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Mittwoch, 15. Juli 2026
   
 

Inflation: Schwellenländer mit mehr geldpolitischer Disziplin und größerem Handlungsspielraum

... von Melanie Aimer, Chief Commercial Officer bei Finance in Motion



Höhere Rohstoffpreise infolge der Unsicherheiten rund um den Irankonflikt lassen die globalen Inflationsraten steigen. Doch anders als in früheren Zyklen sind es diesmal nicht die Industrieländer, die bei der Reaktion darauf den Takt vorgeben.

„Vielmehr zeigt sich, dass viele Schwellen- und Frontiermärkte schneller, disziplinierter und teilweise wirksamer auf Inflationsrisiken reagieren als zahlreiche etablierte Volkswirtschaften“, sagt Melanie Aimer, Chief Commercial Officer bei Finance in Motion.

Viele Schwellenländer sind heute keine Nachzügler mehr. Sie verfügen über eingespielte institutionelle Reflexe und reagieren häufig früher auf Inflationsrisiken als viele Industrieländer. Diese Entwicklung kommt nicht überraschend. Während zahlreiche Zentralbanken in Europa und Nordamerika in der vergangenen Inflationsphase lange darüber diskutierten, ob der Preisauftrieb lediglich vorübergehend sei, handelten viele Zentralbanken in den Zielmärkten von Finance in Motion frühzeitig und konsequent. Sie erhöhten die Leitzinsen früher und in größerem Umfang, begrenzten Zweitrundeneffekte und signalisierten den Märkten, dass ausufernde Inflation bekämpft werden wird.

Diese Erfahrung zahlt sich nun aus. Viele Zielmärkte von Finance in Motion starten aus einer deutlich besseren Ausgangslage in die neue Phase steigender Rohstoffpreise als noch vor wenigen Jahren. Die Inflation bewegt sich vielerorts in der Nähe der Zielwerte der Zentralbanken oder liegt bereits darunter. Gleichzeitig bleiben die Realzinsen positiv. Die Geldpolitik ist damit weiterhin restriktiv und verschafft den Währungshütern zusätzlichen Handlungsspielraum. Viele Zentralbanken müssen heute nicht mehr hinter der Inflation herlaufen. Sie können ihre Maßnahmen aus einer Position der Stärke heraus kalibrieren.

Besonders deutlich wird dies in Ländern wie Georgien und Moldau, deren Zentralbanken bereits auf neue Inflationsrisiken reagiert haben. Auch andere Länder haben signalisiert, dass sie bereitstehen, um gegen erneuten Preisauftrieb vorzugehen. Dass diese Märkte schneller reagieren, ist kein Zufall, sondern Ergebnis historischer Erfahrungen. Viele Schwellenländer haben wiederholt Phasen hoher Inflation, Währungskrisen und Kapitalabflüsse erlebt. Dadurch ist das Bewusstsein für die Geschwindigkeit gewachsen, mit der externe Schocks auf die Binnenwirtschaft übergreifen können. Steigende Energiepreise, höhere Importkosten oder eine Abwertung der eigenen Währung wirken dort häufig schneller auf die Verbraucherpreise als in Industrieländern. Entsprechend geringer ist die Bereitschaft, Risiken zu unterschätzen oder politische Entscheidungen aufzuschieben.

Schwellenländer haben gelernt, dass Inflation nicht von allein verschwindet. Diese Erfahrung hat zu einer höheren geldpolitischen Disziplin geführt. Damit verändert sich auch die Wahrnehmung dieser Märkte. Noch immer werden Schwellenländer häufig als besonders anfällig für globale Krisen betrachtet. Dieses Bild greift jedoch zunehmend zu kurz. In vielen Fällen entwickeln sich die institutionellen Rahmenbedingungen schneller weiter als in den Industrieländern. Das bedeutet nicht, dass die Risiken geringer geworden sind. Rohstoffpreisschocks treffen diese Volkswirtschaften weiterhin empfindlich. Lebensmittel und Energie machen dort häufig einen größeren Anteil der Haushaltsausgaben aus. Genau diese Verwundbarkeit kann jedoch zu einer höheren Reaktionsgeschwindigkeit führen.

Für Investoren ist das ein wichtiges Signal. Die Stabilität vieler Schwellen- und Frontiermärkte beruht heute nicht mehr ausschließlich auf konjunkturellen Faktoren oder günstigen Rohstoffzyklen. Sie basiert zunehmend auf institutioneller Glaubwürdigkeit. „Wir beobachten einen strukturellen Wandel“, sagt Aimer. „In einer volatileren Welt sind es nicht automatisch die Industrieländer, die die höchste geldpolitische Disziplin aufweisen. In vielen Fällen liefern Schwellenländer inzwischen eine Blaupause dafür, wie entschlossenes makroökonomisches Management aussehen kann.“

Die aktuelle Inflationsphase könnte diese Entwicklung weiter verstärken. Sollten die Rohstoffpreise länger hoch bleiben, dürfte sich erneut zeigen, welche Zentralbanken frühzeitig handeln und welche Gefahr laufen, hinter die Entwicklung zurückzufallen. Die vergangenen Jahre haben insofern eine wichtige Erkenntnis geliefert: Wer Inflation früh bekämpft, schafft sich später mehr Handlungsspielraum. Viele Schwellen- und Frontiermärkte haben diese Lektion verinnerlicht und könnten den Industriestaaten auch in der aktuellen Phase einen Schritt voraus sein.

 

Veröffentlicht am: 14.07.2026

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