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Dienstag, 10. März 2026
   
 

Investieren im Bärenmarkt: Was Daten und Kapitalflüsse über die aktuelle Phase verraten

Ein Marktkommentar von Johanna Belitz, Head of Nordics beim Krypto-ETP-Emittenten Valour



Der aktuelle Bärenmarkt im Kryptosektor wirkt auf den ersten Blick dramatisch, seit dem Hoch bei 124.824 US-Dollar befindet sich Bitcoin in einer Korrektur von rund 49 Prozent. Damit liegt der Rückgang im oberen Bereich früherer Drawdowns.

Die derzeitige Entwicklung fügt sich jedoch historisch in ein vertrautes Muster ein: Eine systematische Auswertung von mehr als 5.500 täglichen Kursdaten seit 2011 zeigt, dass Bitcoin insgesamt 92 Drawdown-Phasen durchlaufen hat, von denen sechs die Marke von minus 50 Prozent erreichten.

Diese Regelmäßigkeit der Kursrückschläge als auch die vergleichsweise geringe Volatilität deuten derzeit eher auf eine geordnete Korrektur hin als auf ein Panikereignis. Wobei makroökonomische Katalysatoren (ETF-Abflüsse, Unsicherheit hinsichtlich der US-Zölle, Liquidationen von Hebelgeschäften) und nicht ein systemisches Versagen die Ursache sind. Aus markthistorischer Perspektive waren es häufig gerade solche geordneten Bereinigungsphasen, in denen langfristig orientierte Investoren ihre Allokation schrittweise ausbauten. Voraussetzung bleibt jedoch ein durchdachtes Risikomanagement.

459 Tage bis zum Allzeithoch?


Eine der wohl wichtigsten Erkenntnisse: Über die vergangenen Zyklen hinweg ist eine graduelle Abschwächung der maximalen Verluste erkennbar. Der Einbruch von 93 Prozent im Jahr 2011 wurde im Zyklus 2013–2015 bereits auf minus 85 Prozent begrenzt, 2017–2018 auf minus 84 Prozent und 2021–2022 auf minus 77 Prozent. Diese Entwicklung spricht für eine zunehmende Marktbreite, höhere Liquiditätstiefe und stärkere institutionelle Beteiligung. Je größer die Marktkapitalisierung, desto mehr Kapital ist notwendig, um vergleichbare prozentuale Bewegungen auszulösen. Extreme Ausschläge werden unwahrscheinlicher, was auf eine zunehmende Reife der Asset-Klasse hindeutet.

Auch ein Blick auf historische Erholungsphasen relativiert die aktuelle Stimmungslage. Nach lokalen Tiefpunkten erfolgte der erste technische Rebound in der Vergangenheit bemerkenswert schnell: Im Median dauerte es lediglich sechs Tage, bis Bitcoin um 25 Prozent zulegte. Die Verdopplung vom Tiefpunkt aus benötigte im Schnitt 124 Tage, während die vollständige Rückkehr zum vorherigen Allzeithoch rund 459 Tage in Anspruch nahm. Ob der Boden in der jetzigen Korrektur schon erreicht ist, wird sich noch zeigen müssen. Immerhin hat die Kryptowährung nach ihrem kurzzeitigen Einbruch auf knapp 60.000 USD Anfang Februar innerhalb kürzester Zeit um 20 % zugelegt. Sollte bald eine Preiserholung einsetzen, dürfte sie sich ebenfalls nach historischem Muster vollziehen: Nach einer initialen Gegenbewegung ist der Weg zurück zum Hoch lang und von Konsolidierungsphasen geprägt.

Die richtige Strategie für den Bärenmarkt: Rendite vs. Risiko


Für Investoren gewinnt damit vor allem eine Frage an Bedeutung: Wie investiert man rational im Bärenmarkt? Historische Rückvergleiche zeigen, dass Einmalinvestitionen langfristig in der Mehrzahl der Fälle höhere Renditen erzielten, da das Kapital sofort vollständig dem Markt ausgesetzt ist. Gleichzeitig reduzierte ein systematisches Dollar-Cost-Averaging (DCA), also das Kaufen über längere Zeiträume hinweg, in Bärenphasen die Verlustwahrscheinlichkeit signifikant und senkte den maximalen Drawdown im Durchschnitt um rund 20 Prozentpunkte.

DCA wirkt somit weniger als Renditeoptimierer, sondern als Risikopuffer. Der Vorteil entsteht jedoch nur, wenn Anleger diszipliniert bleiben. Untersuchungen zeigen, dass nur ein kleiner Teil der Investoren ihre regelmäßigen Investitionen konsequent fortführt, wenn Kurse fallen. Gerade im Bärenmarkt entscheidet daher weniger das Timing als die Konsistenz der Strategie.

