
Mit einem festlichen Eröffnungskonzert in der Kirche St. Peter und Paul in Görlitz startete das Lausitz Festival am gestrigen Dienstagabend in seine siebte Saison. Bis zum 13. September steht die Region zwischen Ostsachen und Südbrandenburg nun erneut im Zeichen eines vielfältigen und sorgfältig kuratierten Programms zwischen Theater, bildender Kunst, Literatur und Musik in reizvollen Spielstätten.
So läuft Shakespeares »Hamlet« in einer alten Flugzeughalle in Cottbus (vier von fünf Vorstellungen sind ausverkauft), und eine ehemalige Glasfabrik in Weißwasser lädt zu vier musikalischen Theaterabenden rund um Franz Kafka unter dem Titel »Der Ausweg«. Ein live gespielter Soundtrack dreier brasilianischer Musiker zu Filmen des Künstlers Jonathas de Andrade bringt transatlantisches Flair in die Energiefabrik Knappenrode, der Pianist Pierre-Laurent Aimard spielt ein erlesenes Programm mit Werken von Bach und Kurtág im Kirchensaal der ev. Brüdergemeine in Herrnhut. Diese und viele weitere Ereignisse, von exzellentem Jugendtheater über ein hochkarätiges Philosophie-Programm bis zu Weltklasse-Jazz, setzen starke Impulse.
Bereits die Festivaleröffnung selbst folgte einem ungewöhnlichen Veranstaltungsformat, bei dem große Musik und der starke Glaube an den gesellschaftsbildenden Wert von Kunst und Kultur zusammenfanden. Nach Grußworten seitens der tragenden Fördermittelgeber des Lausitz Festivals, Frau Ministerialdirektorin Maria Bering für den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Frau Ministerin Kathrin Schneider für das Land Brandenburg und Frau Franziska Brech für den Freistaat Sachsen, erlebte das Publikum zunächst »Kyrie« und »Gloria« aus der Urfassung der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach, dargeboten vom englischen Chor Tenebrae und dem Kammerorchester Basel unter der Leitung von Nigel Short. Anschließend überreichten Mitglieder des Künstlerischen Beirats des Lausitz Festivals und dessen Intendant Daniel Kühnel erstmals den durch das Festival neu geschaffenen Credo-Preis. Die Auszeichnung soll eine Persönlichkeit ehren, deren künstlerisches oder kulturelles Schaffen von einer tiefen inneren Überzeugung und dem festen Glauben an die gesellschaftliche Relevanz von Kunst motiviert ist. Der Credo-Preis wird fortan alle zwei Jahre vergeben.
Zum ersten Preisträger wurde Petr Štědroň (Foto) bestimmt, Theatermacher aus Prag, Leiter der renommierten Prager Bühne Divadlo Na zabrádlí und Intendant des Prager Theaterfestivals deutscher Sprache, zudem ein erstrangiger Übersetzer deutschsprachiger Gegenwartsliteratur ins Tschechische. Die Laudatio auf Štědroň hielt Thomas Oberender, einer der profiliertesten Kulturvermittler in Deutschland in vielfältigen Rollen, nicht zuletzt als langjähriger Intendant der Berliner Festspiele. Als musikalische Signatur des ganz zeitgenössisch und überkonfessionell gedachten Credo-Preises erklang daraufhin ein vom französischen Dirigenten und Komponisten Sylvain Cambreling neu komponiertes und dem Lausitz Festival zum Geschenk gemachtes »Credo«. Das etwa zehnminütige Chorwerk mitreduzierter Orgelbegleitung bildete die Brücke zurück zu Bachs h-Moll-Messe. Mit deren »Agnus Dei« und »Dona nobis pacem« schloss sich der Kreis zum Anfang des Abends. Auf die preis- und denkwürdige Eröffnung folgt nun bis zum Finale mit der US-Jazzsängerin Dee Dee Bridgewater am 13. September in der Kulturweberei Finsterwalde ein dicht getakteter Reigen hochkarätiger Veranstaltungen.
