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Samstag, 28. März 2026
   
 

DWS Chart der Woche: Gold im Stresstest

Wie sich das Edelmetall in unterschiedlichen Marktphasen relativ zum S&P 500 bewegt



Die durch den Iran-Krieg ausgelösten Marktturbulenzen werfen erneut Fragen zur Rolle von Gold als kurzfristigem sicheren Hafen auf. Trotz erhöhter geopolitischer Spannungen, die zu Kurseinbrüchen an den Aktien- und Anleihenmärkten geführt haben, geriet der Goldpreis zuletzt spürbar unter Druck.

Zwar hatte das gelbe Edelmetall in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahrs bereits um rund 25 Prozent zugelegt, so dass die Notierungen seit Jahresanfang noch im Plus liegen. Doch ist unseres Erachtens erwähnenswert, dass seit Kriegsausbruch der Goldpreis ebenso gelitten hat wie andere Anlagenklassen, was seinem traditionellen Bild als „Krisenschutz“ widerspricht.

Ausnahme oder Regel? Um diese Frage beantworten zu können, lohnt sich ein Blick auf den Kursverlauf von Gold und Aktien in verschiedenen Marktphasen. Ob sich zwei Anlageklassen eher gleich- oder gegenläufig entwickeln, lässt sich mit der Korrelation messen: Ein Wert von +1 bedeutet, dass beide Anlagen in die gleiche Richtung laufen. Ein Wert von 0 steht für keinen messbaren Zusammenhang, während ein Wert von -1 bedeutet, dass sich beide Anlagen genau konträr zueinander bewegen. Für eine Anlageklasse, die als sicherer Hafen gelten soll, wäre eine niedrige oder negative Korrelation besonders in starken Aktienverlustphasen wünschenswert.

Der Chart der Woche zeigt die Korrelation zwischen den Tagesrenditen von Gold und dem S&P 500 in unterschiedlichen Marktphasen, eingeteilt einerseits in die Höhe der Tagesrendite des S&P 500 und andererseits in zwei verschiedene Zeitperioden. Wir erkennen, dass in der Periode von 1975 bis 2016 Gold insgesamt nur wenig mit den Aktienmarktbewegungen korrelierte. Und Gold gewann in der Regel an Wert, wenn es mit Aktien richtig bergab ging (ein Tagesverlust von über 2,5 Prozent), mit einem beobachteten negativen Korrelationswert von 0,13. Seit 2016 zeigt sich jedoch ein anderes Muster: eine positive Korrelation an Tagen mit deutlichen Verlusten am Aktienmarkt. Anders gesagt: Ausgerechnet in Phasen, in denen ein sicherer Hafen Stabilität liefern sollte, bewegte sich Gold meist in die gleiche Richtung wie Aktien. Dieser Gleichlauf war aber auch an stark positiven Markttagen zu beobachten, so dass „diversifizierte“ Anleger dann doppelt profitierten.

Wie ist dieses Phänomen zu erklären? Warum flüchten die Aktienanleger anscheinend nicht ins vermeintlich sichere Gold, wenn der (Aktien-) Markt hohe Verluste markiert? In erster Linie handelt es sich, im Vergleich zum Aktien- oder Anleihenmarkt, um ein engeres, illiquideres Marktsegment. Zudem ist es stärker von passiver Nachfrage geprägt (etwa über ETCs oder regelbasierte Strategien). Mit der weitgehenden Abschaffung des Eigenhandels der Banken und Broker ist dem Markt ein wichtiger Schockabsorber verloren gegangen. In der Vergangenheit handelten diese Institutionen aktiv mit eigenem Kapital und trugen dazu bei, Marktschwankungen abzufedern; viele von ihnen haben sich inzwischen zurückgezogen. Gleichzeitig hat der Anteil passiver Anleger zugenommen, die Marktbewegungen eher verstärken als abfedern. Hinzu kommen Investoren, die mit festen Risikobudgets oder gehebelten Positionen arbeiten und bei Margin Calls kurzfristig Liquidität benötigen. Kurzum: Wenn es in einer Anlageklasse außergewöhnlich stark abwärtsgeht, müssen sich Anleger dort Kasse verschaffen, wo sie schnell liquidieren können und/oder wo sie auf Gewinnen sitzen – wie bei Gold.

Wir reden hier ausdrücklich von Tagesbewegungen. Wie Gold über längere Zeiträume mit anderen Anlageklassen korreliert und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen, steht auf einem anderen Blatt. Kurzfristig hat Gold durchaus noch diversifizierende Effekte - etwa im Umfeld des „Liberation Day“ im April 2025 oder dem Ukrainekrieg 2022 und während der Corona-Pandemie. Auffällig ist zudem, dass zuletzt auch Mittelabflüsse aus eher taktischen Investments, etwa von Retail-Anlegern oder manchen Vermögensverwaltern, den Goldmarkt belastet haben. Gold bleibt aus unserer Sicht ein wertvoller Diversifikator, doch seine Qualifikation als „sicherer Hafen“ variiert je nach Zeitraum und Ereignis - und verlangt daher eine fortlaufende, aktuelle Neubewertung statt blindem Vertrauen.

 

Veröffentlicht am: 28.03.2026

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