
(von I. Holzinger & Josef Scheppach) Die 25. Herrenchiemsee Festspiele 2026 laden Sie zu einem Sommer ein, in dem Musik, Geschichte und Landschaft zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk verschmelzen. Unter dem Leitmotiv „Der Welt entrückt“ entfalten sich vom 14. bis 26. Juli hochkarätige Konzerte in einer Kulisse, die weltweit ihresgleichen sucht: im Spiegelsaal des Königsschlosses auf der Herreninsel und im historischen Münster auf der Fraueninsel. Hier wird klassische Musik nicht nur dargeboten, sondern als intensives Erlebnis spürbar.
Barocke und spätromantische Klangpracht
Im Mittelpunkt des Jubiläums steht ein Programm, das die großen europäischen Meister aus mehreren Jahrhunderten zusammenführt und die musikalische Tradition des Kontinents greifbar macht. Mit Werken von Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Gustav Mahler, Frédéric Chopin, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms und weiteren Komponisten entfaltet sich ein Bogen von der barocken Klangpracht bis zur spätromantischen Innerlichkeit.
Künstlerische Exzellenz auf höchstem Niveau
Renommierte Ensembles der Alten und Klassischen Musik wie Concentus Musicus Wien, Europa Galante, Il Pomo d’Oro, Concerto Köln, das Orchestra of the Eighteenth Century, das Münchener Kammerorchester, das Kammerorchester Basel, die Hofkapelle München, das Finnish Baroque Orchestra, Orchester und Chor der KlangVerwaltung sowie herausragende Solistinnen und Solisten garantieren höchsten Genuss. Dieses Festival versteht sich als inspirierende Reise durch die musikalische Landkarte Europas – eingebettet in eine Natur- und Kulturlandschaft, die ohnehin schon zu den schönsten Bayerns zählt.
Auftakt im Münster Frauenchiemsee
Den Auftakt bildet am 14. Juli ein geistliches Konzert im Münster Frauenchiemsee. In der kontemplativen Atmosphäre der alten Klosterkirche erklingt Bachs Kreuzstabkantate „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ gemeinsam mit der Kantate „Ich habe genug“. Die Musik Johann Sebastian Bachs, getragen von Bass-Solo und Orchester, trifft hier auf einen Ort, in dem Gebet, Stille und jahrhundertealte spirituelle Tradition spürbar sind. Der Auftaktabend auf der Fraueninsel markiert bewusst den geistigen Kern des Festivals: Musik als innere Einkehr und zugleich als Aufbruch in eine andere, von der Alltagswelt losgelöste Sphäre. Wenn sich am Abend die Lichter auf dem Wasser spiegeln und die Besucher mit den Schiffen zur Insel übersetzen, beginnt bereits die Entschleunigung: Der Weg zum Konzert wird Teil des Erlebnisses.
Spiegelsaal verstärkt Akustik und Wirkung der Musik
Ab dem zweiten Abend verlagert sich das Geschehen in den Spiegelsaal des Schlosses Herrenchiemsee, den Ludwig II. nach dem Vorbild von Versailles erbauen ließ. Hier entfaltet sich ein abwechslungsreicher Reigen von Programmen, die sich thematisch und stilistisch ergänzen. Europa Galante unter Fabio Biondi widmet sich mit Vivaldis „Gloria in excelsis Deo“ und weiteren geistlichen und konzertanten Werken einem feierlichen barocken Glanz, in dem Chor, Solostimmen und Orchester in den Raum strahlen. Der Spiegelsaal, dessen Akustik gleichermaßen klar und warm ist, verstärkt die Wirkung dieser Musik: Man erlebt barocke Festlichkeit im perfekten architektonischen Rahmen, umgeben von Spiegeln, Gold und historischen Deckengemälden.
Aus dem Traum eines Märchenkönigs geboren
Das Orchestra of the Eighteenth Century führt mit einem Programm um Beethoven und Mozart in die frühe Meisterschaft der Klassik. Eine Beethoven-Sinfonie in diesem Saal zu erleben, bedeutet, den Geist der musikalischen Aufklärung an einem Ort zu hören, der eigentlich aus dem Traum eines Märchenkönigs geboren wurde – ein spannungsvoller Kontrast, der gerade die Qualität der Aufführung unterstreicht. Wenn dann Mozarts Violinkonzert in G-Dur erklingt, schwebt die Musik gleichsam zwischen Himmel und Wasser.
