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Freitag, 16. Oktober 2026
   
 

Unterschätzt riskant – Elterntaxis vor der Schule

Bussgelkatalog.org legt Eltern nahe, mit ihren Kindern den Schulweg ausgiebig zu trainieren



Die einen sehen sie als eine Notwendigkeit an, für die anderen stellen sie eine unnötige Gefahrenquelle dar: Elterntaxis. Laut einer aktuellen Umfrage der ADAC-Stiftung bei Eltern von Schulkindern im Alter von 5 bis 15 Jahren wird nahezu jedes vierte Kind in der Grundschule mehrmals pro Woche mit dem Auto zum Unterricht gefahren und nach Schulschluss wieder abgeholt. 

Für die Mehrheit der Eltern macht das dadurch entstehende Verkehrsaufkommen den Schulweg für alle Kinder deutlich unsicherer. Deshalb ziehen die sogenannten Elterntaxis schon seit Jahren zum Teil heftige Kritik auf sich. Doch das von ihnen mit- oder überwiegend verschuldete morgendliche Verkehrschaos vor Schulen – da divergieren die Ansichten – wiederholt sich in Endlosschleifen wie bei dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. So berichten Eltern, Polizei und Verkehrssicherheitsexperten übereinstimmend bedauernd.

Seit einigen Wochen hat nach den Sommerferien die Schule wieder begonnen. Damit stellt sich für viele Eltern die Frage: Wie kommt mein Kind sicher zur Schule? Der jüngsten Eltern-Umfrage der ADAC-Stiftung zum Thema „Sicherer Schulweg“ zufolge werden insbesondere Grundschulkinder oft mit dem Auto zur Schule gebracht und von dort abgeholt – obwohl viele Eltern das sogenannte Elterntaxi eigentlich ablehnen. So häufen sich vor Schulbeginnen und nach dem Ende des Unterrichts gefährliche Verkehrssituationen vor den Schulgebäuden, wenn Elterntaxis Kinder dort aussteigen lassen oder einsammeln. Die aktuelle Umfrage der ADAC-Stiftung macht wenig Hoffnung, dass sich die Zahl dieser Autos vor den Schulen in Zukunft verringern könnte.

Denn für die überwiegende Mehrheit der Eltern, die ihre Kinder regelmäßig fahren, kommen demnach Alternativen nicht in Frage: Zwei Drittel von ihnen bezeichnen es in der Befragung als Notwendigkeit, ihre Kinder regelmäßig zur Schule zu bringen und von dort abzuholen. Als Gründe dafür werden großteils praktische Erwägungen angeführt: 37 Prozent nennen Anschlusstermine ihrer Kinder, 31 Prozent schlechtes Wetter, 27 Prozent die Verbindung mit eigenen Arbeitswegen oder Erledigungen sowie 18 Prozent den geringeren Zeitaufwand für die Kinder.

Und wie kommen die anderen Schüler zum Unterricht? In den ersten beiden Klassen gehen 58 Prozent der Grundschüler an mindestens drei Tagen zu Fuß zur Schule, wie die ADAC-Stiftung erfuhr. Zwölf Prozent nehmen öfters das Fahrrad und 6 Prozent den Tretroller. 25 Prozent der Kinder werden dagegen regelmäßig von den Eltern gefahren. Und das sind aus Sicht der meisten Eltern zu viele. 61 Prozent der Eltern berichten in der Befragung von zu vielen Autos vor der Schule, die Kinder bringen oder abholen. Hauptgrund dafür seien die Elterntaxis, die gefährliche Situationen heraufbeschwören, meinen 58 Prozent der Befragten. Zudem erklären 17 Prozent der interviewten Eltern, es sei den Elterntaxis geschuldet, dass rund die Hälfte der Grundschüler, die nicht mit dem Auto zur Schule gelangen, mindestens gelegentlich von den Eltern zur Schule begleitet werden. Das wäre unnötig, wenn es weniger Elterntaxis gäbe, sagen diese Erziehungsberechtigten.

