
Seit der letzten Zinssenkung im Juni 2025 wird die Europäische Zentralbank (EZB) voraussichtlich zum sechsten Mal in Folge ihren Einlagensatz bei 2 % belassen.
Trotz des Konflikts im Nahen Osten, der Risiken einer steigenden Inflation und einer Konjunkturabschwächung mit sich bringt, dürfte die EZB ihre Geldpolitik kurzfristig nicht anpassen. Das Ausmaß und die Dauer des Angebotsschocks im Zusammenhang mit den beispiellosen Beeinträchtigungen in der Straße von Hormus sind nach wie vor zu ungewiss, um eine sofortige Reaktion zu rechtfertigen. Dennoch wird die Notenbank die potenziellen Auswirkungen, insbesondere auf die Inflationserwartungen und die Zweitrundeneffekte, weiterhin genau beobachten.
Unsere Erwartungen
- Der EZB-Rat dürfte die Zinsen einstimmig unverändert beibehalten und den Einlagensatz bei 2 % belassen.
- Angesichts der beispiellosen Beeinträchtigungen in der Straße von Hormus wird Christine Lagarde voraussichtlich erneut betonen, dass die Aussichten weiterhin höchst ungewiss sind. Steigende Energiepreise und Versorgungsengpässe dürften zu einer Abwärtskorrektur des Wachstums für 2026 führen (im Vergleich zu 1,2 % in den Dezember-Prognosen). Sie dürfte jedoch die Widerstandsfähigkeit der europäischen Wirtschaft gegenüber externen Schocks betonen.
- Bezüglich der Inflation dürfte das Dezember-Szenario, das einen vorübergehenden Rückgang mit anschließender Rückkehr auf 2 % im Jahr 2028 prognostizierte, für 2026 angesichts des jüngsten Anstiegs der Energiepreise deutlich nach oben korrigiert werden – selbst wenn davon auszugehen ist, dass die nachlassende Nachfrage die Auswirkungen teilweise ausgleichen wird.
Zusammenfassend
Durch die Beibehaltung des Status quo dürfte die EZB ihre Kommunikationsgrundsätze bekräftigen: datenabhängige Entscheidungen, ein Ansatz, der sich von Sitzung zu Sitzung ergibt, und keine vorzeitigen Festlegungen hinsichtlich der künftigen Zinsentwicklung. Es wird erwartet, dass Christine Lagarde die Flexibilität hervorhebt, über die die EZB bei Zinssätzen nahe dem neutralen Niveau verfügt, um ihre Geldpolitik bei Bedarf anzupassen. Letztendlich sollte der Ton hinsichtlich der Inflation entschlossen bleiben. Die EZB dürfte ihre Bereitschaft bekräftigen, dafür zu sorgen, dass sich der Energieschock nicht in anhaltenden Preisdruck oder Zweitrundeneffekte niederschlägt.