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Gold bleibt strukturell bullisch – Silber mit höherem Risiko

Marktkommentar von Violeta Todorova, Senior Research Analyst bei Leverage Shares & Income Shares


Nach einer historischen Rally bis Ende Januar 2026 erlebten Gold und Silber eine der heftigsten Korrekturphasen der vergangenen Jahrzehnte. 

Silber erreichte in einer parabolischen Übertreibungsbewegung kurzzeitig 121 US-Dollar je Feinunze, während Gold bis nahe 5.600 US-Dollar stieg, bevor es zu abrupten Rücksetzern im Edelmetallkomplex kam. Gold verlor innerhalb von zwei Tagen 21 Prozent – der stärkste Einbruch seit 1980 – während Silber mit einem Minus von 41 Prozent den größten zweitägigen Rückgang seiner Geschichte verzeichnete.

Trotz der Intensität der Bewegung notieren beide Edelmetalle weiterhin deutlich über ihren Niveaus von 2025. Die zentrale Frage für Anleger lautet daher, ob der strukturelle Bullenmarkt beendet wurde oder ob der Januar eine überfällige Bereinigung innerhalb eines intakten Aufwärtstrends darstellt.

Positionsbereinigung nach parabolischer Übertreibung


Der Ausverkauf im Januar wurde nicht durch eine Verschlechterung der physischen Nachfrage oder durch einen fundamentalen Makrobruch ausgelöst. Vielmehr folgte er auf eine außergewöhnlich dynamische Rally, die sich im Verlauf des Monats deutlich beschleunigte. Geopolitische Spannungen, Währungsabwertungstendenzen und Spekulationen über die Unabhängigkeit der Federal Reserve zogen zunehmend gehebelte Kapitalströme an. Die Terminmarktpositionierung war nach Monaten ununterbrochener Kursanstiege stark überdehnt. 

Gehebelte Futures-Positionen hatten hohe Niveaus erreicht, die Optionsaktivität nahm erheblich zu und Momentum-Strategien verstärkten die Aufwärtsvolatilität zusätzlich. Mit dem Anstieg der Volatilität traten höhere Margin-Anforderungen der CME (Chicago Mercantile Exchange) in Kraft, was zu erzwungenen Positionsreduzierungen führte. Das außergewöhnlich hohe Handelsvolumen deutet klar auf Zwangs- und nicht auf freiwillige Verkäufe hin.

Futures-Daten zeigen zudem, dass institutionelle Investoren nicht die primären Treiber der vorangegangenen Rally waren. Die Korrektur war damit in erster Linie eine Bereinigung gehebelter und privater Engagements. Parallel stabilisierte sich der US-Dollar nach längerer Schwäche, wodurch ein zentraler Rückenwind für Edelmetalle temporär entfiel. Breites De-Risking über verschiedene Anlageklassen hinweg verstärkte die Dynamik zusätzlich.

Fundamentale Treiber bei Gold bleiben bestehen

Trotz der kurzfristigen Turbulenzen bleibt der mittelfristige Ausblick für Gold konstruktiv. Sinkende Realzinsen, anhaltende geopolitische Spannungen, erhöhte fiskalische Defizite in den Industrieländern und eine strukturell hohe globale Verschuldung bilden weiterhin ein unterstützendes Umfeld. Erwartete Zinssenkungen der Federal Reserve, fortgesetzte ETF-Zuflüsse und die Rolle von Gold als nicht-verbindlichkeitsbehaftetes Reserve-Asset unterstreichen die strategische Bedeutung des Edelmetalls.

Ein potenzielles Risiko bestünde in einer Abschwächung der Zentralbankkäufe. Allerdings halten viele Schwellenländer im internationalen Vergleich weiterhin relativ geringe Goldquoten, sodass der Diversifikationstrend noch nicht ausgeschöpft erscheinen dürfte.

