^

 

 Suche  | Sitemap  | Mediadaten  | Kontakt  | Impressum  | Datenschutz
       
Samstag, 18. Juli 2026
   
 

Chart der Woche: Die andere Bilanz Macros

Politisch kommt Frankreich nicht zur Ruhe. Doch in der Industrie hinterlässt Macron ein wettbewerbsfähigeres Land, als er übernommen hat



„Non, je ne regrette rien“ wäre selbst für Emmanuel Macron ein etwas vollmundiger Abgesang. Mit eigenen Fehlern beschäftigt sich Frankreichs Präsident bekanntlich ungern. 


Vor der Präsidentschaftswahl 2027 wächst an den Märkten die Nervosität. Edith Piafs Klassiker erinnert jedoch an eine einfache Wahrheit: Ein Neuanfang bei null ist leichter besungen als vollbracht. Das dürfte auch Macrons Nachfolger erfahren.

Unser „Chart der Woche“ zeigt die Lohnstückkosten im verarbeitenden Gewerbe seit 1999. Sie setzen die Vergütung der Beschäftigten ins Verhältnis zu ihrer Produktion. Ein geringerer Anstieg stärkt daher tendenziell die Kostenposition der Unternehmen. Als Macron 2017 sein Amt antrat, lagen die französischen Lohnstückkosten in der Industrie noch ungefähr auf dem Niveau von 1999. Abgesehen von einem Ausschlag während der Pandemie entwickelten sie sich auch in den jüngsten Inflationsschüben bemerkenswert moderat. Nach den aktuellsten Daten für 2026 lagen sie nur rund 12 Prozent über dem Durchschnitt von 1999. In Deutschland betrug der Anstieg etwa 26 Prozent, in Spanien 44 Prozent und in Italien 61 Prozent.1)​

Macron kann sich diesen Erfolg nicht allein zuschreiben. Schon lange vor seiner Wahl war die Vergütung im Verhältnis zur Produktivität nur moderat gestiegen. Das stärkte die Kostenposition französischer Hersteller gegenüber vielen Wettbewerbern und war zuletzt leicht zu übersehen. Wenn die Kosten fast überall steigen, fällt ein vergleichsweise geringer Anstieg weniger auf. Zudem bildet die Grafik nur einen Teil der Wirtschaft ab. Dienstleistungen tragen weit mehr zur französischen Wertschöpfung bei. Über Produktqualität, Energiepreise oder Gewinnmargen sagen Lohnstückkosten unmittelbar nichts aus.

Dennoch ist die längerfristige Entwicklung bemerkenswert. Arbeitsmarktreformen erleichterten Einstellungen und Entlassungen. Die Unternehmenssteuern sanken. Macrons Rentenreform von 2023 sollte ältere Menschen länger im Erwerbsleben halten. Ihre weitere Umsetzung wurde inzwischen jedoch bis nach der Präsidentschaftswahl 2027 ausgesetzt. Bis 2024 waren Beschäftigung und Unternehmensgründungen deutlich gestiegen. Zugleich hatte Paris seine Stellung als Standort für Technologie und Finanzdienstleistungen ausgebaut.2)​

„Frankreichs Industrie hat ihre Kostenposition weit besser behauptet, als es die politische Debatte vermuten lässt“, sagt Ulrike Kastens, Senior Economist im Bereich Macro Research bei DWS. „Wer das nächste politische Kapitel Frankreichs beurteilt, sollte das wettbewerbsfähige Fundament nicht übersehen, das Macrons Nachfolger übernehmen wird.“ Macrons Nachfolger erbt Fortschritte ebenso wie ungelöste Konflikte. Doch die politischen Sorgen sollten den Blick auf die wirtschaftlichen Fortschritte nicht verstellen.

1) Die Lohnstückkosten der einzelnen Länder sind streng genommen nicht vollständig vergleichbar. Das gilt besonders für kurze Zeiträume, da die nationalen Reihen unterschiedlich saison- und arbeitstäglich bereinigt werden. Deshalb setzen wir die Werte jeweils zum Jahresdurchschnitt 1999 ins Verhältnis und nicht zu einem einzelnen Quartal. Die zugrunde liegenden Daten zu den Lohnstückkosten im verarbeitenden Gewerbe stammen aus dem volkswirtschaftlichen Datenrahmen der Europäischen Zentralbank.
2) Siehe beispielsweise: The Economist, 27. Juni 2024, „The centre cannot hold: Macron has done well by France. But he risks throwing it all away.“

 

Veröffentlicht am: 18.07.2026

AusdruckenArtikel drucken

LesenzeichenLesezeichen speichern

FeedbackMit uns Kontakt aufnehmen

FacebookTeile diesen Beitrag auf Facebook

Nächsten Artikel lesen

Vorherigen Artikel lesen

 

Neu:


 

 

 

 

Werbung

Werbung

 

 

 

Werbung

             

 

Besuchen Sie auch diese Seiten in unserem Netzwerk:
| Börsen-Lexikon
| Fotograf Fotomensch Berlin
| Geld & Genuss
| gentleman today
| genussmaenner.de
| geniesserinnen.de
| instock.de
| marketingmensch | Agentur für Marketing, Werbung & Internet
| Unter der Lupe

© 2026 by frauenfinanzseite.de, Groß-Schacksdorf. Alle Rechte vorbehalten.