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Autoindustrie: mit China den Rest der Welt erobern

... von Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM


Während europäische Autohersteller in China um Marktanteile kämpfen, verschiebt sich der Wettbewerb längst in andere Regionen. Emerging Markets werden zum neuen Schlachtfeld und chinesische Hersteller sind dort bereits führend. 

„Schwellenländer sind die eigentlichen neuen Märkte“, sagt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM. „Die Deutschen sollten nicht jedem verlorenen Marktanteil in China hinterherlaufen. Während der chinesische Binnenmarkt derzeit deutlich schrumpft, wächst der Wettbewerbsdruck längst außerhalb Chinas.“

Einst war China der Wachstumsmotor der deutschen Industrie, heute ist das Land zum Risiko geworden. Denn der Markt stößt an seine Grenzen: Die Erwerbsbevölkerung ist seit 2021 um rund 13 Millionen geschrumpft, die Urbanisierung flacht bei etwa 950 Millionen Einwohnern ab, die Autoverkäufe entwickeln sich rückläufig. „Der jahrzehntelange Rückenwind aus Demografie, Urbanisierung und wachsender Mittelschicht lässt nach“, erklärt Fischer. Gleichzeitig sind chinesische Hersteller zu starken Wettbewerbern aufgestiegen und kämpfen mit hohen Preisnachlässen um den enger werdenden Markt.

Damit steht das China-Geschäft für europäische Hersteller unter Druck. Bei VW, BMW und Mercedes gingen die Verkäufe in China zuletzt zweistellig zurück, bei Porsche um rund 60 Prozent. Darüber hinaus sinkt bei vielen Marken die lokale Produktion. Die Strategie „in China für China produzieren“ wird zunehmend schwieriger.

Die nächste große Chance liegt jenseits von China und Europa. Von weltweit rund vier Milliarden Menschen in der Mittelschicht lebt etwa die Hälfte außerhalb Chinas und der Industrieländer. „Indien, Lateinamerika, Südostasien, der Nahe Osten und Nordafrika dürften zu den entscheidenden Wachstumsmärkten der kommenden Jahre werden“, so Fischer.

Die Autobauer aus der Volksrepublik haben diesen Wettbewerb längst eröffnet. Chinesische Elektroauto-Exporte haben sich seit 2019 vervielfacht und erreichen auf Zwölfmonatssicht mehr als 50 Milliarden US-Dollar. Besonders dynamisch wächst der Absatz in Lateinamerika, Nahost und Asien. Vielerorts verdrängen chinesische Hersteller etablierte japanische und westliche Marken durch aggressive Preise, moderne Verbrenner und neue Antriebe. Erschwingliche Modelle sprechen breite Käuferschichten an. Durch den Bau von Werken in Lateinamerika und Asien umgehen sie Handelsbarrieren. Im Segment der elektrifizierten Fahrzeuge erreichen chinesische Anbieter in Märkten wie Brasilien und Thailand bereits Marktanteile von rund 85 Prozent.

Audi, Smart und Mini versuchen, hier mithalten: Sie gehören zu den wenigen europäischen Marken, die ihre chinesische Produktion steigern konnten und stärker als Exportbasis nutzen. Smart und Mini demonstrieren, dass die Kombination aus europäischen Marken, chinesischer Fertigung und Elektrifizierung ein tragfähiges Modell sein kann.

Zölle und Protektionismus könnten für Europa daher zum strategischen Eigentor werden. Europäische Hersteller sollen heimische Produktion schützen, müssen aber gleichzeitig mit Kosten, Entwicklungszyklen und Technologien chinesischer Wettbewerber mithalten. „Chinesische Werke als Exportplattform für Schwellenländer zu nutzen, könnte wirtschaftlich sinnvoller sein als weitere Abschottung“, sagt Fischer.

Für Anleger bedeutet das: Der globale Automarkt verschiebt sich von China als Absatzmarkt zu China als Produktions- und Exportzentrum. Für europäische Hersteller entscheidet sich der langfristige Erfolg zunehmend in den Emerging Markets. Als Gewinner sieht Fischer daher jene Unternehmen, die starke europäische Marken mit chinesischer Kostenstruktur, Batterietechnologie und Entwicklungsgeschwindigkeit verbinden. Fischer: „Für Anleger wird damit weniger entscheidend, wer in China gewinnt – sondern wer seine in China entstandenen Wettbewerbsvorteile nutzt, um in den globalen Wachstumsmärkten erfolgreich zu sein.“

 

Veröffentlicht am: 19.08.2026

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