Am ehesten auf den Fahrservice für die eigenen Kinder verzichten würden Eltern laut der Umfrage, wenn die Infrastruktur des Schulwegs besser und der Zeitaufwand geringer wäre. Experten bezweifeln allerdings, ob angesichts der eher praktischen Gründe, die Eltern ihre Kinder chauffieren lassen, der Anteil der Elterntaxis durch verkehrssicherere Schulwege nennenswert eingeschränkt werden könnte. In dem Zusammenhang weist die ADAC-Stiftung darauf hin, dass sich seit Beginn ihrer Eltern-Umfragen im Jahr 2023 sowohl der Anteil der Elterntaxis als auch Grad der Zustimmung bzw. Ablehnung nur minimal verändert habe.

Abgesehen davon, dass das mit den Elterntaxis verbundene Fahrzeugaufkommen gerade an Grundschulen morgens immer mehr zum Problem wird und sich vielfach negativ auf die Verkehrssicherheit der Schüler auswirkt, warnen Fachleute ebenfalls davor, dass dieser Bring- und Hol-Service der Kindesentwicklung schade. Elterntaxis könnten unter anderem die Verkehrserziehung beeinträchtigen, stellt etwa das Mobilitätsmagazin Bussgeldkatalog.org fest. Begründung: Kinder lernen viel über ihre aktive und selbstständige Teilnahme am Straßenverkehr. Wenn sie jedoch Verkehr ausschließlich vom Rücksitz eines Autos aus erleben, bleiben entsprechende Erfahrungen und Lerneffekte aus, mahnen sowohl Verkehrsexperten als auch Pädagogen.

Sie argumentieren, dass Kinder nur dann im Verkehr verschiedene Abläufe kennenlernen und ein Risikobewusstsein entwickeln könnten, wenn sie selbstständig am Straßenverkehr teilnehmen. Der Schulweg sei daher ein wichtiger Beitrag zu Verkehrserziehung und Verkehrssicherheit. Darüber hinaus kann sich ein zu Fuß zurückgelegter Schulweg nach Ansicht der Experten positiv auswirken, indem er zur Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit sowie zur Förderung der Motorik durch zusätzliche Bewegung beiträgt. Zudem verbessere sich auf diese Weise die Sozialkompetenz durch Kontakt zu anderen Kindern und erhöhe die Leistungs- und Aufnahmefähigkeit im Unterricht, betonen die Experten.

Aus ihrer Sicht spricht auch eine Auswertung der Kinderunfälle im Straßenverkehr des Jahres 2020 vom Statistischen Bundesamt gegen das Elterntaxi: Diese Statistik besagt nämlich, dass im Berichtsjahr mit 37,5 Prozent die meisten im Straßenverkehr getöteten Kinder ihr Leben als Mitfahrer in einem Pkw verloren. Die Fahrt im Auto bedeute demnach nicht automatisch einen sicheren Transport, resümiert Bussgeldkatalog.org.

Um das Problem der Elterntaxis zu entschärfen, schlägt die ADAC-Stiftung vor, dass Kommunen und Schulträger den Verkehrsraum vor den Schulen anpassen sollten – etwa mittels ausgewiesener Halte- und Warteflächen abseits der Schuleingänge, durch den Ausbau der Rad- und Gehwege und/oder den verstärkten Einsatz von Schülerlotsen insbesondere in Schulnähe. Falls notwendig komme auch der Einsatz von absoluten Halteverboten in Frage, um kritische Verkehrssituationen zu entzerren, empfiehlt die Stiftung.

Und das Mobilitätsmagazin Bussgelkatalog.org legt Eltern nahe, mit ihren Kindern den Schulweg ausgiebig zu trainieren, damit sie ihn sicher zurücklegen können. Dabei gelte es, auf potenzielle Gefahrenstellen hinzuweisen und den Kindern Stellen zu zeigen, an denen sie die Straße möglichst einfach überqueren können, heben die Experten hervor. Schulen und Gemeinden verteilen hierfür häufig einen sogenannten Schulwegplan, der bei der Routenplanung helfen kann.

Quelle: GOSLAR INSTITUT

 

Veröffentlicht am: 16.10.2026

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