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Die hohen Kosten der neuen Weltunordnung

... von Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM


Der Krieg in Nahost hält die Welt in Atem. Bei einer Eskalation drohen Energieknappheit und Krise. Doch ist diese Auseinandersetzung bloß Symptom eines grundlegenden Wandels: Die globale Wirtschaftsordnung kippt. „Weniger Kooperation, steigende Kosten und ein struktureller Effizienzverlust verändern die Spielregeln für Staaten und Kapitalmärkte“, erklärt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM. „Nicht der nächste Schock ist entscheidend – sondern die Erosion des Systems.“

Vielleicht kann die Welt eine neue Energiekrise vermeiden. Das ändert aber nichts daran, dass sich die internationale Wirtschaftsordnung in einem Umbruch befindet: Die Unsicherheit wächst. Der Internationale Währungsfonds reagiert bereits darauf und ersetzt klassische Wachstumsprognosen zunehmend durch Referenzszenarien und Stressvarianten. „Unsicherheit ist damit nicht länger ein Risiko“, so Fischer, „sondern das neue Basisszenario.“

Das Zeitalter der US-geführten, kooperationsbasierten Weltordnung scheint zu enden. Was folgt, ist keine bloße Verschiebung von Machtverhältnissen, sondern ein systemischer Effizienzverlust. „Schließlich war die internationale Kooperation nie primär ein politischer Idealismus, sondern ein ökonomisches Kostenoptimierungsmodell“, erklärt Fischer. Ihr Rückgang führt zwangsläufig zu steigenden Transaktionskosten, sinkender Produktivität und schwächerem Potenzialwachstum. Vor allem dann, wenn der KI-getriebene Produktivitätsschub an Kraft verliere, werde es zunehmend schwieriger, den strukturellen Effizienzverlust aufzufangen, so Fischer.

Dies zeigt sich exemplarisch in zentralen Bereichen:

- Im Sicherheitsbereich verliert die NATO als effizientes Kostenteilungsinstrument an politischer Stabilität. Europa sieht sich gezwungen, Verteidigungsausgaben überproportional zu erhöhen, während die USA Effizienzvorteile globaler Allianzen einbüßen. Sicherheit wird damit für alle Beteiligten teurer.

- Im Finanzsystem gerät die Dominanz des US-Dollar zunehmend unter Druck. Das „exorbitante Privileg“ günstiger Refinanzierung ermöglichte den USA über Jahre hohe Defizite. Doch nun ist die Grundlage der Dollar-Hegemonie erschüttert. Eine Fragmentierung hin zu einem multipolaren Währungssystem würde Liquidität reduzieren, Finanzierungskosten erhöhen und Marktfriktionen verstärken.

- Auf dem Weltmarkt wird freier Handel zunehmend durch politisch gesteuerte Strukturen ersetzt: Exportkontrollen, Zölle, Subventionen und industriepolitische Eingriffe prägen das Bild. Der Umbau globaler Lieferketten mag zwar die Resilienz erhöhen – die Effizienz jedoch leidet.

- Parallel verschärft sich die fiskalische Lage weltweit. Trotz robuster Konjunktur steigt die globale Verschuldung weiter an. Besonders auffällig ist die Entwicklung in den USA, wo Haushaltsdefizite von sieben bis acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts bei nahezu Vollbeschäftigung erreicht werden. Steigende Zinsen verschärfen zusätzlich die Tragfähigkeitsproblematik öffentlicher Haushalte.

- In der neuen Weltordnung verschiebt sich die Struktur der Staatsausgaben: Höhere Aufwendungen für Verteidigung, Schuldendienst und Industriepolitik treffen auf ein Umfeld schwächeren Wachstums.

Fischers Fazit: „Weniger Kooperation führt zu höheren Kosten und geringerer Produktivität. Das globale Basisszenario verschiebt sich von effizientem Wachstum hin zu einem ‚teuren Gleichgewicht‘.“

Für die Kapitalmärkte bedeute dies einen fundamentalen Wandel. Prognosen verlieren an Aussagekraft, vage Szenarien und Bandbreiten treten an ihre Stelle. Märkte bewegen sich zunehmend im „Durchwurstel-Modus“, in dem geopolitische Ereignisse kurzfristig dominieren, während strukturelle Trends im Hintergrund wirken. „Für Investoren liegt das zentrale Risiko daher nicht im nächsten geopolitischen Schock, sondern in der schleichenden Erosion des Systems selbst“, erklärt Fischer. „Die neue Weltordnung macht Finanzmärkte nicht nur volatiler – sie macht sie strukturell schwächer.“

 

Veröffentlicht am: 04.05.2026

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