Spot-ETFs beschleunigen die Markterholung

Ein weiterer Aspekt, der im institutionellen Marktumfeld zunehmend an Bedeutung gewinnt, sind Kapitalflüsse. Inflows und Outflows – insbesondere bei börsengehandelten Spot-Produkten – haben sich zu einem zentralen Frühindikator entwickelt. Während frühere Zyklen primär durch Retail-Trading und Börsenliquidität geprägt waren, spielen heute ETF-Zuflüsse, Corporate-Treasury-Strategien und institutionelle Allokationen eine strukturelle Rolle. Der Zyklus 2022–2024 zeigte eindrucksvoll, wie stark Spot-ETF-Zulassungen die Nachfragekurve verändern können: Rund 54 Milliarden US-Dollar an Nettozuflüssen beschleunigten die Erholung im Bärenmarkt deutlich, Bitcoin war bereits nach 16 Monaten wieder auf seinem alten Allzeithoch.

Umgekehrt verstärken Outflows in Korrekturphasen den Verkaufsdruck. Kapitalabflüsse wirken dabei nicht nur als Liquiditätsentzug, sondern auch als psychologisches Signal. Sie zeigen, ob institutionelle Investoren Positionen reduzieren oder aufbauen. Für Anleger sind diese Flüsse daher mehr als reine Statistik, vielmehr zeigen sie den Grad an institutioneller Nachfrage. Während kurzfristige Kursbewegungen häufig von Derivatemärkten und Liquidationen getrieben werden, spiegeln anhaltende Nettozuflüsse häufig eine längerfristige Kapitalbindung wider.

Jetziger Zyklus passt in altbekanntes Muster


Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der klassische Bitcoin-Vierjahreszyklus weiterhin Gültigkeit besitzt. Der klassische Bitcoin-Zyklus ist eng mit dem sogenannten „Halving“ verknüpft, der etwa alle vier Jahre stattfindenden Halbierung der Blockbelohnung für Miner. Dieser Mechanismus war in der Vergangenheit regelmäßiger Auslöser für deutliche Preisrallyes und Korrekturen. Historisch folgten auf Halving-Ereignisse ausgeprägte Aufwärtsphasen, die regelmäßig in Korrekturen zwischen 40 und 70 Prozent mündeten.

Die vergangenen beiden vollständigen Zyklen – also das Halving in 2016 und 2020 – folgten einem nahezu identischen Muster. Der Post-Halving-Bullrun dauerte jeweils rund 17 bis 18 Monate, bevor er in eine scharfe Korrektur überging. Diese Rückgänge waren begleitet von einem Bärenmarkt, der sich über 12 bis 14 Monate erstreckte. Im aktuellen Zyklus – das Halving fand Ende April 2024 statt – befinden wir uns etwa 23 Monate nach diesem wichtigen Ereignis. Der Bullenmarkt reichte etwa 19 Monate bis Oktober 2025 und liegt damit im Rahmen der vergangenen Zyklen. Da wir uns seit vier Monaten im Abwärtstrend befinden, könnte der Bärenmarkt unter dem Aspekt dieser Zyklus-These noch acht bis zehn Monate andauern.

Korrektur bislang historisch nicht außergewöhnlich

Es zeigt sich, dass der aktuelle Bärenmarkt trotz seines Ausmaßes historisch keineswegs außergewöhnlich ist. Weder die Größenordnung des Drawdowns noch die Dauer der bisherigen Korrektur fallen aus dem Rahmen früherer Zyklen. Vielmehr deutet vieles auf eine geordnete Konsolidierung innerhalb eines reifenden Marktes hin. Die Kombination aus institutionellen Kapitalflüssen und moderaterer Volatilität sprechen ebenfalls für diese Betrachtung. Rückschläge bleiben wahrscheinlich, verlaufen jedoch geordneter und stärker makroökonomisch eingebettet als in den Frühphasen des Marktes.

Für Investoren bedeutet das: Entscheidend ist weniger, ob es Korrekturen gibt, sondern wie man ihnen begegnet. Historisch betrachtet entstanden attraktive langfristige Einstiegsniveaus häufig in Phasen erhöhter Unsicherheit, in denen Marktteilnehmer zögerten. Wer Zyklen als wiederkehrendes Phänomen begreift, kann Bärenmärkte nicht nur als Risikophase betrachten, sondern auch zur Akkumulation nutzen. Das setzt allerdings voraus, dass Allokation und Risikotragfähigkeit klar definiert sind.

 

Veröffentlicht am: 10.03.2026

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