
Die US-Banken starteten mit hohen Erwartungen in die Berichtssaison für das vierte Quartal – und größtenteils konnten sie diese auch erfüllen. Die Handelsabteilungen florieren, die Kapitalausstattung blieb robust und die Rückzahlungen an die Aktionäre beschleunigten sich.
Dennoch: Obwohl die Gewinne in weiten Teilen die Schlagzeilen übertrafen, fiel die Marktreaktion merklich verhalten aus. Der Grund: Investoren konzentrieren sich zunehmend auf die Nachhaltigkeit der Gewinne und weniger auf deren absolutes Niveau. Die Q4-Ergebnisse zeigten einen Bankensektor, der profitabel und gut kapitalisiert ist, aber auch mit ungleichmäßigem Umsatzwachstum, steigenden Kosten und einem makroökonomischen Umfeld konfrontiert ist, das zwar stützend wirkt, aber unsicher bleibt.
Handelsabteilungen geben den Ton an
Herausragendes Thema war die Stärke des Handels- und Marktgeschäfts. Erhöhte Volatilität, geopolitische Ungewissheit und aktive Neupositionierungen der Kunden schufen 2025 fruchtbare Bedingungen für die Aktien- und Rentenhandelsplätze. Goldman Sachs verzeichnete Rekordeinnahmen im Handel, während JPMorgan einen Anstieg der Markteinnahmen um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr meldete, wobei sowohl festverzinsliche Wertpapiere als auch Aktien die Erwartungen übertrafen. Auch Morgan Stanley profitierte von einem starken Aktienhandel. Das zeigt: Die Marktaktivität und nicht das Kreditwachstum war der primäre Gewinnmotor für Großbanken. Diese Stärke half dabei, schwächere Bereiche abzufedern und verdeutlicht, wie empfindlich Bankgewinne weiterhin auf Marktbedingungen reagieren.
Obwohl die Transaktionsaktivität im Vergleich zum früheren Zyklus zugenommen hat, war die Erholung im Investmentbanking alles andere als einheitlich. Morgan Stanley ging als klarer Sieger hervor: Die Erträge im Investmentbanking stiegen im Jahresvergleich um fast 50 Prozent. Dies zeigt den Hebel, den Banken nutzen können, wenn M&A-Aktivitäten und Kapitalmärkte wieder anziehen. Im Gegensatz dazu meldete JPMorgan einen leichten Rückgang der Gebühren im Investmentbanking, während die starken Beratungs- und Underwriting-Leistungen von Goldman durch Verluste in anderen Sparten überschattet wurden. Das zeigt: Die Dynamik im Investmentbanking ist real, aber selektiv. Unternehmen agieren zwar wieder, aber nicht wahllos und die Erholung der Gebühren bleibt stark von Sektor, Geografie und Transaktionsgröße abhängig.
Goldmans Ergebnisse werfen Fragen zur Gewinnqualität auf
Das Quartal von Goldman Sachs brachte das breitere Gewinn-Paradoxon der Banken auf den Punkt. Oberflächlich betrachtet waren die Ergebnisse stark: Die Gewinne übertrafen die Erwartungen deutlich, die Kapitalquoten waren gesund und die Ausschüttungen an die Aktionäre robust. Dahinter blieben jedoch die Umsätze unter den Prognosen, die Betriebskosten stiegen und Verluste durch den Ausstieg aus dem Apple-Card-Programm belasteten das Ergebnis. Die Abschreibungen im Zuge der Übertragung der Apple-Card-Kredite und der Beendigung der Partnerschaft erinnerten daran, dass strategische Fehlgriffe im Privatkundengeschäft kostspielig sein können. Während das Management zuversichtlich bleibt, die Dynamik bis 2026 zu beschleunigen, scheinen die Anleger vorsichtiger zu sein und konzentrieren sich eher auf Umsatzkontinuität und Kostendisziplin als auf langfristige Ambitionen.