In bereits langjähriger Kooperation mit den Verkehrsverbünden und damit auch mit dem Zweckverband Verkehrsverbund Ostsachsen (ZVVO, ehemals ZVON) werden auf der Festival-Homepage wieder Zusatzangebote und Hinweise für die Anreise mit Bus und Bahn abgebildet. So gibt es etwa zur Ausstellungseröffnung »Jonathas de Andrade: Der grelle Schein der Ränder« am 28. August Sonderfahrten mit Bussen vom Bahnhof Weißwasser nach Bad Muskau und zurück. Für die »Hamlet« Aufführungen in Cottbus pendeln Shuttle-Busse zwischen dem Spreewaldbahnhof und dem Spielort Hangar 1.
»Ich freue mich sehr auf die kommenden drei Lausitz-Festivalwochen«, sagt Intendant Daniel Kühnel. »Das gemeinsame Erleben von Kunst ist immer eine Art Wagnis, denn es trägt die Möglichkeit des Neuanfangs in sich. Wir begegnen in der Kunst Bekanntem und Unbekanntem; solche Begegnungen eröffnen auch die Chance, unsere Vorstellungen von der Welt neu zu ordnen. Wir haben dieser Festivalausgabe das Inspirationswort geschöpferisch gegeben. Es möchte dazu anregen, dass wir die schöpferischen Spielräume, die uns gegeben sind, nicht liegenlassen, sondern lebenszugewandt, aktiv und ausgiebig nutzen. Ich freue mich, dass viele Vorstellungen schon ausverkauft sind, und ich freue mich auf unser Publikum.«
»Seit sieben Jahren bringt das Lausitz Festival hochkarätige Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt in die Region und macht die Lausitz damit weit über ihre Grenzen hinaus sichtbar. Es begeistert Menschen vor Ort und zieht neues Publikum aus Deutschland und Europa an. Das Festival zeigt jedes Jahr eindrucksvoll, was Kultur in Zeiten des Wandels bewegen kann: Sie schafft Lebensqualität, bringt Menschen zusammen, stärkt regionale Identität und gibt Impulse für gesellschaftliche Veränderung. Deshalb unterstützt die Bundesregierung das Lausitz Festival sehr gerne als Hauptförderer mit zwei Millionen Euro jährlich.« - Wolfram Weimer, Beauftrager der Bundesregierung für Kultur und Medien
»Kultur hat einen festen Stammplatz in der Lausitz. Kultur macht den Menschen Mut, stiftet Identität und regt zum Nachdenken an. Die siebte Ausgabe des brandenburgisch-sächsischen Lausitz-Festivals bietet wieder hochkarätige Theateraufführungen, Konzerte, Lesungen und Ausstellungen. Aber nicht nur das Programm ist sehens- und hörenswert. Auch die vielen unterschiedlichen Spielstätten lohnen einen Besuch. Mit dem Kohleausstieg ist der Strukturwandel in vollem Gange, und es gibt viel Neues zu entdecken auf den Lausitzer Bühnen. Ich danke den Machern und allen Unterstützern des Festivals. Ich wünsche den Veranstaltungen viel Erfolg und viele Lausitz-interessierte Besucher.« - Kathrin Schneider, Ministerin und Chefin der Staatskanzlei des Landes Brandenburg
»Der Strukturwandel in der Lausitz ist untrennbar mit einer starken kulturellen und touristischen Entwicklung verbunden. Das Lausitz Festival zeigt eindrucksvoll, dass Kultur Horizonte erweitert und Identität stiftet. Es besitzt eine hohe Strahlkraft, die weit über die Region hinausgeht und viele Besucher anzieht. Damit stärkt es nicht nur die Wahrnehmung der Lausitz als moderne Kulturregion, sondern wirkt sich positiv auf das Image und den Tourismus aus. Eine vielfältige Kulturlandschaft ist ein wichtiger Ansiedlungs- und Haltefaktor für die Menschen vor Ort.« - Barbara Klepsch, Staatsministerin für Kultur und Tourismus des Freistaates Sachsen
Foto: Pawel Sosnowsi