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Mittwoch, 20. Mai 2026
   
 

Steigender Energiebedarf: Welche Industrieunternehmen derzeit profitieren können

... von Damian Reimertz, Analyst für den Sektor Industriegüter und Dienstleistungen bei der DJE Kapital AG


Der globale Energiebedarf befindet sich in einem strukturellen Aufwärtstrend. Anders als in früheren Zyklen wird dieser Anstieg jedoch nicht primär durch Wirtschaftswachstum oder Industrialisierung getrieben, sondern durch Veränderungen in der Art und Weise, wie Energie erzeugt und genutzt wird. Drei zentrale Treiber stehen dabei im Fokus: die fortschreitende Elek­trifizierung, der Ausbau von KI-Rechenzentren sowie die Modernisierung der Stromnetze für die Nutzung erneuerbarer Energien.

Kurzfristige Unsicherheit, langfristiges Nachfragewachstum


Aktuell steht der globale Energiemarkt jedoch im Span­nungsfeld von kurzfristiger geopolitischer Unsicherheit und langfristig strukturellem Nachfragewachstum. Der Krieg zwischen den USA und dem Iran sowie der anhaltende Krieg zwischen Russland und der Ukraine verdeutlichen die zentrale Rolle von Energie als geopolitischem Faktor. Steigende Energiepreise, gestörte Lieferketten und zunehmende Unsicherheit prägen das aktuelle Umfeld und wirken sich direkt auf Industrieaktivität und Investitionsentscheidungen aus. Diese Entwicklungen spiegeln sich auch in jüngsten Konjunkturindikatoren wider: Zwar signalisieren die Einkaufsmanagerindizes für März auf den ersten Blick eine robuste industrielle Aktivität in den USA, in Deutschland und in der Eurozone, doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich eine nachlassende Qualität der Nachfrage. Ein wesentlicher Teil der aktuellen Dynamik wird durch Vorratsaufbau im Vorfeld potenzieller Lieferkettenstörungen getrieben, während neue Auftragseingänge an Momentum verlieren.

Dennoch gilt: Während die Indikatoren eine geopoli­tisch belastete Industriekonjunktur zeigen, bleibt der strukturelle Trend des steigenden Energiebedarfs intakt. Elektrifizierung, KI-Rechenzentren sowie erneu­erbare Energien sind langfristige Entwicklungen, die uns über die nächsten Jahre begleiten werden. Seit Beginn des Iran-Krieges sind Industrieaktien spürbar unter Druck geraten, nachdem sie in den zwölf Monaten vor Kriegsausbruch Ende Februar noch deutlich zugelegt hatten. Vor diesem Hintergrund stellt sich für Investoren die Frage, wie sich die derzeitige geopolitische Unsicherheit im Kontext des strukturellen Wachstumsthemas Energiebedarf einordnen lässt.

Elektrifizierung: Von E-Mobilität über Wärme­pumpen bis hin zu grünem Stahl

Die Elektrifizierung ist einer der bedeutendsten Treiber des steigenden Energiebedarfs und beschreibt den Übergang von fossilen Brennstoffen wie Öl, Gas und Kohle hin zu elektrischer Energie. Sektoren, die traditionell auf fossilen Brennstoffen basierten, insbe­sondere Transport, Gebäudeheizung oder industrielle Prozesse, werden zunehmend auf elektrische Lösungen umgestellt. Ziel ist die Dekarbonisierung, um CO2-Emis­sionen zu senken und die Effizienz zu steigern.

Ein prominentes Beispiel ist die Elektromobilität. Trotz eines schleppenden Starts und Sorgen über eine unzurei­chende Ladeinfrastruktur sowie die Kilometerreichweite der Fahrzeuge gewinnt dieser Trend an Momentum. Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt wurden im März in Deutsch­land erstmals mehr Elektrofahrzeuge als Benziner neu zugelassen. Laut einer repräsentativen Umfrage von mobile.de würden 43 Prozent der Befragten bei den aktuellen Spritpreisen gern auf E-Antrieb umsteigen. Auch im Gebäudesektor gewinnt die Elektrifizierung an Bedeutung, etwa durch den verstärkten Einsatz von Wärmepumpen, die fossilbasierte Heizsysteme wie Öl- und Gasheizungen ersetzen. Darüber hinaus schreitet die Elektrifizierung industrieller Prozesse voran, gerade in energieintensi­ven Branchen. So werden in der Stahlproduktion etwa Hochöfen durch elektrische Lichtbogenöfen ersetzt, während in der Chemie- oder Zementindustrie fossile Brennstoffe schrittweise durch elektrische Wärme oder wasserstoffbasierte Verfahren ersetzt werden.

Insgesamt führen diese Entwicklungen zu einer struk­turellen Verschiebung hin zu einer strombasierten Energieversorgung, mit entsprechendem Nachfrage­druck auf Erzeugungskapazitäten und Netzinfrastruk­tur. Gut positioniert sind Anbieter von elektrischer Ausrüstung und Automatisierung wie Schneider Electric sowie Unternehmen entlang der Strominfrastruktur und Kabelhersteller.