Vermögensverwaltung sorgt für Stabilität
Im Gegensatz zu den zyklischeren Geschäftsbereichen erwiesen sich die Vermögens- und Anlageverwaltung weiterhin als stabilisierende Kraft. Das Wealth-Management-Franchise von Morgan Stanley bewies erneut seinen Wert: Starke Nettomittelzuflüsse und steigendes Kundenvermögen stützten ein stetiges Umsatzwachstum. Bei Goldman erreichten die verwalteten Vermögen ein Rekordhoch und setzten damit einen mehrjährigen Trend gebührenbasierter Zuflüsse fort. Dies unterstreicht einen wichtigen strukturellen Wandel bei Investmentbanken: Diversifizierte Einkommensströme, insbesondere die Vermögensverwaltung, werden immer entscheidender, um die Gewinnvolatilität über verschiedene Zyklen hinweg zu glätten.
Die Kapitalstärke im Bankensektor steht außer Frage. Die CET1-Quoten lagen deutlich über den regulatorischen Anforderungen, sodass die Banken weiterhin aggressiv Kapital zurückgeben konnten. Goldman, JPMorgan und Citigroup bekräftigten ihre Zusage zu Dividenden und Aktienrückkäufen, was die Attraktivität der Banken für einkommensorientierte Anleger verstärkt.
Warum die Märkte vorsichtig reagierten
Trotz der insgesamt soliden Gewinne hatten die Bankaktien nach Bekanntgabe der Ergebnisse Mühe, an Fahrt zu gewinnen. Die Erklärung liegt in den Erwartungen. Nach einem starken Run im Vorfeld der Berichtssaison waren die Märkte auf eine Bestätigung eingestellt, dass das Umsatzwachstum bis 2026 deutlich anziehen würde. Stattdessen deuteten die Ergebnisse auf Gewinne hin, die weiterhin stark von der Handelsstärke abhängig sind, gepaart mit steigenden Ausgaben und anhaltenden strukturellen Herausforderungen.
Auch die Kommentare des Managements klangen vorsichtig. Während die CEOs die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit hervorhoben, wiesen sie ebenso deutlich auf Risiken hin, die mit der Geopolitik, der anhaltenden Inflation, regulatorischer Unsicherheit und Sorgen um die Unabhängigkeit der Zentralbanken verbunden sind. Dies dämpfte den Optimismus und förderte Gewinnmitnahmen.
Was die Bankgewinne über den breiteren Markt aussagen
Für den Gesamtmarkt senden die Bankgewinne des vierten Quartals ein differenziertes Signal. Die Finanzierungsbedingungen bleiben stützend, Liquidität fließt und der Risikoappetit ist nicht verschwunden. Gleichzeitig wird das Gewinnwachstum selektiver und hängt zunehmend von günstigen Marktbedingungen ab, statt von einer organischen Kreditexpansion. Dies deutet auf ein Marktumfeld hin, das zwar immer noch lohnenswert ist, aber Schwierigkeiten bekommen könnte, wenn sich das Wachstum verlangsamt oder sich die Finanzierungsbedingungen unerwartet verschärfen. Die Banken signalisieren uns, dass das System gesund, aber nicht immun ist.
US-Finanzinstitute bestätigen Profitabilität und Widerstandsfähigkeit
Die Q4-Bankgewinne bestätigten, dass die US-Finanzinstitute profitabel, widerstandsfähig und gut für das Jahr 2026 aufgestellt sind. Die Handelsstärke, solide Kapitalpuffer und Rückzahlungen an die Aktionäre bilden ein starkes Fundament. Das ungleichmäßige Umsatzwachstum, steigende Kosten und die vorsichtigen Prognosen erklären jedoch, warum die Märkte eher mit Zurückhaltung als mit Begeisterung reagierten.
Für Anleger ist die Botschaft klar: Die Banken signalisieren keinen Stress, bieten aber auch kein leichtes Aufwärtspotenzial mehr. Von hier an wird die Performance weniger von der Stärke der Bilanz abhängen, sondern vielmehr von der Entwicklung der Märkte, der Politik und der wirtschaftlichen Dynamik im kommenden Jahr.