Technisch hat sich der Bereich um 4.800 US-Dollar als bedeutende Unterstützungszone etabliert. Der Relative-Stärke-Index bleibt oberhalb der für langfristige Bullenmärkte typischen Unterstützungsmarke von 40, was auf eine intakte Trendstruktur hindeutet. Auf der Oberseite bildet sich Widerstand nahe 5.100 US-Dollar. Ein nachhaltiger Ausbruch über dieses Niveau könnte eine erneute Annäherung an die Rekordstände und perspektivisch einen Anstieg in Richtung 6.000 US-Dollar ermöglichen.

Silber zwischen monetärem Hebel und Industriezyklus

Silber präsentiert sich differenzierter. Als monetäres Edelmetall profitiert es von denselben makroökonomischen Treibern wie Gold. Gleichzeitig ist etwa die Hälfte der globalen Nachfrage industrieller Natur, was zusätzliche Einflussfaktoren mit sich bringt. Photovoltaik-Installationen expandieren weltweit, getrieben durch energiepolitische Transformationsprogramme. Der Ausbau von KI-Rechenzentren erhöht den Bedarf an leitfähigen Materialien, ebenso wie die Produktion von Elektrofahrzeugen im Bereich der Leistungselektronik und Batteriesysteme. Verteidigungs- und Luftfahrtanwendungen tragen zusätzlich zur strukturellen Nachfragebasis bei.

Gleichzeitig reagieren Angebotsstrukturen sensibel auf hohe Preise. Steigende Schrottzuflüsse, beschleunigte Münz- und Schmuckverkäufe in Nordamerika sowie die Reaktivierung ruhender Bestände sind typische Begleiterscheinungen ausgeprägter Silber-Rallys und können extreme Preisspitzen dämpfen. In China hat sich die spekulative Aktivität nach dem Volatilitätsschub abgekühlt, das Open Interest an der Shanghai Futures Exchange ist zurückgegangen und strengere Positionsführung vor Lieferzyklen hat Verzerrungen reduziert.

Vor diesem Hintergrund erscheint für Silber eine breitere Handelsspanne wahrscheinlich. Konservative Schätzungen liegen im Bereich von 70 US-Dollar, während unter Bedingungen erneuter spekulativer Zuflüsse und akuter Angebotsknappheit auch eine Rückkehr zu Rekordniveaus möglich wäre. Langfristig könnten Preise bei Angebotsanpassungen in Richtung 60 US-Dollar tendieren.

Edelmetalle dürften im zweiten Halbjahr 2026 weiter strahlen

Unter einem Basisszenario gradueller Zinssenkungen und stabiler industrieller Dynamik dürfte Gold in einer Bandbreite von 4.800 bis 5.800 US-Dollar handeln, mit Aufwärtstendenz in Richtung 6.000 US-Dollar bei anhaltend unterstützenden Kapitalströmen. Silber dürfte eine volatilere Spanne zwischen 65 und 90 US-Dollar aufweisen. Ein nachhaltiger Ausbruch über 90 US-Dollar wäre erforderlich, um erneut eine glaubwürdige Perspektive für dreistellige Notierungen zu eröffnen.

Die parabolische Phase der Rally dürfte im Januar ihren Höhepunkt gefunden haben. Die strukturelle Bullen-These bleibt jedoch intakt. In einem Umfeld fiskalischer Expansion, geopolitischer Neuordnung und geldpolitischer Anpassung behalten Edelmetalle ihre Rolle als strategische Absicherungs- und Diversifikationsinstrumente. Die aktuelle Marktphase spricht daher eher für Konsolidierung als für einen zyklischen Trendbruch.

Erfahrenen Anlegern, die mit einem gehebelten Engagement die Aufwärtstendenzen der Edelmetalle taktisch nutzen wollen, stehen hierfür der +3x Long Gold ETP oder der +3x Long Silver ETP zur Verfügung. Bei Kurskorrekturen könnten sie den -3x Short Gold ETP oder den -3x Short Silver ETP in Betracht ziehen. Wem Liquidität wichtig ist, könnte bspw. mit dem Gold+ Yield Options ETP, der versucht durch den Verkauf von Call-Optionen auf Gold Erträge zu erzielen, monatliche Einnahmen generieren. Nach dem selben Prinzip funktioniert auch der Silver+ Yield Options ETP.

 

Veröffentlicht am: 27.02.2026

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