Ein Festival mit dramaturgischen Spannungsbögen
Unter dem Titel „Mozarts Reisen“ widmet sich ein weiterer Konzertabend den frühen Sinfonien und Konzerten des Salzburger Genies. Die Auswahl der Werke spiegelt jene Jahre wider, in denen Mozart quer durch Europa unterwegs war, Höfe besuchte, neue Musikkulturen kennenlernte und seine eigene Sprache formte. In Herrenchiemsee wird diese „Reiselust“ in Klang übersetzt: Die Besucher begeben sich selbst auf eine kleine Reise – aus dem Alltag heraus, über den See, hinein in die Klangwelten eines jungen, neugierigen Komponisten. Die fein disponierten Programme machen deutlich, wie sehr das Festival auf dramaturgische Spannungsbögen setzt und nicht nur Einzelwerke, sondern ganze musikalische Geschichten erzählt.
Arien, Duette und Ensembles aus Mozarts Oper „Don Giovanni“
Ein besonderes Highlight ist die Don-Giovanni-Gala mit der Hofkapelle München. Arien, Duette und Ensembles aus Mozarts Oper „Don Giovanni“ werden im Spiegelsaal konzertant aufgeführt und mit Ballettmusik aus „Idomeneo“ kombiniert. Der barocke Saal verwandelt sich dabei in eine imaginäre Opernbühne, auf der Leidenschaft, Verführung, Zweifel und Ironie musikalische Gestalt annehmen. Mit Werken von Chopin, Mendelssohn und Mozarts „Prager Symphonie“ rücken an einem weiteren Abend die „europäischen Linien“ in den Vordergrund. Die Verbindung von Prag, Italien und der romantischen Klaviertradition zeigt, wie sehr die Herrenchiemsee Festspiele den europäischen Gedanken ernst nehmen. Auch Telemanns „Klingende Geographie“ und verschiedene Concerti grossi von Muffat, Händel, Locatelli, Avison und Corelli deuten das Festival als musikalische Weltkarte: Hier werden Regionen, Städte und kulturelle Traditionen in Töne übersetzt, und das Publikum reist hörend von England nach Italien, von Norddeutschland in den mediterranen Raum – ohne die Insel je verlassen zu müssen.
Zwischen irdischer Melancholie und himmlischer Verklärung
Ein emotionaler Höhepunkt ist der Abend, an dem Beethoven und Mahler einander begegnen. Beethovens zweites Klavierkonzert führt klassisch-klar in die symphonische Welt, bevor Mahlers Vierte die Zuhörer in eine Sphäre zwischen irdischer Melancholie und himmlischer Verklärung entführt. Der berühmte Finalsatz, in dem die „himmlischen Freuden“ besungen werden, erhält im Spiegelsaal eine fast physische Präsenz: Es scheint, als ob die Musik sich mit dem Gold der Wände, dem Spiegelglanz und dem leichten Nachhall des Raumes zu einem schwebenden Klangkörper vereint. Die Gegenüberstellung von Beethoven und Mahler macht zudem hörbar, wie sich die europäische Musik von der Klassik zur Spätromantik entwickelt hat – ein zentrales Thema innerhalb dieses Festivaljahrgangs.
„Ode an die Freude“: Freiheit, Frieden und Solidarität
Mit dem Concentus Musicus Wien, der Werke von Dowland, Purcell und Händel präsentiert, steht ein weiterer Abend ganz im Zeichen des Barock. „Music for a while“ – Musik für eine Weile – könnte zugleich als Motto für das gesamte Festival dienen: eine begrenzte Zeit, in der die Welt draußen bleibt und die Besucher sich ganz dem Genuss hingeben. Wenn das Finnish Baroque Orchestra mit virtuosen Konzerten und Ouvertürensuiten von Bach, Vivaldi und Telemann auftritt, wird die Verbindung von nordischer Klarheit und südlicher Lebensfreude hörbar – erneut ein Beispiel dafür, wie international das Profil des Festivals ist. Zum krönenden Abschluss schließlich erklingt Beethovens Neunte Sinfonie mit dem berühmten Schlusschor über Schillers „Ode an die Freude“. Damit setzen die Herrenchiemsee Festspiele ein bewusst europäisches und humanistisches Zeichen: Freiheit, Frieden und Solidarität werden im Klang erfahrbar.
Besucher wandeln auf historischen Wegen
Die Herrenchiemsee Festspiele leben jedoch nicht nur von ihren Programmen, sondern ganz wesentlich von ihren Spielstätten. Die Herreninsel ist ein Ort, an dem gleich mehrere Schichten der Geschichte aufeinandertreffen. Besucher wandeln entlang der Sichtachsen des Schlossparks. Tagsüber herrscht reges Treiben, Führungen durch das Schloss, Besuche der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift, Spaziergänge hinunter zum Seeufer. Am Abend, wenn die letzten Ausflugsboote abgelegt haben, kehrt eine besondere Stille ein. In dieser Atmosphäre entfaltet die Musik ihre ganze Wirkung: Man ist tatsächlich „der Welt entrückt“.
