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Donnerstag, 27. August 2026
   
 

Macau-Syndrom an den Märkten: Chancen für Value-Investoren

... von Yann Giordmaina, Leiter des Value-Bereichs und Fondsmanager bei LFDE



Im Leben, so heißt es oft, gibt es nur zwei Gewissheiten: den Tod und die Steuern. An den Aktienmärkten wiederum führt kein Weg am Wechselspiel von Gier und Angst vorbei.

Anfang 2026 war an den Aktienmärkten eine „Dislokation“ zu beobachten: Statistische Zusammenhänge funktionierten plötzlich nicht mehr wie gewohnt. Ende Januar fiel besonders das Handelsmuster von ASML auf. Es war ein Symptom für tiefgreifende Veränderungen an den Märkten. Wenn der größte europäische Börsenwert innerhalb von drei aufeinanderfolgenden Handelstagen Kursschwankungen von plus 5, minus 9, plus 6 und minus 6 Prozent verzeichnet, liegt die Vermutung nahe, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

„Macau-Syndrom“ an den Märkten


Die Volatilität gilt üblicherweise als verlässliches Barometer für die Stimmung an den Märkten. Angesichts der inzwischen weiten Verbreitung systematischer Strategien mit integrierter Volatilitätssteuerung und gehebelter ETFs stellt sich jedoch die Frage, ob das noch uneingeschränkt gilt. Das Gamma-Exposure der Banken – also die Sensitivität ihrer Optionspositionen gegenüber Kursbewegungen und der daraus entstehende Absicherungsbedarf – hat ein bislang nicht gekanntes Ausmaß erreicht. Die Institute gehen dabei sehr professionell vor und messen sowie überwachen ihre Risiken genau. Dennoch gibt ihnen die Entwicklung Rätsel auf. US-Privatanleger standen zunächst im Zentrum dieses Trends, zuletzt rückte aber auch der südkoreanische Aktienmarkt in diesem Zusammenhang verstärkt in den Fokus.

Die zu Jahresbeginn beschriebene Dislokation hat sich in den vergangenen sechs Monaten zu einem Phänomen entwickelt, das ich als „Macau-Syndrom“ bezeichnen würde – als Anspielung auf ein zunehmend von Spekulation und glücksspielähnlichem Verhalten geprägtes Marktumfeld. Mitte Juni könnte diese Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht haben, als SpaceX bei mehr als 200 US-Dollar schloss.

Die Stunde für antizyklische Value-Investoren

Als Value-Investoren mit einem antizyklischen Ansatz sind wir überzeugt, von solchen außergewöhnlichen Marktphasen profitieren zu können. Die menschliche Natur verändert sich nicht. Unabhängig davon, welche Finanzinstrumente und Anlagetechniken zum Einsatz kommen, bestimmen Gier und Angst die Kapitalströme. Der Zeithorizont der Börse entspricht nicht dem eines Unternehmens. Bemerkenswerterweise scheint die Bewertung wieder eine Rolle zu spielen. Freundliche und feindliche Übernahmeangebote, Fusionen und Akquisitionen sowie Abspaltungen haben zuletzt zugenommen – insbesondere am britischen Aktienmarkt.

Das Jahr 2026 stellt die Robustheit und Konsistenz aktiver Investmentprozesse bislang auf eine aussagekräftige Probe. In einem solchen Umfeld kann ein disziplinierter Value-Ansatz dabei helfen, Chancen zu identifizieren und zugleich eine langfristige Perspektive zu wahren. Kennzahlen wie die Sortino Ratio, die Hit Rate und das Gewinn-Verlust-Verhältnis können wichtige Hinweise darauf geben, wie verlässlich ein Investmentprozess unter unterschiedlichen Marktbedingungen funktioniert.

 

Veröffentlicht am: 27.08.2026

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