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DWS Chart der Woche: Teure Lebensmittel kennen keine Grenzen

Lebensmittelpreisschocks treffen Schwellenländer besonders stark



Schwere Zeiten verlangen nach gutem Essen. Es sei denn, Natur und Geopolitik machen sogar Grundnahrungsmittel zum Luxus. Kaum ein Tag vergeht ohne beunruhigende Meldungen: Hitzewellen bedrohen Ernten, höhere Energie- und Düngemittelkosten belasten Landwirte, erneute Behinderungen der Schifffahrt im Schwarzen Meer erschweren Getreideexporte.1)​

Von einzelnen Ereignissen auf die Preisentwicklung bestimmter Lebensmittel zu schließen, ist heikel.2)​ Diesmal wählen wir einen anderen Ausgangspunkt. Unser „Chart der Woche“ zeigt, welchen Anteil Lebensmittel und alkoholfreie Getränke für den Verzehr zu Hause an den Warenkörben verschiedener Länder haben. Im US-Verbraucherpreisindex machen sie gut acht Prozent aus, in der Eurozone gut 15 Prozent und in vielen Schwellenländern deutlich mehr. Ganz vergleichbar sind die Zahlen jedoch nicht, da sich Abgrenzung und Methodik unterscheiden.3)​

Dennoch ist der grundlegende Unterschied aufschlussreich und steht im Einklang mit einer der ältesten Erkenntnisse der angewandten Ökonomie, dem Engelschen Gesetz: Mit wachsendem Wohlstand sinkt der Anteil der Lebensmittelausgaben am Haushaltsbudget.4)​ Umgekehrt treffen steigende Lebensmittelpreise Realeinkommen und Gesamtinflation dort stärker, wo sie einen Gutteil des Warenkorbs ausmachen.

Die Folgen müssen nicht an Landesgrenzen haltmachen. Unternehmen aus aller Welt lassen zahlreiche Aufgaben in Indien erledigen. Mexiko und Thailand sind wichtige Glieder industrieller Lieferketten. Die Türkei beliefert Europa mit Textilien und Maschinen. Treiben höhere Lebensmittelkosten Löhne und Produktionskosten nach oben, können auch exportierte Industriewaren und Dienstleistungen teurer werden.

Solche Folgewirkungen machen einen weltweiten Nahrungsmittelpreisschock besonders schwer abschätzbar. Ernten können sich erholen, während Ausweichreaktionen, staatliche Puffer und die Lage am jeweiligen Arbeitsmarkt die Folgen abfedern können; Unternehmen können zudem einen Teil der höheren Kosten durch niedrigere Gewinnmargen auffangen. „Für die US Federal Reserve ist entscheidend, ob ein Schock nur die Kaufkraft schmälert oder auf breiter Front in die Lohn- und Preisbildung einfließt“, erklärt Christian Scherrmann, Chefvolkswirt für die USA bei DWS.

Lebensmittelpreise begegnen Verbrauchern fast täglich. Steigen sie, kann das selbst in Industrieländern die Inflationserwartungen beeinflussen. „Zentralbanken können keine besseren Ernten hervorbringen. Sie müssen aber verhindern, dass sich ein vorübergehender Anstieg der Lebenshaltungskosten in Löhnen und Inflationserwartungen festsetzt“, erklärt Ulrike Kastens, Senior Economist Europe bei DWS. Wird das tägliche Brot teurer, können die Folgen weltweit spürbar werden.

1) Siehe etwa: Financial Times, 25. August 2026, „US grain farmers face worst crisis in decades as Iran war sends costs spiralling“; The Economist, 24. August 2026, „The renewed threat to global grain supplies: Unlike in 2022, both Ukraine’s and Russia’s exports are under attack“; Financial Times, 22. Juli 2026, „European heatwave wiped €2bn from value of grain crop, analysis estimates“.

2) So hängt etwa die Wirkung des sich anbahnenden El-Niño-Ereignisses von vielen Faktoren ab: von der geografischen Konzentration des Anbaus über Ausweichmöglichkeiten bis zur Nachfrage nach Biokraftstoffen. Siehe unsere frühere Publikation, DWS, Chart der Woche, 3. Juli 2026, „Inflationsrisiken am Horizont.“

3) Die US-Kategorie „Food at home“ umfasst Lebensmittel und alkoholfreie Getränke für den Verzehr zu Hause. Restaurantmahlzeiten und alkoholische Getränke sind nicht enthalten. Die Zahl für den Euroraum entspricht dem HVPI-Gewicht 2026 für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke. Die Methoden unterscheiden sich unter anderem darin, dass der HVPI auch Käufe gebietsfremder Haushalte, etwa von Touristen, erfasst. Soweit verfügbar, verwendet die Grafik für Schwellenländer möglichst ähnliche Kategorien. Quellen: U.S. Bureau of Labor Statistics; Eurostat; United Nations Committee of Experts on International Statistical Classifications; nationale Statistikämter; DWS Investment GmbH.

4) Anker, R. (2011) “Engel’s Law around the World 150 Years Later.” Political Economy Research Institute Working Paper no. 247, University of Massachusetts Amherst.

 

Veröffentlicht am: 29.08.2026

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