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Mittwoch, 8. April 2026
   
 

China weitet im Iran-Krieg seinen Einfluss aus

... von Enguerrand Artaz, Fondsmanager bei LFDE



Ein krasserer Stilkontrast im Umgang mit dem Krieg im Iran ist schwer zu finden. Dem rachsüchtigen und übertriebenen Donald Trump, der viele widersprüchliche Äußerungen von sich gibt, setzt China eine weitaus geordnetere Strategie entgegen. 


Zu Beginn der Feindseligkeiten war Peking kaum zu hören. Die chinesische Regierung beschränkte sich darauf, die amerikanisch-israelischen Luftangriffe zu verurteilen und zu einem Waffenstillstand aufzurufen, ohne dabei großen Nachdruck zu verleihen. Und obwohl die Äußerungen des chinesischen Außenministers Wang Yi nach und nach an Deutlichkeit gewannen, dauerte es bis Ende März, bis China konkrete Maßnahmen ergriff. Diese begannen mit den von Pakistan geführten Gesprächen, um den Iran und die USA zu versöhnen. Hinter diesem Versuch Islamabads ist es in der Tat schwer, die Hand Pekings nicht zu erkennen, das sich übrigens kurz darauf offiziell an den Gesprächen beteiligte.

Ein leiser Auftakt und ein kalkulierter Einstieg

Der Zeitpunkt, den China gewählt hat, um im Iran-Krieg sichtbarer zu agieren, scheint kein Zufall zu sein. Das Land greift ein, während die von Donald Trump zu Beginn des Krieges erwähnte Frist von vier bis fünf Wochen abläuft und die Spannungen um die Energiepreise besonders hoch sind. Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden für viele Länder, darunter auch China, allmählich spürbar. Damit positioniert sich Peking als glaubwürdiger Akteur in einem Moment, in dem die Notwendigkeit einer Lösung dringlich wird. Zudem bildet es einen markanten Kontrast zur chaotischen Strategie und Kommunikation der Vereinigten Staaten, indem es sich als Kraft der Deeskalation und Stabilität darstellt.

Peking setzt auf Deeskalation und strategische Wirkung

Dies mag paradox erscheinen, da es trotz offizieller Dementis offensichtlich scheint, dass China den Iran militärisch unterstützt, insbesondere durch die Lieferung von Navigations- und Leitsystemen, welche Präzisionsschläge ermöglichen. Für Peking geht es jedoch vor allem darum, auf zwei Hochzeiten zu tanzen: inoffiziell seine geopolitischen Einflussstützpunkte zu unterstützen und offiziell die Rolle des Vorzeigebeispiels für Versöhnung und Ausgewogenheit zu spielen. Angesichts des zunehmend unberechenbaren Images der USA ist dies ein offensichtlicher geopolitischer Gewinn, insbesondere gegenüber den „Ländern des Südens“.

Zwischen Einflussnahme und diplomatischer Balance

Kurzfristig ist auch China nicht immun gegen die wirtschaftlichen Folgen des Krieges, obwohl einigen Schiffen mit Ziel China die Durchfahrt durch die Straße von Hormus gestattet wurde. Die chinesische Chemieindustrie beispielsweise, die stark von Lieferungen über diese Meerenge abhängig ist, sieht sich mit stark gestiegenen Kosten konfrontiert. Dadurch verschlechtert sich ihre Wettbewerbsfähigkeit erheblich, insbesondere auf dem europäischen Markt, auf dem China es sich zur Gewohnheit gemacht hat, die Preise zu unterbieten. Langfristig hat das Land jedoch viel zu gewinnen. Einerseits erinnert der Krieg im Iran die Welt an die Gefahren der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen – sowohl aus Umweltgründen als auch, im vorliegenden Fall vor allem, aus Gründen der Souveränität. Dies verstärkt unweigerlich die Notwendigkeit der Energieunabhängigkeit sowie den verstärkten Einsatz von Elektrizität. In diesem Bereich ist die chinesische Industrie jedoch führend, sei es bei der Produktionsausrüstung – Solarmodule oder zivile Kernenergie – oder beim Verbrauch mit Elektrofahrzeugen.

Kurzfristige Belastungen und langfristige strategische Vorteile


Andererseits gilt: Je wichtiger die Rolle Chinas bei der Lösung des Iran-Krieges ist, desto eher wird das Land die Möglichkeit erhalten, seine Rohstoffe in Yuan statt in Dollar zu kaufen. Dies ist für Peking in seinem Streben nach einer Führungsrolle von entscheidender Bedeutung. Auch wenn der Status des Dollars als sicherer Hafen durch die unberechenbare Außenpolitik Trumps infrage gestellt wird, bleibt er bei weitem die weltweit führende Reserve- und Referenzwährung für den Rohstoffhandel. Eine Position, die Peking aktiv zu untergraben versucht, um den Yuan schrittweise als Referenzwährung durchzusetzen. Dies ist ein langwieriger Prozess, der durch Ereignisse wie den Iran-Krieg beschleunigt werden könnte.

Der Krieg beschleunigt den Wandel der globalen Ordnung


Anleger sollten über die kurzfristige Volatilität hinausblicken. Diese Episode wird das schleichende Phänomen der Re-Regionalisierung der Welt, die Desynchronisierung der Konjunkturzyklen, die Infragestellung der amerikanischen Führungsrolle sowie das Souveränitätsbedürfnis noch verstärken. Diese Aussichten sprechen mehr denn je für eine geografische Diversifizierung der Anlagen und eine Ausrichtung auf die grundlegenden Trends, die zur Neugestaltung der internationalen Beziehungen beitragen dürften.

 

Veröffentlicht am: 08.04.2026

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