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Donnerstag, 5. März 2026
   
 

Wenn die Periode ausbleibt

Zyklusstörungen bei sportlichen Frauen ernst nehmen



Bleibt bei sportlich aktiven Frauen die Menstruation aus, wird das häufig als harmlose Folge intensiven Trainings abgetan. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE) weist darauf hin, dass das Ausbleiben der Periode kein normales Anpassungsphänomen ist, sondern ein ernstzunehmendes Warnsignal des Körpers. 

Häufig steckt ein hormonelles Ungleichgewicht dahinter, das langfristige Folgen für Knochen, Herz-Kreislauf-System, Psyche und Fruchtbarkeit haben kann. Betroffene sollten daher frühzeitig ärztlichen Rat suchen.

Auf einer Online-Pressekonferenz anlässlich des 69. Deutschen Kongresses für Endokrinologie sprachen Expert*innen darüber, warum intensiver Sport dazu führen kann, dass die Periode ausbleibt und was Betroffene konkret tun können. Hier gehts zur Pressemappe.

Ein regelmäßiger Menstruationszyklus zeigt, dass Hormone, Stoffwechsel und Energiehaushalt im Gleichgewicht sind. Bleibt die Blutung bei zuvor regelmäßigen Zyklen nach drei Monaten, bei zuvor unregelmäßigen Zyklen nach sechs Monaten aus, sprechen Expert*innen von einer Amenorrhö. Tritt sie im Zusammenhang mit intensiver sportlicher Aktivität auf, handelt es sich häufig um eine sogenannte sportassoziierte Amenorrhö. Diese Form betrifft vor allem junge Frauen mit hohem Trainingsumfang – und das nicht nur im Leistungs-, sondern auch zunehmend im ambitionierten Freizeitsport.

„Die sportassoziierte Amenorrhö tritt besonders häufig bei sportlich hochaktiven jungen Frauen auf. Sie beschreibt das Ausbleiben der Menstruation infolge intensiver körperlicher Aktivität. Meist ist der Energieverbrauch dauerhaft höher als die Energieaufnahme. Chronischer körperlicher und mentaler Stress verstärkt diesen Effekt“, erklärt Dr. med.  Imke Mebes, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am endokrinologikum Kiel.  

Wenn dem Körper Energie fehlt


Ursache ist meist ein dauerhaftes Missverhältnis zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch. Der Körper spart dann an Funktionen, die er in dieser Situation nicht als lebensnotwendig einstuft. Dazu gehört auch der Menstruationszyklus. Dieser Zusammenhang zwischen Energieverfügbarkeit, Menstruationszyklus und Knochengesundheit wird durch den Begriff „relative energy deficiency in sports“ beschrieben, kurz RED-S. „Fehlt dem Körper über längere Zeit Energie, gerät die hormonelle Steuerung im Gehirn aus dem Takt. In der Folge reifen Eizellen nicht mehr heran und die Periode bleibt aus“, so Mebes.

Wichtig zu wissen: Ein ausbleibender Zyklus ist nicht allein durch eine hohe Trainingsbelastung zu erklären. „Die Amenorrhö stellt eine komplexe Interaktion von Stoffwechselprozessen dar. Mit dem Ausbleiben der Menstruation sinkt auch der Östrogenspiegel. Dieses Hormon spielt eine zentrale Rolle für den Knochenstoffwechsel. Gerade in jungen Jahren ist das problematisch, da die maximale Knochendichte zu großen Teilen bereits bis zum frühen Erwachsenenalter aufgebaut wird. „Ein länger bestehender Östrogenmangel kann die Knochendichte verringern und das Risiko für Knochenbrüche und Osteoporose erhöhen“, so Mebes. Auch das Herz-Kreislauf-System sowie Schlaf, Stimmung und Konzentration können betroffen sein.

Ab wann ärztlicher Rat wichtig ist

Bleibt die Periode länger als drei Monate aus, rät die DGE zu einer ärztlichen Abklärung. Treten zusätzlich Beschwerden wie schnelle Verletzungen, Knochenbrüche, Erschöpfung oder psychische Veränderungen auf, sollte früher gehandelt werden. Ziel ist es, andere Ursachen auszuschließen und das hormonelle Gleichgewicht wiederherzustellen.

Was Betroffene tun können

„Im Mittelpunkt der Behandlung steht es, die Ursache der Amenorrhö zu beseitigen und nicht nur deren Symptome. Neben der gynäkologischen Behandlung, meist in Form einer Hormontherapie, ist es in erster Linie essenziell, das Energiedefizit auszugleichen. Die jungen Frauen müssen ausreichend Kalorien zu sich nehmen und sollten gleichzeitig den Trainingsumfang beziehungsweise dessen Reduktion diskutieren“, erklärt Mebes. Das bedeute nicht, mit dem Training aufzuhören, sondern beispielsweise die Intensität zu reduzieren und Regenerationstage einzuplanen. Auch eine begleitende ernährungsmedizinische oder psychologische Betreuung könne Sinn ergeben. „Je früher insbesondere das Energiedefizit ausgeglichen wird, desto besser kann sich die hormonelle Steuerung erholen“, betont Mebes.

Die DGE appelliert, Zyklusstörungen nicht zu verharmlosen. Das Ausbleiben der Periode ist kein Zeichen besonderer Fitness, sondern ein Hinweis darauf, dass der Körper aus dem Gleichgewicht ist. Eine frühzeitige Abklärung schützt die Gesundheit und hilft, Spätfolgen zu vermeiden.

Quellen:
Mountjoy et al. (2018). IOC consensus statement on relative energy deficiency in sport (RED-S): 2018 update. British Journal of Sports Medicine, 52(11), 687–697.

Tenforde et al. (2020) Awareness and comfort treating the female athlete triad and relative energy deficiency in sport among healthcare providers. Dtsch Z Sportmed 71:76–80


Foto. Pixabay

 

Veröffentlicht am: 05.03.2026

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