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Björn Deyer, DWS: Private Altersvorsorge stärken

Staat als Schiedsrichter, nicht als Mitspieler



Die Debatte um die Reform der privaten Altersvorsorge tritt in eine entscheidende Phase. Mit dem Altersvorsorgedepot und der Einführung eines Standardprodukts liegt ein Ansatz auf dem Tisch, der die private Vorsorge für breite Bevölkerungsschichten zugänglicher machen kann: vergleichbarer, kostengünstiger und wettbewerbsintensiver. Der von einigen Politikern kürzlich ins Spiel gebrachte Staatsfonds dagegen setzt die falschen Signale.


Das Thema Kosten wurde in den vergangenen Wochen heiß diskutiert. Die Diskussion ist berechtigt, denn schließlich geht es darum, eine kapitalmarktgestützte Altersvorsorge so effizient wie möglich zu gestalten. Eines der zentralen Anliegen der DWS seit ihrer Gründung im Jahr 1956.

Allerdings lässt sich ein gewisses Kostenniveau bei einem so komplexen und wichtigen Thema wie der Altersvorsorge nicht umgehen. „Diverse Studien zum Thema zeigen, wie hoch der Beratungsbedarf weiter Teile der Bevölkerung ist: 80 Prozent der deutschen Bevölkerung sind noch nicht am Kapitalmarkt investiert und werden in weiten Teilen eine fundierte Unterstützung benötigen. Das erfordert eine qualifizierte Beratung. Und die kostet Geld“, sagt Björn Deyer, Leiter Altersvorsorge. Trotz einer gewissen Kostenbelastung hat die Altersvorsorge über den Kapitalmarkt die Chance, dass Bürgerinnen und Bürger wesentlich mehr aus ihrem hart ersparten Geld machen. Ein gesellschaftspolitisches Ziel von ungeheurer Bedeutung in Zeiten unserer so massiv strapazierten gesetzlichen Rente.

Die wiederkehrende Forderung nach einer staatlichen Lösung in der dritten Säule der Altersvorsorge, die von manchen als Königsweg gesehen wird und die jüngst wieder in der Anhörung im Bundestag und in Pressemeldungen einzelner Mitglieder der Koalition gefordert wurde, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Irrweg. Sie ist nicht notwendig und ordnungspolitisch höchst problematisch. Ein staatlicher Anbieter in der dritten Säule würde die Grenzen zwischen staatlicher Basisversorgung und privater Zusatzvorsorge verwischen – und damit die bewusste Risikostreuung des Gesamtsystems schwächen.

Wer suggeriert, der Staat könne sich „um alles kümmern“, verkennt die Realität. Eine qualifizierte Beratung muss zwingend privat organisiert bleiben. Ein staatlicher Anbieter würde hier einen unfairen, ruinösen Wettbewerb entfachen, der die privaten Beratungsstrukturen zerstört, anstatt sie als notwendige Brücke zum Bürger für eine bessere Verbreitung zu stärken.

„Unser Altersvorsorgesystem basiert auf der bewussten Trennung von staatlicher Basis, betrieblicher und private Zusatzvorsorge. Wenn ein Staatsfonds diese Grenzen verwischt, gefährdet dies die notwendige Risikostreuung des Gesamtsystems“, so Deyer. „Ein Staatsfonds in der privaten Vorsorge führt zu einer gefährlichen Rollenvermischung: Der Staat ist gleichzeitig Regulator, Aufseher und Marktteilnehmer. Der Staat sollte Schiedsrichter sein, nicht Mitspieler.“

Besonders brisant wird die Debatte vor dem Hintergrund der aktuell im Bundesfinanzministerium in Vorbereitung befindlichen Gesetzesinitiative zur „Frühstart-Rente“. Es ist nicht nachvollziehbar, warum man den Staat in der privaten Vorsorge als Anbieter etablieren will, während man – aus gutem Grund – die Finanzbildung von Kindesbeinen an fördern möchte.

Finanzielle Bildung entsteht durch Handeln – durch Vergleichen, Auswählen und Entscheiden. Ein Staatsfonds nimmt den Bürgern diese Lernkurve ab und zementiert eine passive Haltung. Wir brauchen mündige Anleger, echte Investmentkultur und keine staatlich gelenkten Sparer.

Das heißt nicht, dass ein Staatsfonds grundsätzlich etwas Schlechtes ist. Er muss nur richtig eingesetzt werden. Ein Blick nach Schweden zeigt, wie ein solches Konstrukt in der ersten Säule als systemstützendes Element wirken kann. In der privaten Vorsorge droht jedoch ein gegenteiliger Effekt: Verdrängung statt Vielfalt, weniger Innovation und ein struktureller Druck auf private Beratungs- und Angebotslandschaften.

„In der privaten Vorsorge braucht es Wettbewerb, Beratung und eine Investmentkultur – nicht einen staatlichen Monolithen“, so Deyer.

 

Veröffentlicht am: 25.03.2026

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