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Sonntag, 14. Juli 2024
   
 

Mumm Briefing zum Wochenausklang

... von Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL



Gemäß der neuesten Schätzungen des Kiel Institut für Weltwirtschaft, dürfte die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr um 0,2 Prozent wachsen.

Insbesondere ab dem dritten Quartal ist mit einer leichten Dynamisierung zu rechnen, die von einem steigender Exportnachfrage und einem anziehenden privaten Konsum getrieben wird. Allerdings bleiben die Unternehmensinvestitionen und die Bautätigkeit vorerst schwach und verhindern einen stärkeren Aufschwung.

Auch in der Eurozone wird sich das Wachstum im Vergleich zum Jahr 2023 beschleunigen, während die US-Wirtschaft in den kommenden Monaten an Dynamik einbüßen wird. Dieser Trend sollte sich im nächsten Jahr fortsetzen, so dass der Wachstumsvorsprung der USA gegenüber Europa sinkt, allerdings immer noch positiv bleiben wird.

Auf den ersten Blick erstaunlich waren die Reaktionen der EZB und der Fed. Während die EZB erstmals seit 2019 eine Leitzinssenkung beschloss, hielt die Fed weiter an dem sogar noch höheren Leitzinsniveau fest. Nimmt man allerdings die der Konjunktur nachlaufenden Inflationsdaten in die Betrachtung auf, werden die Beweggründe der Notenbanker deutlich. Zwar stiegen die Inflationsraten in Deutschland und der Eurozone im Mai auf 2,4 bzw. 2,6 Prozent leicht an. Allerdings dürften sinkende Energie- und Güterpreise in den kommenden Monaten dafür sorgen, dass das Zielniveau der EZB von 2 Prozent in greifbare Nähe rückt. Demgegenüber gab die Preisniveausteigerung in den USA nur leicht auf 3,3 Prozent nach und bleibt somit vom gleichen Ziel noch weit entfernt. Beide Notenbanken kündigten an, etwaige künftige Zinsschritte datenabhängig festzulegen:
- In der Eurozone ist dabei besonders relevant, wie stark die lohnbedingt zuletzt deutlich gestiegenen Preise für Dienstleistungen in den kommenden Monaten zulegen werden.

- In den USA hingegen stellt sich die Frage, ob die derzeit erkennbare konjunkturelle Abkühlung tatsächlich wie gewünscht auf die Preise durchschlägt. Wir rechnen in beiden Regionen mit zumindest nachlassendem Preisdruck und erwarten vonseiten der EZB bis zu drei weitere und von der Fed bis zu zwei Leitzinssenkungen in diesem Jahr.

Die Kapitalmärkte dürften in den kommenden Monaten besonders zinssensitiv bleiben und aufgrund der fehlenden Vorhersehbarkeit der weiteren geldpolitischen Schritte vor allem auf inflationsrelevante Daten sensibel reagieren. Sobald sich in den USA ein nachlassender Teuerungsdruck abzeichnet, dürften Renditen von Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten jedoch nachgeben und wenn auch die Fed tatsächlich die Zinsen erstmals senkt, beschleunigt sinken. Dies dürfte dann im Laufe des zweiten Halbjahrs 2024 nach einem volatileren Sommer auch wieder für steigende Notierungen bei Aktien sorgen. Mittlerweile befinden sich die meisten Standardaktienindizes der Industriestaaten in einer Konsolidierungsphase nachdem bis zum Frühjahr vielfach neue Allzeithochs erreicht wurden.

Eine Ausnahme sind die US-Indizes NASDAQ 100 und S&P 500, die sehr stark von einzelnen Technologieaktien, kurzfristig vor allem Apple, Nvidia und Broadcom, angetrieben wurden und aktuell auf Rekordniveaus notieren. Die Perspektive sinkender Zinsen und einer Konjunkturerholung in Europa bzw. einer nur leichten Abkühlung in den USA sollte jedoch für eine breitere Aufwärtsbewegung sorgen und auch Segmente mitziehen, die sich seit rund zwei Jahren deutlich schlechter entwickelt haben.

In Europa dürften die kommenden Wochen insbesondere auch durch politische Entwicklungen geprägt werden. Neben der Nachbearbeitung der Europawahl und der Bildung einer neuen EU-Kommission sowie einer Themenagenda zur Festlegung wichtiger politischer Rahmenbedingungen für die kommende Legislatur, stehen die Parlamentswahlen in Frankreich und Großbritannien im Fokus. In beiden Fällen könnten die amtierenden Regierungen abgewählt werden und dadurch kurzfristig Verunsicherung über den künftigen politischen Kurs entstehen. Allerdings resultiert daraus auch die Chance, für die kommenden Jahre wichtige Richtungsentscheidungen zu treffen. Denn unabhängig von der Konstellation nationaler Regierungen, müssen sich die europäischen Staaten zusammenraufen und enger kooperieren – idealerweise auch mit Großbritannien, um wesentliche, nur gemeinsam sinnvoll voranzubringende Initiativen loszutreten. Besonders relevante Aspekte sind Sicherheit, Migration, Arbeitskräftemangel, Klimawandel, Energieversorgung und die Positionierung Europas im geopolitischen Konflikt zwischen China und den USA.

 

Veröffentlicht am: 15.06.2024

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