
Auch wenn die EZB-Pressekonferenz durch Fragen nach dem Rücktritt von EZB-Präsidentin Lagarde bestimmt wurde, sollte der Marktfokus doch auf der veränderten geldpolitischen Kommunikation liegen.
Dabei gibt es zwei Gegenpole: Erstens der kräftige Anstieg der Energiepreise, der über die Erwartungen der September-Projektionen hinausgeht und zu einem weiteren Anstieg der Inflationsrate führen wird.
Zweitens die allgemeine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen, die Inflation und das Wachstum dämpfen dürfte. Gerade dies wurde ausdrücklich ins Eingangsstatement aufgenommen und dürfte letztlich entscheidend für die Beibehaltung des aktuellen Einlagesatzes von 2,50 Prozent gewesen sein. Die Entscheidung fiel einstimmig, obwohl einige EZB-Mitglieder ursprünglich wegen der höheren Inflationsrisiken für eine Zinserhöhung plädiert hatten.
Insgesamt neigt die EZB immer noch zu Zinserhöhungen. Lagarde betonte, die Richtung sei klar und damit wäre eine Zinserhöhung im Dezember möglich. Letztlich hängt es von den Daten ab, insbesondere von dem zugrunde liegenden Inflationstrend, der sich bisher als sehr stabil gezeigt hat. Alles in allem erscheinen uns die Aussagen der EZB aber deutlich ausgewogener. Vor allem der Fokus auf die Verschärfung der Finanzierungsbedingungen hat den Grundton in Richtung deutlich weniger Zinserhöhungen als vom Markt erwartet verschoben. Das Frankreichproblem dürfte zudem in den kommenden Monaten bestehen bleiben. Wie auch in früheren Statements betonte EZB-Präsidentin Lagarde, dass die EZB über Instrumente verfügt, um ungerechtfertigten und ungeordneten Marktdynamiken entgegenzuwirken.
Der für den 7. Februar 2027 angekündigte Rücktritt von EZB-Präsidentin Lagarde gibt den Staats- und Regierungschefs in der Eurozone die Möglichkeit, eine Paketlösung für die vakanten Posten im Direktorium zu finden. Aktuelle Umfragen zeigen, dass der ehemalige spanische Notenbankgouverneur Hernández de Cos und der ehemalige niederländische Notenbankgouverneur Klaas Knot die größten Chancen auf den EZB-Posten haben. Ob sich die Staats- und Regierungschefs dieser Meinung anschließen, ist allerdings wie immer bei solchen Entscheidungen offen.