
Nach der Zinserhöhung im Juni hat die EZB die Leitzinsen heute unverändert gelassen, die Tür für eine weitere Anhebung des Einlagensatzes im September aber weit geöffnet.
Die Risiken für die weitere Inflationsentwicklung sind nach wie vor aufwärtsgerichtet, zumal die Auswirkungen des Energiepreisschocks auf die Inflation noch nicht vollständig zum Tragen gekommen sind. Allerdings erwartet die Notenbank aktuell auch keine Zweitrundeneffekte durch steigende Löhne. Auch die meisten Maße der Inflationserwartungen liegen bei rund 2 Prozent und damit auf dem Inflationsziel der Notenbank.
Zwar wurde die Entscheidung, die Leitzinsen unverändert zu lassen, einstimmig getroffen. Einige EZB-Ratsmitglieder hätten jedoch auch eine Zinserhöhung ins Auge gefasst. Auf Rückfrage wollte die EZB-Präsidentin Lagarde dies jedoch nicht als Vorfestlegung auf eine Zinserhöhung im September verstanden wissen. Sie betonte die Vielzahl an Konjunktur- und Inflationsraten, die bis September veröffentlicht werden und ein klareres Bild der aktuellen wirtschaftlichen Situation geben sollten.
Die aktuelle Volatilität der Energiepreise zeigt jedoch, dass hinsichtlich der Inflationsrisiken weiterhin Wachsamkeit geboten ist. Auf Basis neuer Projektionen rechnen wir im September daher mit einer weiteren Zinserhöhung auf 2,50 Prozent.