
Gesunde Ernährung klingt banal, wird für Healthcare-Aktien aber zunehmend wichtig. Zwischen Diabetes, Adipositas und personalisierter Medizin entsteht ein neues Feld, das Nahrung stärker als Teil der Medizin versteht. Ein Ausblick von Maxim Dimitruk, Portfoliomanager Healthcare der Apo Asset Management GmbH.
Wenn Ernährung Teil der Therapie wird
In der Medizin spielte das Thema lange eine unterschätzte Rolle, doch das beginnt sich zu verändern. Unter dem Begriff „Food as Medicine“ (FaM) entsteht ein Markt zwischen Prävention, Behandlung und digitaler Gesundheitsversorgung. Gemeint sind nicht Proteinriegel oder kurzfristige Diäten, sondern wissenschaftlich fundierte Ansätze: zum Beispiel medizinisch abgestimmte Mahlzeiten bei Diabetes, spezielle Kost für Krebskranke oder digitale Programme zur Begleitung von Adipositas-Therapien. Damit sollen Krankheiten früher, alltagsnäher und günstiger verhindert oder begleitet werden.
Wie Daten Ernährung personalisieren
Viele der innovativsten Modelle entstehen derzeit in den USA. Verschiedene Start-ups verbinden Essverhalten mit Datenanalysen, Telemedizin und kontinuierlicher Betreuung. Unternehmen wie Omada Health entwickeln digitale Programme zur Begleitung von Menschen mit Diabetes oder Adipositas. Glukosesensoren können zeigen, wie sich bestimmte Mahlzeiten auf den Blutzucker auswirken. Andere Anbieter kombinieren Mikrobiom-Analysen und personalisierte Empfehlungen.
Ein noch junger Teilbereich sind Nutrigenomik-Unternehmen, die genetische Analysen mit individuellen Ernährungsstrategien verbinden. Noch fehlen einheitliche Marktdefinitionen. Allein der Markt für personalisierte Ernährung soll bis 2030 weltweit auf über 30 Milliarden US-Dollar wachsen, im Schnitt rund 14 Prozent pro Jahr (Quelle: Markets and Markets, Stand 2025). Damit entstehen neue Investment-Chancen für Anlegerinnen und Anleger.
Auch große Konzerne positionieren sich
Inzwischen reagieren auch etablierte Unternehmen. Medizintechnik-Unternehmen wie Abbott, Dexcom oder Medtronic verbinden kontinuierliche Glukosemessung zunehmend mit digitalen Stoffwechsel- und Ernährungsdaten. Lebensmittel- und Gesundheitskonzerne wie Danone aus Frankreich, Nestlé Health Science aus der Schweiz, Fresenius Kabi aus Deutschland oder Ajinomoto aus Japan bauen ihr Angebot für medizinische und funktionelle Nahrung aus. Gleichzeitig entstehen neue Plattformmodelle: Unternehmen wie Season Health verbinden Beratung, Gesundheitsdaten und Prävention.
Innovation trifft Kapitalmarkt
Ernährung als Medizin könnte sich zu einem relevanten Investitionsthema entwickeln. Der Markt ist zwar teilweise noch jung, einige Bereiche wie medizinische Spezialernährung oder Diabetes-Monitoring sind jedoch bereits etabliert. Nicht jede Vision wird wirtschaftlich und wissenschaftlich tragfähig sein. Entscheidend wird daher sein, welche Unternehmen medizinischen Nutzen mit tragfähigen Geschäftsmodellen verbinden. Einige der spannendsten Gesundheitsunternehmen könnten künftig nicht nur Therapien unterstützen, sondern auch dazu beitragen, dass Menschen länger gesund bleiben.