
Angesichts des robusten Wachstums in der Eurozone und einer Inflationsrate, die sich in der Nähe des Zwei-Prozent-Ziels bewegt, gibt es für die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit keinen Grund, ihre Geldpolitik zu ändern.
Die Währungshüter aus Frankfurt werden den Einlagesatz daher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am 5. Februar bei 2,0 Prozent belassen. Lediglich der gegenüber dem US-Dollar weiter erstarkte Euro wird etwas Würze in die ansonsten wintergraue EZB-Sitzung bringen.
Vergangene Woche stieg der Euro-Dollar-Wechselkurs zum ersten Mal seit Juni 2021 kurzzeitig über die Marke von 1,20. Ein stärkerer Euro verbilligt die Importe und wirkt sich daher dämpfend auf die Inflation in der Eurozone aus. Eine Aufwertung der Gemeinschaftswährung erhöht somit die Gefahr, dass die EZB ihr Inflationsziel von zwei Prozent in diesem Jahr unterschreiten wird.
Es gibt jedoch mehrere Punkte, die dafür sprechen, dass die EZB sich von der bisherigen Wechselkursbewegung nicht aus der Ruhe bringen lassen wird. Zum einen hat der Euro in den letzten Tagen bereits wieder deutlich an Stärke eingebüßt und notiert nun wieder nahezu auf dem gleichen Niveau wie zu Jahresbeginn. Gegenüber den Währungen vieler anderer Handelspartner kam es sogar zu einer leichten Abwertung. Zum anderen ist weniger das absolute Niveau des Wechselkurses entscheidend als vielmehr die Geschwindigkeit seiner Veränderung. Zwar bezeichnete EZB-Vize Luis de Guindos im Sommer 2025 einen Euro-Kurs von 1,20 zum Dollar als kritische Marke, doch mittlerweile hat sich diese wohl etwas nach oben verschoben.
Derzeit besteht für die EZB also kein Handlungsbedarf. Lediglich eine deutliche weitere Aufwertung des Euros in den kommenden Wochen könnte dazu führen, dass die EZB in ihrer März-Sitzung beginnt, über eine weitere Zinssenkung nachzudenken. Dafür gibt es derzeit aber keine Anzeichen.