinseszinseffekts. Das Ergebnis ist nicht nur ein kleineres Portfolio, sondern eine deutlich größere Vermögenslücke im Ruhestand.

Schon eine moderate monatliche Investition kann sich über 30 Jahre exponentiell entwickeln. Wird der Einstieg jedoch um fünf oder zehn Jahre verschoben, kann der Unterschied – abhängig von der Renditeannahme – Zehntausende oder sogar Hunderttausende Euro an entgangenem Vermögen betragen. Wenn geringeres Einkommen, Erwerbsunterbrechungen und geringere Investitionstätigkeit zusammentreffen, entstehen langfristig tiefgreifende finanzielle Nachteile.

Das erklärt, warum Frauen im Durchschnitt mit weniger Vermögen in den Ruhestand gehen, größere Rentenlücken aufweisen und statistisch stärker von finanzieller Unsicherheit im Alter betroffen sind. Die Ungleichheit beschränkt sich nicht auf die Gegenwart – sie reicht Jahrzehnte in die Zukunft. Doch in dieser Ungleichheit liegt auch eine echte Chance zur Veränderung.

Frauen investieren oft erfolgreicher

Frauen in Europa investieren zwar im Schnitt weniger ihres monatlichen Einkommens als Männer, doch wenn sie den Schritt an die Börse wagen, beweisen sie regelmäßig die größere Weitsicht. Und obwohl Frauen seltener investieren, zeigen zahlreiche Studien konsistent, dass sie langfristig häufig mindestens gleich hohe, teilweise sogar höhere Renditen erzielen als Männer. Ein zentraler Grund dafür ist ein geringerer Hang zu übermäßigem Risiko. Frauen handeln seltener, spekulieren weniger und bleiben in Phasen erhöhter Volatilität disziplinierter. Sie sind weniger anfällig für Übermut und emotionale Fehlentscheidungen. Mit anderen Worten: Frauen vermeiden häufig jene „Ungeduldssteuer“, die viele Portfolios durch unnötige Transaktionen, schlechtes Timing und reaktive Handelsentscheidungen belastet. Geduld, Konsequenz und langfristiges Denken sind genau jene Eigenschaften, die Kapitalmärkte am stärksten belohnen.

Die Daten zeigen eindeutig: Es mangelt nicht an Kompetenz, sondern an Beteiligung. Das Potenzial ist vorhanden – es wird nur nicht ausgeschöpft. Die entscheidende Hürde ist also der Einstieg. Und je früher mehr Frauen den Schritt an die Kapitalmärkte wagen, desto eher können sie diesen strukturellen Vorteil in nachhaltigen Vermögensaufbau übersetzen. Entscheidungen führen zu Handlungen – und Handlungen bestimmen Ergebnisse. Wer die Investitionsentscheidung vertagt, reduziert die Kraft des Zinseszinseffekts und damit das langfristige Vermögen. Die Entscheidung von heute ist daher wertvoller als die Entscheidung von morgen.

Einkommen generieren: Die Rolle von Income Shares

Die Instrumente, mit denen man sich am Kapitalmarkt beteiligen kann, sind dabei sehr vielfältig und immer einfacher zugänglich. Um die Einkommenslücke effektiv zu schließen, rücken bspw. verstärkt Income Shares in den Fokus. Diese ermöglichen es Anlegern, nicht nur auf Kurssteigerungen zu hoffen, sondern einen regelmäßigen Cashflow zu generieren – ähnlich einem zusätzlichen „Gehalt“. Income-orientierte Strategien können also helfen, Einkommenslücken langfristig zu reduzieren.

Income-Produkte bieten zudem eine praktische Brücke: Monatliche oder quartalsweise Ausschüttungen können das Budget direkt entlasten. Durch das Reinvestieren der Erträge lässt sich der Zinseszinseffekt auch bei kleineren Sparraten maximieren. Und: Anstatt nur indirekt über Fonds (wie rund 9,2 Millionen Deutsche) zu investieren, erlauben spezialisierte ETPs den gezielten Zugang zu dividendenstarken Titeln oder einkommensorientierten Strategien.

Vermögensgleichheit durch Kapitalbeteiligung

Wenn Equal Pay für Einkommensgerechtigkeit steht, dann steht Equal Investing für Vermögensgerechtigkeit. Kapitalmärkte sind eines der wirksamsten Instrumente für langfristigen Wohlstandsaufbau. Dividenden, Wiederanlage und kontinuierliches Wachstum verwandeln Erwerbseinkommen in finanzielle Unabhängigkeit.

Für Frauen ist Investieren daher nicht nur eine finanzielle Strategie – es ist eine notwendige Antwort auf bestehende Ungleichheiten. Jeder investierte Euro arbeitet nicht nur für die eigene Zukunft, sondern wirkt dem kumulativen Effekt der Lohnlücke entgegen. Gehaltsverhandlungen bleiben wichtig. Politische Reformen bleiben notwendig. Doch allein auf systemische Veränderungen zu warten, reicht nicht aus. Persönliche Kapitalanlage und aktive Investitionsentscheidungen sind ebenso entscheidend.

Die Voraussetzungen sind vorhanden: Frauen bringen die Verhaltensstärken mit, die erfolgreiche Investoren auszeichnen. Was fehlt, ist eine breitere und frühere Beteiligung. Bereits kleinere Beträge, regelmäßig investiert und konsequent reinvestiert, können über Jahrzehnte hinweg erhebliche Vermögensunterschiede reduzieren. Der Equal Pay Day sollte daher nicht nur sichtbar machen, was Frauen beim Einkommen fehlt. Er sollte ebenso ins Bewusstsein rufen, was Frauen aktiv tun können, um diese Lücke zu verkleinern.

Der Weg zur Gleichberechtigung endet nicht im Verhandlungsraum. Er führt weiter – in Wertpapierdepots, Altersvorsorgepläne und langfristige Portfolios. Equal Pay Day sollte auch Equal Investing Day sein. Denn während das Einkommen bestimmt, was wir verdienen, entscheiden Investitionen darüber, was wir behalten, vermehren und weitergeben.

 

Veröffentlicht am: 28.02.2026

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