Verbindung von gelebter Spiritualität, Alltagsleben und Kunst
Die Fraueninsel bildet den intimeren, kontemplativen Gegenpol. Hier prägt das Benediktinerinnenkloster Frauenwörth seit über 1200 Jahren das Leben. Die romanische Münsterkirche, die karolingische Torhalle und der charakteristische Glockenturm erzählen von einer langen geistlichen Tradition. Zugleich ist die Insel ein lebendiges Dorf mit Gärten, Kunsthandwerk, Töpfereien, Fischerei und kleinen Gastwirtschaften, in denen regionale Spezialitäten serviert werden. Zwischen Rosenbögen, Obstbäumen und Klostermauern lässt sich das Inselflair besonders unmittelbar erleben. Wer zum Auftaktkonzert im Münster anreist, sollte genügend Zeit einplanen, um über die Uferwege zu schlendern, den Blick zu den Alpen schweifen zu lassen oder im Klosterladen ein Andenken zu erwerben. Die Verbindung von gelebter Spiritualität, Alltagsleben und Kunst prägt den besonderen Charakter der Fraueninsel – und macht Konzerte im Münster zu etwas völlig anderem als einen gewöhnlichen Konzertabend in der Großstadt.
Anreise über das „Bayerische Meer“ schafft feierliche Stimmung
Der Chiemsee selbst, oft als „Bayerisches Meer“ bezeichnet, bietet eine Kulisse, die zu jeder Tageszeit eine andere Stimmung hat. Die Anreise zu den Festspielen erfolgt per Schiff – ein Erlebnis, das bereits vor dem ersten Ton eine feierliche, beinahe festliche Grundstimmung schafft. Rund um den Chiemsee eröffnet sich eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten und Freizeitmöglichkeiten, die den Festivalbesuch zu einem kleinen Urlaub werden lassen. Der Chiemsee-Rundweg eignet sich hervorragend für Radtouren oder ausgedehnte Spaziergänge, immer mit Blick auf das Wasser und die Berge. In den Orten am Ufer – etwa in Prien oder Gstadt – laden Cafés, Biergärten und Restaurants dazu ein, regionale Küche zu genießen. Frischer Fisch aus dem Chiemsee, bayerische Schmankerl, hausgemachte Kuchen und feine Eisvariationen gehören ebenso zur Region wie traditionelle Feste, Märkte und kulturelle Veranstaltungen. Wer mehr Zeit mitbringt, kann einen Konzertabend mit einem Badetag, einer leichten Bergwanderung in den Chiemgauer Alpen oder einem Besuch eines der Klöster und Kirchen in der Umgebung kombinieren.
Von Premium-Reihen bis zu preisgünstigeren Kategorien
Ein weiterer Pluspunkt der Herrenchiemsee Festspiele ist die sorgfältige Organisation, die den Rahmen für dieses besondere Erlebnis bildet. Konzertbesucher profitieren von einer klar strukturierten Platzkategorien-Einteilung im Spiegelsaal, die von Premium-Reihen bis zu preisgünstigeren Kategorien reicht. So finden sowohl anspruchsvolle Klassikkenner als auch neugierige Einsteiger das passende Angebot. Ermäßigte Inselkarten und besondere Regelungen für gehbehinderte Besucher – etwa Shuttlebusse auf der Herreninsel – sorgen dafür, dass das Festival für viele Menschen zugänglich ist. Wer rechtzeitig bucht, sichert sich nicht nur gute Plätze, sondern kann auch Anreise, Übernachtung und zusätzliche Ausflüge entspannt planen. Die Kombination aus hoher künstlerischer Qualität, durchdachter Logistik und herzlicher Gastfreundschaft macht die Festspiele zu einem rundum stimmigen Gesamterlebnis.
So verbindet das Jubiläum der 25. Herrenchiemsee Festspiele 2026 all das, was Kulturreisen heute so begehrenswert macht: herausragende Konzerte von international renommierten Orchestern und Solisten, geschichtsträchtige Orte, eine beeindruckende Naturkulisse und echte Erholungsmomente zwischen See und Bergen. Wer sich auf diese Reise einlässt, wird nicht nur große Musik hören, sondern vor allem eines: für einige Tage und Abende der Welt entrückt sein – im besten Sinne des Wortes.
Foto: Spiegelsaal, © herrenchiemseefestival.de