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Mittwoch, 4. Februar 2026
   
 

Kevin Warshs Nominierung und die nächste Ära der US-Geldpolitik

Kommentar von Daniel Siluk, Head of Global Short Duration and Liquidity, Janus Henderson Investors




Die Nominierung von Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell durch Präsident Trump markiert einen der bedeutendsten Wechsel an der Spitze der US-Notenbank (Fed) seit über einem Jahrzehnt. Nicht weil Warsh sich extrem von den Normen der Institution entfernen würde, sondern weil er eine hawkische Haltung mit der Bereitschaft verbindet, die Instrumente der Fed für ein neues wirtschaftliches Umfeld zu überdenken. 


Warsh ist weder ein Gradualist im Stil von Powell noch ein politischer Loyalist. Vielmehr scheint er bereit zu sein, die Mechanismen der Geldpolitik neu zu gestalten und gleichzeitig die langfristige Unabhängigkeit der Fed zu bewahren.

Geringere Bilanzsumme bei niedrigeren Zinsen


Ein charakteristisches Merkmal von Warshs Ansatz ist seine Überzeugung, dass die Bilanzsumme der Fed weit über das für eine wirksame Geldpolitik erforderliche Maß angewachsen ist. Er kritisiert seit langem die Ausweitung der Vermögensbestände nach der globalen Finanzkrise und hat sich für eine erneute Reduzierung der Bilanzsumme ausgesprochen. Im Gegensatz zu früheren Debatten über das „Tapering“ verbindet Warsh diese Verringerung jedoch ausdrücklich mit einer möglichen Senkung der Leitzinsen und argumentiert, dass die Beseitigung der durch ein überdimensioniertes Portfolio verursachten Verzerrungen wieder Raum für konventionelle Zinssenkungen schaffen kann, ohne die Finanzstabilität zu gefährden.

Diese Kombination aus einer kleineren Bilanz und niedrigeren Zinsen stellt die erste größere Veränderung im theoretischen Regelwerk der Fed dar, auch wenn sie operativ nur schrittweise umgesetzt wird.

Neue Dynamik zwischen Fed und Treasury


Warsh dürfte es auch leichter fallen, in Fragen wie Staatsverschuldung und Möglichkeiten zur Senkung der staatlichen Zinsausgaben ohne Beeinträchtigung der Märkte eng mit dem Finanzministerium zusammenzuarbeiten. Zwar ist dies keine Rückkehr zur Ära des Abkommens von 1951, doch erwartet der Markt eine besser koordinierte, wenngleich nicht untergeordnete Beziehung zwischen den Institutionen. Eine solche Zusammenarbeit könnte dazu beitragen, den Bilanzabbau zu erleichtern und gleichzeitig Störungen der Hypothekenmärkte und der Liquidität des Finanzministeriums zu minimieren.

Weniger Forward Guidance, mehr Marktvolatilität

Warsh hat deutlich gemacht, dass die starke Abhängigkeit der Fed von Forward Guidance nicht mehr sinnvoll ist. Er dürfte den Umfang und die Spezifität der geldpolitischen Signale reduzieren und die Institution wieder zu einem weniger transparenten, datengestützten Ansatz zurückführen, der an die Zeit vor 2000 erinnert. Wir glauben, dass die Märkte mit größeren Zinsschwankungen rechnen müssen, da Anleger weniger verbale Leitlinien von den geldpolitischen Entscheidungsträgern erhalten und jede Datenveröffentlichung an Bedeutung gewinnt.

Rückkehr der 1990er Jahre: Produktivität, KI und eine Welt mit höherem Wachstum

Eine der eher zukunftsorientierten Ansichten von Warsh ist seine Befürwortung eines „neuen Produktivitätszyklus“, der durch die Verbreitung künstlicher Intelligenz (KI) angetrieben wird. Dies entspricht der These aus der Greenspan-Ära, dass ein höheres Wachstumspotenzial mit einer lockeren Geldpolitik und einer gedämpften Inflation einhergehen kann. Wenn Warsh die aktuellen Daten unter diesem Gesichtspunkt interpretiert, könnte er bereit sein, die Zinsen trotz solider BIP-Zahlen zu senken und argumentieren, dass die steigende Produktivität den Inflationsdruck ausgleicht.

Dieser Ansatz bietet eine philosophische Begründung für eine Lockerung in einem Umfeld starken Wachstums. Kritiker warnen jedoch davor, dass dies die Gefahr birgt, den Fehler der späten 1990er Jahre zu wiederholen, als man hinter der Zinskurve zurückblieb, weil sich die Produktivitätsaussichten als überbewertet erwiesen.

Unabhängigkeit geht vor – selbst wenn dies das Weiße Haus verärgert


Obwohl Warsh mit einigen politischen Präferenzen der Regierung übereinstimmt, betont er seit langem die institutionelle Unabhängigkeit. Es ist unwahrscheinlich, dass er politisch loyal bleibt, sollten die Daten ihm eine andere Richtung weisen. Seine bisherige Bereitschaft, bei politischen Meinungsverschiedenheiten zu widersprechen und sogar die Fed zu verlassen, unterstreicht diese Unabhängigkeit.

Bedeutung für die Märkte

Die Marktreaktion über die gesamte Zinsstrukturkurve hinweg spiegelt die Dualität von Warshs Haltung wider:
- Die Renditen am kurzen Ende sinken aufgrund der Erwartung, dass Zinsen früher als bisher angenommen gesenkt werden könnten.
- Die Renditen längerfristiger Anleihen steigen, da Anleger von einer geringeren Bereitschaft ausgehen, die Bilanz zur Unterdrückung von Laufzeitprämien einzusetzen, was zu einer steileren Zinsstrukturkurve führt.
- Die Zinsvolatilität dürfte zunehmen, da es weniger Forward Guidance gibt und weiterhin Unsicherheit über das Zusammenspiel zwischen Bilanzpolitik und Zinsentscheidungen herrscht.

Fazit: Kevin Warsh vereint in ungewöhnlicher Weise eine hawkische Haltung, Offenheit für Innovationen und tiefen Respekt für die Unabhängigkeit der Fed. Seine Nominierung lässt auf eine Geldpolitik schließen, die bei den Zinssätzen flexibler ist, die Bilanz disziplinierter steuert, sich in der Forward Guidance zurückhält und von einem durch KI geprägten Narrativ struktureller Produktivitätsgewinne beeinflusst wird.

Wir glauben, dass sich die Märkte auf eine Fed einstellen sollten, die gleichzeitig unberechenbarer und orthodoxer ist – eine Kombination, die eine echte Veränderung in der geldpolitischen Landschaft nach der Krise darstellt.

 

Veröffentlicht am: 04.02.2026

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