Rechenzentren werden zum Stromtreiber der Digitalisierung

Ein weiterer, zunehmend wichtiger Faktor für den steigenden Energiebedarf ist der Ausbau von Rechenzentren.  Die Digita­lisierung der Wirtschaft, Cloud-Computing und insbe­sondere der rasante Fortschritt im Bereich der Künstlichen Intelligenz führen zu einem exponentiellen Anstieg der benötigten Rechenleistung. KI-Rechenzentren sind äußerst energieintensiv. Neben dem Strombedarf für die eigentliche Datenverarbeitung spielt auch die Kühlung eine zentrale Rolle. Mit der zunehmenden Verbreitung von KI-Anwendungen steigen die Anforderungen an Rechenzentren, was den Energieverbrauch pro Rechenzentrum zusätz­lich erhöht. Zwar verbessern sich Energieeffizienz und Kühlbedarf auf Chip-Ebene kontinuierlich, jedoch wird dieser Effekt durch das stark steigende Datenvolumen und die zunehmende benötigte Rechenleistung mehr als ausgeglichen. Die fünf größten Hyperscaler könnten ihre Investitionen in KI-Infrastruktur in diesem Jahr auf über 600 Mrd. US-Dollar steigern, was einem Wachstum von rund 36% gegenüber 2025 entspräche. Die IEA prognostiziert für den Zeitraum von 2024 bis 2030 sogar eine Verdopp­lung des globalen Stromverbrauchs von Rechenzent­ren, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachs­tum von rund 15% entspricht.

Der Ausbau von Rechenzentren spielt Anbietern von Stromversorgungs- und Kühlinfrastruk­tur in die Hände, die kritische Systeme für Energieversorgung, Backup und thermisches Management bereitstellen. Ergänzend profitieren auch Anbieter von Stromverteilung und physischer Infrastruktur auf Rack-Ebene, die direkt von der wachsenden Nachfrage durch den Ausbau der Serverkapazitäten profitieren.

Erneuerbare Energien verändern die Infrastruktur der Stromversorgung

Parallel zum steigenden Energiebedarf findet eine fundamentale Transformation der Energieerzeugung statt. Der Ausbau erneuerbarer Energien, vor allem Wind- und Solarenergie, ist ein zentraler Bestandteil der Dekarbonisierungsstrategie vieler Volkswirtschaf­ten. Nach Einschätzung der IEA dürfte der Anteil erneu­erbarer Energien an der globalen Stromversorgung bis 2030 auf etwa 50% ansteigen (aktuell 42%).

Geopolitische Spannungen, vor allem die Kriege im Iran und in der Ukraine, erhöhen den Druck auf importabhängige Volkswirtschaften, ihre Energieversorgung resilienter und unabhängiger zu gestalten. Erneuerbare Energien gewinnen dadurch zusätzlich an Attraktivität, da sie lokal erzeugt werden können, nach der Installa­tion weitgehend unabhängig von globalen Lieferketten operieren und weniger anfällig für geopolitische Risiken und volatile Rohstoffmärkte sind. Erneuerbare Energien sind jedoch volatil, da ihre Erzeugung stark von Wet­terbedingungen abhängt. Dies führt zu neuen Anfor­derungen an die Energieinfrastruktur. Von entscheidender Bedeutung ist vor allem der Ausbau von Stromnetzen, um erneuerbare Energie von oft in abgelegenen Regionen gelegenen Produktionsstandorten, wie z. B. Offshore-Windparks, zu Verbrauchszentren zu transportieren. Zusätzlich gewinnt Energiespeicherung an Bedeutung. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind zahlreiche Unternehmen positioniert: von Windkraftanlagenbauern und Betreibern über Anbieter von Netztechnologie bis hin zu Kabelherstellern, die eine Schlüsselrolle beim Transport und der Integration erneuerbarer Energie spielen.

Fazit: Energieversorgungssicherheit gewinnt weiter an Bedeutung

Die direkten Auswirkungen des Kriegsgeschehens im Iran auf Industrie- und Infrastrukturunternehmen scheinen begrenzt zu sein. Laut UBS und Unternehmensangaben wird nur ein geringer Teil der Umsätze – etwa 6 bis 12 Prozent – unmittelbar in den betroffenen Regionen erzielt. Angebotsausfälle und operative Einschränkungen haben daher bislang nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

Deutlich relevanter sind jedoch die indirekten Effekte. Der Konflikt wirkt sich vor allem über höhere Energiepreise, steigende Transportkosten und zunehmende Unsicherheit entlang globaler Lieferketten aus. Vor allem die Einschränkungen zentraler Handelsrouten, wie der Straße von Hormus – einem der wichtigsten Knotenpunkte für Öl- und Gastransporte –, führen zu spürbaren Verwerfungen in den Energie- und Rohstoffmärkten.

Insgesamt bleibt das kurzfristige Umfeld von erhöhter Volatilität und zyklischen Risiken geprägt. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass die strukturellen Treiber des Energiebedarfs – Elektrifizierung, Rechenzentren und erneuerbare Energien – weitgehend unabhängig von diesen kurzfristigen Schwankungen sind. Die aktuelle geopolitische Lage könnte diesen Trend sogar verstär­ken, indem sie die Bedeutung von Energieversorgungs­sicherheit, Infrastrukturinvestitionen und Energiediver­sifizierung weiter in den Fokus rückt. 

 

Veröffentlicht am: 20.05.2026

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