
Es ist einer der ältesten und hartnäckigsten Ratschläge an der Börse: „Sell in May and go away“ – verkaufe deine Aktien im Mai und verabschiede dich erst einmal vom Börsenparkett. Wer dieser vermeintlichen Börsenweisheit in diesem Jahr gefolgt ist, dürfte sich allerdings bislang ziemlich geärgert haben.
Ein Blick auf den DAX zeigt, warum diese Strategie 2026 zumindest keine gute Idee war: Der deutsche Leitindex hat allein im Mai ein Plus von knapp vier Prozent hingelegt. Würde man diese Entwicklung pauschal auf das ganze Jahr hochrechnen, entspräche das einer theoretischen Rendite von satten 48 Prozent! Wer also im Mai blind verkauft hat, hat bares Geld auf der Straße liegen lassen.
Anstatt stur nach dem Kalender zu handeln, sollten sich Anleger eigentlich einer aktuell viel wichtigeren Frage widmen: Was mache ich mit meinen Investments im Urlaub – wie sichere ich mein Depot richtig ab, um entspannt zu „übersommern“? Wenn wir am Strand liegen, in den Bergen wandern oder einfach mal die Seele baumeln lassen wollen, sollte das Depot nicht zur Stressfalle werden. Anstatt alles zu verkaufen, geht es vielmehr darum, das Portfolio urlaubsreif zu machen.
Mit fünf einfachen Tricks können Anleger ihr Depot optimal auf ihre Abwesenheit vorbereiten
1. Bestehende Stop-Loss-Absicherungen checken und anpassen
Ein Stop-Loss ist der automatische Fallschirm an der Börse. Er verkauft eine Position automatisch, wenn sie unter einen bestimmten Wert fällt. Bevor sie die Koffer packen, sollten Anleger prüfen: Sind die Stop-Loss-Marken noch sinnvoll gesetzt? Wenn manche Aktien schon stark an Wert gewonnen haben, sollte der Stop-Loss nach oben anpasst werden, um bereits erzielte Gewinne für den Ernstfall abzusichern.
2. Das Depot in der Hosentasche: Kursalarme aktivieren
Wer bereits die App seines Brokers auf dem Smartphone hat, ist im Vorteil. Wer nicht, für den ist jetzt der richtige Zeitpunkt für die Installation. Natürlich müssen Anleger im Urlaub nicht minütlich Kurse checken, aber es beruhigt ungemein, wenn das Handy sich nur dann meldet, falls wirklich etwas Wichtiges passiert. Wer sich vor der Abreise gezielte Kursalarme für wichtige Marken setzt, bleibt informiert, ohne dass der ständige Blick ins Depot die Erholung stören würde. Das Handy haben Urlauber meist auch am Strand dabei - den großen Laptop oder PC bestimmt nicht.
3. Aufräumen vor der Abreise: Rebalancing und Klumpenrisiken abbauen
Ist eine bestimmte Aktie in der letzten Zeit extrem gut gelaufen? Das ist toll, führt aber oft dazu, dass diese eine Position nun einen viel zu großen Teil des gesamten Depots des Anlegers ausmacht – ein sogenanntes Klumpenrisiko entsteht. Die Zeit vor dem Urlaub sollte für ein „Rebalancing“ genutzt werden: Wer bei den High-Flyern einfach mal ein paar Gewinne mitnimmt, streut das Risiko wieder breiter und bringen sein Depot zurück ins Gleichgewicht.
4. Wackelkandidaten konsequent aussortieren
Jeder hat sie manchmal im Depot: Aktien, die beim Anleger eigentlich für Bauchschmerzen sorgen oder zumindest für Zweifel am Geschäftsmodell des jeweiligen Unternehmens. Der Urlaub ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um über solche Problemfälle zu grübeln. Wer kurzen Prozess damit macht und solche Wackelkandidaten vor der Abreise abstößt, kann am Strand einen Cocktail viel entspannter trinken, weil er keine Sorgenkinder im Portfolio hat.
5. Sparpläne stoisch weiterlaufen lassen
Egal ob ETF- oder Aktien-Sparplan – diese sollten über den Sommer auf gar keinen Fall pausiert werden. Gerade wenn die Börsen im Sommer mal etwas ruhiger laufen oder die Kurse leicht nachgeben sollten, spielen Sparpläne ihre größte Stärke aus: den sogenannten Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt). Da der Anleger jeden Monat für denselben Betrag kauft, erhält er bei sinkenden Kursen automatisch mehr Anteile fürs gleiche Geld. Wer den Sparplan stoppt, beraubt sich dieser Chance.
Top & Flop: Die stärksten Bewegungen im Mai 2026
Im Mai 2026 zeigte der DAX insgesamt eine sehr starke Aufwärtsbewegung und knackte die 25.000-Punkte-Marke. Bei den Einzelwerten gab es jedoch deutliche Unterschiede. Hier sind die Spitzenreiter und Schlusslichter der letzten vier Wochen (Performance-Werte gerundet auf Basis von Marktdaten rund um den 27./28. Mai 2026):