
(djd). 866 Jahre hatten die Frauen das Sagen in Quedlinburg. Vom Stiftsberg aus wirkten die adligen Äbtissinnen des Damenstifts seit 936 und prägten die Stadt.
Mit der Stiftsgründung machte Königin Mathilde, Witwe Heinrichs I., Quedlinburg zu einem Ort weiblicher Macht und geistiger Hochkultur. Die romanische Stiftskirche und das barocke Schloss, die zusammen mit der Altstadt seit 1994 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes sind, dokumentieren die Strahlkraft des Stifts bis heute. Ab Samstag, 3. Oktober, können beide Gebäude auf einem neu geschaffenen gemeinsamen Rundgang besichtigt werden. Mit der Eröffnung des inhaltlich und räumlich neu konzipierten Schlossmuseums schließt Quedlinburg ein bauliches Großprojekt ab und macht seine mehr als 1.100-jährige Geschichte spannend und barrierearm erlebbar.
Goldledertapete und „Schwarze Küche“
Die neue Dauerausstellung im Schlossmuseum erzählt auf ihren 2.300 Quadratmetern Fläche – zweisprachig und leicht verständlich – die Geschichte des reichsunmittelbaren Damenstifts und der Welterbestadt Quedlinburg. Sie veranschaulicht, wie Königin Mathilde nach dem Tod ihres Mannes einen Gedenkort schuf und damit Erinnerungskultur, Politik und Religion verband. Das Schlossmuseum befindet sich in den ehemaligen Wohn- und Wirkstätten der Quedlinburger Äbtissinnen und Stiftsdamen. Reste der prachtvollen Ausstattung wie etwa das Fragment einer venezianischen Goldledertapete aus dem 18. Jahrhundert und der „Lutherbecher“ aus einer vermutlich ägyptischen oder syrischen Glaswerkstatt vermitteln eindrucksvoll den repräsentativen Anspruch des Stiftes. In der „Schwarzen Küche“, einer funktionstüchtigen Replik der historischen Küche, können Besucher im Rahmen von Erlebnisprogrammen außerdem selbst kochen und backen. Unter www.quedlinburg-info.de gibt es weitere Informationen zum Stiftsberg und zur Stadt sowie alle aktuellen Termine.
Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche
Der Rundgang beginnt im neuen zentralen Foyer. Von dort geht es in die dreiflügelige Schlossanlage mit baugeschichtlichen Zeugnissen aus 1.100 Jahren und ins Schlossmuseum sowie in die Stiftskirche St. Servatii. Der Bau aus dem zwölften Jahrhundert ist eines der bedeutendsten Zeugnisse ottonischer Architektur und frühmittelalterlicher Erinnerungskultur in Europa. In der Krypta liegen Heinrich I. und seine Frau Mathilde begraben. Der Quedlinburger Domschatz beherbergt wertvolle Objekte wie den Servatiusschrein und den Heinrichskamm, die an König Heinrich I. und die Stiftsgründung erinnern. Das Kombiticket für Schloss und Stiftskirche kostet 18 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.
Foto: djd/www.quedlinburg-info.de/Jürgen Meusel