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Samstag, 21. April 2018
   
 

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Grauzone Kinderwunsch-Behandlung

Über Spenderzellen und Schneeflockenkinder

Wenn die Natur den Wunsch nach dem eigenen Kind nicht erfüllt, führt der Weg oft zum Reproduktionsmediziner. Auch wenn das Vertrauen in die Fähigkeiten der modernen Behandlungsmethoden groß ist, vermissen 72 Prozent betroffener Kinderwunschpaare authentische Erfahrungsberichte.

Ohne Austausch wissen viele beispielsweise nicht, dass es nach erfolglosen künstlichen Befruchtungen weitere Möglichkeiten gibt. Spenderzellen sind in solchen Fällen oft die Hoffnung aufs Wunschkind. Während Samenspende bereits seit den 1970ern eine gängige Methode ist, verbietet das Embryonenschutzgesetz in Deutschland das Einsetzen fremder Eizellen. Über die gesetzlichen Hintergründe und die bislang fast unbekannte Ausnahme der Embryonenspende berichten die Experten der Kinderwunsch Tage. 

Wenn die künstliche Befruchtung nicht hilft: Gespendete Zellen als Alternative

Aufgeschoben ist oft aufgehoben: Ungewollte Kinderlosigkeit ist heute auch die Folge später Familienplanung. Dr. Petra Thorn, seit 20 Jahren psychosoziale Kinderwunschberaterin: "Nach 'Nestbau', Karriereaufstieg und finanzieller Absicherung haben viele Menschen Probleme, den Wunsch vom Nachwuchs zu realisieren. Auch wenn einige Methoden bekannt sind, bestehen Vorbehalte, medizinische Hilfen in Anspruch zu nehmen." Der Anteil derer, die sich zwischen 40 und 50 Jahren für eine medizinische Behandlung entscheiden, ist mehr als doppelt so hoch wie im Alter zwischen 30 und 39 Jahren. Bei verminderter Spermienqualität sind Spendersamen eine Lösung, die gesellschaftlich anerkannt ist. "In Deutschland gibt es inzwischen viele Informationsangebote dazu, die Eizellspende ist jedoch noch immer verboten. Es wäre mittlerweile angemessen zu diskutieren, ob und unter welchen Umständen auch sie in Deutschland erlaubt werden kann", so die Beraterin.

Verbot der Eizellspende: Veraltete Gesetze regeln moderne Methoden


In Deutschland regelt das Embryonenschutzgesetz (ESchG) die Verwendung von Eizellen bei künstlicher Befruchtung. "Demnach dürfen einer Frau ausschließlich eigene Eizellen eingesetzt werden, andernfalls macht sich der behandelnde Arzt strafbar. Dies soll verhindern, dass Kinder quasi zwei biologische Mütter haben - die Spenderin und die Austragende", weiß Holger Eberlein, Anwalt für das Recht der Reproduktionsmedizin. Es bräuchte also eine neue gesetzliche Regelung, die Forderung nach einem Fortpflanzungsmedizingesetz fand in der Politik jedoch bislang kein Gehör. Eine Ausnahme bilden dabei jedoch jene Eizellen, die nach einer erfolgreichen künstlichen Befruchtung "übrig" bleiben.
 
Schneeflockenkinder: Eltern dürfen nicht gebrauchte Eizellen spenden

Das Verfahren ist in Deutschland umstritten, stellt für viele Kinderlose jedoch eine Chance dar. Der Reproduktionsmediziner Dr. David Peet: "Bei bestimmten Varianten der In-Vitro-Fertilisation werden meist mehr Eizellen gewonnen, als zur Herbeiführung einer Schwangerschaft benötigt werden. Dadurch entstehen regelmäßig überzählige, bereits befruchtete Eizellen." Da sich aus dem strengen deutschen Embryonenschutzgesetz (ESchG) kein Verbot zu ihrer Weitergabe herleiten lässt, könnten diese Zellen also von einem anderen Paar "adoptiert" werden. "Es besteht in Deutschland jedoch juristischer Regelbedarf, derzeit reisen Betroffene für eine entsprechende Behandlung oft ins europäische Ausland. Sobald die gegenwärtige rechtliche Grauzone überwunden ist, kann kinderlosen Paaren auch hierzulande in größerem Umfang geholfen werden - mit eben den Zellen, die von erfolgreich behandelten Paaren in den Gefrierbanken der Republik zurückgelassen wurden", so der erfahrene Facharzt. In vielen Ländern ist diese Embryonenspende bereits seit vielen Jahren Praxis, in den USA werden die Kinder "Schneeflockenkinder" genannt.
 
Grauzone Kinderwunsch-Behandlung: Deutschland braucht mehr Aufklärung

Jedes Land hat seine eigenen Gesetze, in Deutschland sind sie vergleichsweise streng und das Thema Spenderzellen nicht weitreichend bekannt. Insgesamt entwickeln sich die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin schneller als das gesellschaftliche Bewusstsein für die Relevanz der Kinderlosigkeit. Hinzu kommt, dass dieses Gebiet vielerorts fast tabuisiert wird. Als Veranstalter der deutschlandweit ersten Messe für alternative Familienplanung resümiert David McAllister: "Kinderlosen Menschen fehlt bislang eine unabhängige und seriöse Informationsbasis für ihre Bedürfnisse und der Austausch mit Gleichgesinnten. Mit den Kinderwunsch Tagen möchten wir endlich auch in Deutschland ein sicheres und vertrauensvolles Forum für alle Interessierten bieten."

 


Veröffentlicht am: 08.11.2016

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