^

URL: https://www.frauenfinanzseite.de/index.php?id=1,17776,0,0,1,0


Kevin Warsh läutet eine neue Ära der Fed ein

... von Alexis Bienvenu, Fondsmanager bei LFDE



Am 17. Juni fand auf der Pressekonferenz von Kevin Warsh, dem neuen Präsidenten der US-Notenbank (Fed), eine Art stille Revolution statt. Mit seinen nahezu beleidigenden Äußerungen über seinen Vorgänger Jerome Powell, der allerdings immer noch Mitglied des Gouverneursrats ist, warf Warsh der Fed implizit vor, seit über fünf Jahren nicht genug gegen die Inflation unternommen zu haben.

Es ist durchaus zutreffend, dass die Teuerungsrate seitdem deutlich über dem Ziel der Fed von 2 % liegt. Seit Juni 2021 belief sie sich im Durchschnitt auf 3,8 %[1] und fiel nie unter 2,6 %. Der neue Fed-Chef vertritt jedoch eine orthodoxe Haltung in der Geldpolitik und sagte: „Inflation ist eine Wahl.“ Die Verantwortung dafür trägt also die Fed von gestern. Alles muss sich ändern. Alles wird sich ändern.

Das Ende der Forward Guidance

Erste Änderung: Die Fed wird künftig darauf verzichten, den Märkten Orientierung zu geben. Ihr seit der Krise von 2008 verfolgter Ansatz ging mit einer Vorhersehbarkeit der Geldpolitik einher, die von den Märkten nach einer unvorhergesehenen Krise geschätzt wurde. Warsh ist hingegen der Auffassung, dass sich die Fed künftig an den von den Märkten gesendeten Signalen orientieren muss und nicht umgekehrt. Die unmittelbare Folge ist, dass die Mitteilungen der Notenbank künftig weniger Rückschlüsse auf die Entwicklung der Geldpolitik zulassen und sich stärker auf die Darlegung der Fakten beschränken.

Die Märkte müssen daraus Konsequenzen ziehen. Anstatt bei jeder makroökonomischen Entwicklung die Reaktion der Fed vorauszudenken, sollten sie abwarten, bis diese sich zu Wort meldet. Insbesondere das Mantra „Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“[2] könnte einen großen Teil seiner Aussagekraft einbüßen.

Inflationsbekämpfung rückt in den Vordergrund

Eine zweite bedeutende Änderung ist, dass der Schwerpunkt auf der Bekämpfung der Inflation liegen wird, auch wenn dadurch das zweite Mandat der Fed – die Vollbeschäftigung – in den Hintergrund tritt. Dieses fand bei der jüngsten Pressekonferenz kaum Erwähnung. Allerdings besteht bei einer Arbeitslosenquote von 4,3 % auch keine Dringlichkeit. Doch selbst als die Quote 2010 die 10-Prozent-Marke erreichte, hob sich Kevin Warsh mit einer im Vergleich zu seinen Amtskollegen deutlich weniger akkommodierenden Haltung ab.

Er verließ die Fed im Jahr 2011, da er mit der Ausweitung der Anleihenkäufe nicht einverstanden war. Obwohl er in der akuten Phase der Krise 2008 eng mit Ben Bernanke zusammengearbeitet hatte, war er der Meinung, dass eine erneute Ausweitung der Bilanz nicht erforderlich war. Er brachte seine Ablehnung daher durch seinen Rücktritt zum Ausdruck.

Warsh will die Fed grundlegend verändern

Diese Unnachgiebigkeit ist heute der Auslöser für einen dritten Bruch. Warsh wurde von Donald Trump ernannt, dem vermutlich dessen Kritik am Vorgehen von Jerome Powell gefiel. Powell ist für Trump zum Sündenbock geworden. Daher wird der künftige Fed-Chef kaum in Kontinuität handeln. Er gibt sich als Reformer und will bestimmte etablierte Praktiken abschaffen. In diesem Zusammenhang hat er sich fünf strukturelle Baustellen vorgenommen: die Kommunikation (Ende der „Forward Guidance“[3]), die Normalisierung des Volumens und der Zusammensetzung der Bilanz, die Verbesserung der statistischen Werkzeuge, die Analyse der Dynamiken von Beschäftigung und Produktivität im Zeitalter künstlicher Intelligenz und vor allem die Überarbeitung der Doktrin bei der Inflationsbekämpfung vor dem Hintergrund, dass in den vergangenen Jahren eine Lockerung des Ziels diskutiert wurde.

Die nächste Machtprobe mit dem Weißen Haus zeichnet sich ab


Mit der Nominierung eines Einzelkämpfers als Chef der Fed beendet Trump das Kapitel Powell. Doch damit hat er sich auch für jemanden mit festen Überzeugungen entschieden, der durchaus geneigt sein könnte, mit Konventionen zu brechen. In einem Umfeld, in dem die Erwartungen an Zinserhöhungen steigen, während das Weiße Haus eine geldpolitische Lockerung bevorzugen würde, sind alle Voraussetzungen für eine mögliche Konfrontation gegeben.

In Trumps erster Amtszeit hielt das gute Verhältnis zur Fed gerade einmal sechs Monate. Wie lange wird die Schonfrist mit dem deutlich weniger kompromissbereiten aktuellen Fed-Vorsitzenden dieses Mal sein?

 

Veröffentlicht am: 23.06.2026

AusdruckenArtikel drucken

LesenzeichenLesezeichen speichern

FeedbackMit uns Kontakt aufnehmen

FacebookTeile diesen Beitrag auf Facebook

Nächsten Artikel lesen

Vorherigen Artikel lesen

 

Neu:

▪ Kevin Warsh läutet eine neue Ära der Fed ein

▪ Infrastruktur: Solides Fundament mit guten Renditechancen

▪ Renditen messen Stabilität

▪ Dirigentinnen im Rampenlicht bei Young Euro Classic

▪ Kategorie Kinderzeichnungen gewinnt die „Runter vom Gas“-Abstimmung

▪ Unterschätzter Risikofaktor für Sodbrennen

▪ Deutschlands Bankenschlacht – Regierung, Gewerkschaften und Management kämpfen gegen UniCredit

▪ „Viele machen’s, aber keiner gibt’s zu!“

▪ Die Quantenrevolution nimmt Gestalt an

▪ Frauenmacht mit Strahlkraft


 

 

 

 

Werbung

Werbung

 

 

 

Werbung

             

 

Besuchen Sie auch diese Seiten in unserem Netzwerk:
| Börsen-Lexikon
| Fotograf Fotomensch Berlin
| Geld & Genuss
| gentleman today
| genussmaenner.de
| geniesserinnen.de
| instock.de
| marketingmensch | Agentur für Marketing, Werbung & Internet
| Unter der Lupe

© 2024 by frauenfinanzseite.de, Groß-Schacksdorf. Alle Rechte vorbehalten.