
Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagenzins bei 2,0 Prozent belassen und auch ihre geldpolitische Kommunikation (Datenabhängigkeit, keine Vorfestlegung auf einen geldpolitischen Kurs) nicht verändert. Die Entscheidung fiel einstimmig.
Wichtiger ist jedoch, dass die EZB in ihren Projektionen zu Wachstum und Inflation bereits die ersten Effekte des Energiepreisanstiegs berücksichtigt hat. So hat sich der kurz- und mittelfristige Inflationsausblick deutlich verschlechtert. Auch die Projektionen zur Kernrate wurden angehoben. Die negativen konjunkturellen Effekte für das BIP-Wachstum konzentrieren sich dagegen hauptsächlich auf das Jahr 2026. Vor diesem Hintergrund hat sich auch die Risikoeinschätzung geändert. Die Gefahren einer höheren Inflation sind aktuell deutlich größer als die Abwärtsrisiken für die Konjunktur. Angesichts der hohen Unsicherheit über die Auswirkungen des Energiepreisschocks bleibt die Datenabhängigkeit hoch. In diesem Zusammenhang nannte sie eine Reihe von Indikatoren (zum Beispiel Rohstoffpreise, Preiserwartungen der Unternehmen, Lohnsteigerungen), die genau beobachtet werden.
Die Märkte preisen bereits Zinserhöhungen der EZB in den nächsten Monaten ein. Ob die EZB durch den „Energiepreisschock“ hindurchsehen kann oder ob sie auf steigende Inflationserwartungen reagieren muss, hängt von der Dauer des Krieges und dem Risiko von Zweitrundeneffekten ab. Eine weiterhin abwartende Haltung ist dabei wohl die derzeit beste Option.